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"Maischberger": CDU-Politiker sieht seine Partei am Abgrund

| Lesedauer: 5 Minuten
Helena Düll
Alle Zeichen stehen auf Ampel-Koalition

Alle Zeichen stehen auf Ampel-Koalition

Tag zwei nach der Bundestagswahl: Die Fraktionen treffen sich erstmals in neuer Besetzung im Bundestag - auch die Grünen. Bei der Ökopartei bevorzugen viele ein Ampel-Bündnis mit Olaf Scholz als Kanzler. Doch zunächst stehen Verhandlungen mit der FDP an.

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Die Wahl war eine Klatsche für die Union. Bei "Maischberger" windet sich der Unionsfraktionsvize zur Zukunft von Parteichef Laschet.

Berlin. Die CDU hat eine historische Wahlschlappe eingefahren - auch wenn manch einer in der Union sich noch schwer damit tut, das einzugestehen. Bei Sandra Maischberger zeigte sich einer aus der vordersten Reihe der Union, der das Ausmaß des Wahlergebnisses erkannte: Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann nannte es ein "Desaster". "Das Ding geht richtig ins Mark. Wir stehen vor einer existenziellen Frage", sagte er.

Es brauche jetzt eine rasche und tiefgehende Wahlanalyse - Kanzlerkandidat Armin Laschet wolle das auch, und dafür sei er persönlich dankbar. Allerdings endet da dann augenscheinlich auch Linnemanns Dankbarkeit. Ob denn Laschet jetzt noch der richtige Parteichef sei, wollte die Moderatorin wissen. Darauf antwortete Linnemann: "Armin Laschet hat 24 Prozent geholt. Das ist so." Wahre Begeisterung sieht wohl anders aus.

Trotzdem will Linnemann in die Zukunft blicken. Immerhin gebe es noch die Chance auf eine Koalition aus Union, Grünen und FDP. Jamaika also. Was ist aber mit Laschet und seiner Zukunft als Parteichef, wenn auch das platzt? Auch diese Frage interessierte Moderatorin Maischberger. "Dann werden wir einen Prozess einleiten", sagte Linnemann. "Ich möchte dann mindestens vier oder acht Wochen über Inhalte reden. Wenn wir sofort über die Köpfe reden, wird's schwierig." Da klingt heraus: Der Druck auf Laschet ist immens. Lesen Sie auch: Olaf Scholz: Das sind die Regierungspläne des Wahlsiegers

Sandra Maischberger: Grüne und FDP machen Selfie mit Signalwirkung

Und er ist am Dienstag nicht weniger geworden. Da veröffentlichten Annalena Baerbock, Robert Habeck, Christian Lindner und Volker Wissing das, was Sandra Maischberger in ihrer Sendung als "Foto der Woche, wenn nicht gar des Jahres" bezeichnet: Das Selfie mit Signalwirkung der beiden Spitzenduos von Grünen und FDP. Entstanden ist es in der Nacht auf Mittwoch beim ersten Aufeinandertreffen nach der Bundestagswahl. Gepostet wurde es von den vier Spitzenpolitikern zum selben Zeitpunkt und mit derselben Bildunterschrift bei Instagram.

Diese, wie Maischberger sie in der Talkshow nennt, "überraschenden Bilder aus dem politischen Berlin" findet auch Tina Hassel, die Leiterin des "ARD"-Hauptstadtstudios "ziemlich gekonnt". "Die tun etwas, was ich ganz vorbildlich finde: Die reden miteinander, statt sich mit Förmchen zu bewerfen", so das Urteil des Journalisten Hajo Schumacher.

"Maischberger": Das waren die Gäste

  • Carsten Linnemann (CDU), stellv. Fraktionsvorsitzender
  • Claudia Roth (Grüne), Bundestagsvizepräsidentin
  • Ralf Stegner (SPD), Innenminister Schleswig-Holstein
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Mitglied des Bundesvorstandes)
  • Tina Hassel, Leiterin "ARD"-Hauptstadtstudio
  • Dagmar Rosenfeld, "Welt"-Chefredakteurin
  • Hajo Schumacher, Journalist
  • Mehr zu den Gästen lesen Sie hier

"Maischberger" in der ARD: Wie ernst meinen es Grüne und FDP?

Maischberger will wissen, wie viel Harmonie wirklich hinter dieser Inszenierung steckt und fragt bei Claudia Roth (Grüne) nach. "Wir meinen es ernst. Es geht nicht so weiter, wie es war", sagt die. Und ergänzt: "Man muss sich nicht lieben. Aber man muss respektvoll miteinander umgehen."

Über Themen wie Klima- und Steuerpolitik sucht Maischberger an diesem Abend Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien. Sie fragt: Wo können trotz der vorhandenen Unterschiede in den Programmen Brücken gebaut werden? Als auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) von Brücken des Respekts, Vertrauens sowie von Verhandlungen auf Augenhöhe spricht, gibt Maischberger auf: "Ich komme mir vor wie in einem Stuhlkreis."

Die Bilder der Koalitionsverhandlungen aus dem Jahr 2017 sollen sich nicht wiederholen, da ist sich die Runde einig. "Welt"-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld sieht im gemeinsamen Instagram-Post gar einen gelungenen "Lackmustest für eine gemeinsame Basis." Hajo Schumacher ist sich sicher: "Das Vierer-Foto hat gezeigt, dass die Ressource Vertrauen gegeben ist."

Journalistin bei "Maischberger": Union mit "absolut abstoßenden" Bildern

Im Gegensatz dazu sei das Bild, das die Union am Dienstag beim chaotischen Streit um den Fraktionsvorsitz abgegeben habe, laut Tina Hassel "absolut abstoßend” und zeuge von einer "geschwächten Union". Die Journalist*innen der Runde sind sich einig: Eine Jamaika-Koalition ist nur noch eine "Illusion", wie Dagmar Rosenfeld sagt und eine Ampel-Koalition die wahrscheinlichere.

"Man kann die CDU mit einem Clan vergleichen. Da geht es um Ehre und um Rache", sagt Hajo Schumacher. Politik sei "brutal im Moment", so Tina Hassel. "Wenn die Union in die Opposition kommt, dann könnte es sein, wenn man sich mal in Europa umschaut im Moment, dass sie da sehr, sehr lange bleiben." Doch, da sind sich die Journalist*innen einig: Das würde der Partei guttun, da könne sie sich sortieren und die Führungsfrage klären.

"Maischberger": So liefen die vergangenen Sendungen:

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