Meinung
Hunde-Kolumne

Frieda und das Malheur mit dem Rasenteppich

Und warum hockt sie so verdächtig beim Nachbarn in der Einfahrt? Als Herrchen kann man viel erleben ...

In den vergangenen Wochen war die gute Frieda etwas in den Hintergrund getreten – ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Alltagsposition in unserem Leben. Was gibt’s Neues von Frieda, wollen viele gerne wissen, deshalb hier einfach mal ein paar Anekdoten zwischendurch.

Am vorletzten Wochenende, einem eiskalten Morgen, fuhr ich mit Friedebutsch zu Bekannten in deren Wochenendhaus. Sie sprang nur ein paar Minuten im Vorgarten herum, dann hielt sie ihre Stupsnase in die Luft und verzog sich auffallend schnell zu den Nachbarn – bei denen sie immer gerne gesehen ist. Nach einer Weile vergeblichen Rufens und Wartens ging ich schließlich doch mal hinterher. Frieda hockte in der Einfahrt, und ihre Körpersprache war mir sofort verdächtig. Verstohlen blickte sie kurz über ihre schmale Schulter und machte sich dann weiterhin hektisch über irgendetwas auf den Bodenplatten her. Typisch: Mit ihrem zierlichen Körper versuchte sie verbissen, dem heraneilenden Herrchen den Blick auf ihre „Beute“ zu versperren. Zum Glück hatte sie ihre Schleppleine um, denn nur so konnte ich sie schnell von dem kostbaren Fund wegziehen. Der bestand aus einem erst kurz zuvor platt gefahrenen Maulwurf, der von einer dünnen Frostschicht überzogen war. Offenbar hatte Frieda daran herumgeschlabbert wie an einem leckeren Eis. Na toll. Da schleppt man dauern köstliches (und teures) Dosenfutter an – und dann so etwas. Na ja, Hunde, egal wie gut domestiziert, sind und bleiben eben auch immer kleine Wölfe …

Apropos Fressi. Ich hatte hier ja schon mal geschrieben, dass sich Frieda mit dem Gedächtnis eines Mini-Elefanten die Orte merkt, an denen sie mal irgendwelche Krümel abstauben konnte. Neuerdings peilt sie die aber mit viel strategischem Geschick direkt an – zuverlässig und durch so gut wie nichts abzulenken. Ganz oben auf ihrer aktuellen Liste steht jetzt ein ungefähr 50 Meter langes Stück Rinnstein, das sie permanent schnüffelnd abklappert. Der Grund: An der nächsten Ecke ist eine Grundschule, und am gesamten Straßenabschnitt stoppen morgens im fliegenden Wechsel die beliebten Elterntaxis. Dauernd springen lauter müde Emmas, Henrys und Lilis mit ihren Brötchen, Broten, veganen „Snacks“ und Brezeln aus den Geländewagen. Ja, merkwürdig: Kleine Brezelstücke liegen da dauernd. Fast wie in Bayern.

Nächster Stopp ist ein bestimmtes Plätzchen an einer der vielen Straßenbaustellen. Mittlerweile konnte ich rekonstruieren, dass die Bauarbeiter genau an dieser Stelle immer ihre Frühstückspause abhalten, und da fallen natürlich täglich ein paar Brösel ab. Da will Frieda immer unbedingt hin – da gibt’s kein Halten.

Strenge Leser werden jetzt zu Recht sagen, dass ja eigentlich das Herrchen als Leittier die Marschrichtung vorzugeben hat, aber ich gebe zu, dass es einfach zu faszinierend und auch komisch ist, Friedas unermüdlichen Einsatz zu beobachten.

Stubenrein ist Friedebutsch ja schon lange – eigentlich auch faszinierend, wie gut das klappt. Wenn sie nachts doch mal von einem Bedürfnis angefallen wird, was sehr selten vorkommt, maunzt sie vor sich hin wie sonst nie im Alltag (hört sich an wie eine große Katze) und klopft mit der Pfote gegen die Tür. Ziemlich unmissverständlich das Ganze.

Neulich ereignete sich dann aber Folgendes: Wir besuchten Freunde im neuen Haus. Begeistert zeigten sie uns ihren schönen Wintergarten, in dem es ziemlich kühl und reichlich dunkel war. Besonders Schmuckstück dieses Raums ist ein „Rasenteppich“ mit langen grünen, sehr flauschigen Fransen. Sie ahnen vermutlich, was dann geschah. Friedebutsch muss sich wie bei Mutter Natur gefühlt haben, und bevor es irgendjemand kommen sah, weihte sie das gute Stück feuchtfröhlich ein. Die Freunde, selbst begeisterte Hundehalter, nahmen diese Rasentaufe nicht weiter tragisch, jedenfalls lachten sie – wenn auch etwas gequält. Ob wir da noch mal eingeladen werden?

Wenn nicht, kann ich’s auch nicht ändern. Für einen jungen Hund muss man eben ein paar Opfer bringen, dafür gibt’s dann ja auch täglich etwas zu lachen. Anekdoten-Fortsetzung folgt.