Meinung
Auf den Hund gekommen

Mätzchen von und Märchen über Hunde im Fernsehen

Hauptsache, die Quote stimmt: Wie Hunde für Ulksendungen herhalten und „Experten“ Wunder präsentieren

An regnerischen Wochenendtagen dösen Frieda und Herrchen nach längeren Spaziergängern mit athletischen Tobe-Einsätzen verdientermaßen einträchtig in der Gegend herum. Friedebutsch schläft dann immer in Seitenlage mit weit ausgestreckten Vorderläufen auf einem Kissen, was von oben aussieht, als setze sie gerade zum Sprung über ein imaginäres Hindernis an oder als lege sie eine Vollbremsung hin.

Es empfiehlt sich, jetzt möglichst wenig Unruhe in die Bude zu bringen, denn Frieda, jung, neugierig und unternehmungslustig wie wir alle im Teenager-Alter, wird schnell wach – und damit wieder putzmunter. Dabei braucht sie zwischendurch mal ein Ruhestündchen – gar nicht zu reden vom Rest des Rudels. Zeit, mal wieder leise den Fernseher anzuschalten, um und bei mittlerweile mindestens 40 Programmen etwas halbwegs Interessantes zu finden.

Hundesendungen im TV gibt es viele

Tierärzte, Hundepensionen und Hundestrände haben uns (wie Sie ja wissen) früher nicht die Bohne interessiert, und mit Sendungen über den besten Freund des Menschen war das immer genauso. Davon gibt’s ja mittlerweile ziemlich viele, und irgendwo bleibt man als wissbegieriger Hundehalter immer hängen. Lassen Sie mich dazu zunächst eines klarstellen: Ich bin sicher, dass viele der gut gemachten, informative Hundesendungen eine große Hilfe sind vor allem für diejenigen, die keine Zeit für Hundetraining aufbringen können und es nicht schaffen, dicke Wälzer durchzuarbeiten. Seriöse „Hundeflüsterer“ haben schon vielen geholfen – uns und Frieda gelegentlich auch.

Interesse und Begeisterung lassen allerdings häufig schnell nach, wenn Hunde für irgendwelche Mätzchen herhalten müssen oder wenn den Zuschauern billige Tricks als märchenhafte Erziehungserfolge verkauft werden.

Pleiten, Pech und Hunde

Nehmen wir zum Einstieg mal ein paar Witz-Sendungen der Marke „Pleiten, Pech und Oops“ (na, Sie wissen schon), bei denen immerzu Missgeschicke präsentiert werden. Ich gebe gerne zu, dass ich lachen kann, wenn irgendwelche Tölpel mit ihrer Tapeziertisch-Leiter-Konstruktion zusammenkrachen. Bei Tieren geht mir das fast nie so. Immer wieder sieht man da Szenen, in denen Hunde verkleidet sind, Kinderwagen schieben müssen, in Rollen rennen wie im Hamsterrädern und ähnlichen Stuss.

Ein Hund springt von einem Schrank in die volle Badewanne – warum auch immer. Freiwillig ist er da bestimmt nicht hochgeklettert. Oder das: Ein Mann stolpert in einem dämlichen Halloween-Kostüm durch die Gegend und wird von seinem Hund attackiert, der ihn natürlich nicht erkennen kann. Wahnsinnig lustig, wie das Tier unter großem Stress Haus und Familie schützen will und auf Herrchen losgeht. Erst als der Halter sich die Maske vom Gesicht reißt und Kommandos brüllt, lässt der Hund nach – sichtlich verwirrt, wie zu sehen ist.

Die Tricks der Hunde-"Experten"

Nun zu etwas anderem. Neulich sah ich einen völlig unbekannten Hundeexperten, dem ratlose Menschen ihre angeblich ungezogenen Hunde präsentierten. Ein Hund rannte immer wie verrückt zur Haustür, wenn es klingelte – da konnte Frauchen noch so energisch an der Leine ziehen und noch so viele Kommandos rufen. Was tun? Der „Experte“ behauptete, sie müsse direkteren Blickkontakt zu dem Tier aufbauen und energischer auftreten – klang nachvollziehbar. Er blickte dem Hund tief in die Augen, sagte streng „stopp“ und zog ihn mit wenig Kraftaufwand von der Tür weg. Beim nächsten Durchgang klappte es dann noch besser, und schließlich gehorchte das Tier wie verwandelt. Jubel, Dankbarkeit, Abgang Frau und Hund.

Was der Mann nicht gesagt hatte, was man beim genauen Hingucken aber deutlich sehen konnte: Bei seinen Einsätzen war das Halsband des Tieres deutlich enger angezogen als bei den fruchtlosen Versuchen der Halterin. Wie mir eine echte Expertin erläuterte, reagieren Hunde dann immer viel folgsamer – schlichtweg, weil sie Angst haben. Auf solche Tricks kann ich gerne verzichten – und Sie sicherlich auch.

In der kommenden Woche berichte ich Ihnen, wie ein Hund im US-Fernsehen scheinbar ganz spontan zum fanatischen Bade-Fan wurde – und was wirklich dahintersteckte. Und dann feiert Frieda auch ein rundes Jubiläum.