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Bremer Tatort schlägt Wagner-Clan um Längen

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Der ARD-Tatort "Brüder" darf sich über eine große Einschaltquote freuen. Enttäuschung hingegen beim ZDF: Die historische Verfilmung um einen kriminellen Clan musste sich mit weniger als fünf Millionen Zuschauern begnügen.

Berlin. Der Bremer Tatort mit dem Titel Brüder fertigte die Fernsehkonkurrenz am Sonntagabend in großem Stil ab. 10,18 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 27,4 Prozent) interessierten sich für den Krimi, in dem es um einen kriminellen Clan in der Hansestadt geht.

Die historische ZDF-Verfilmung "Der Wagner-Clan – Eine Familiengeschichte" von Produzent Oliver Berben mit seiner Mutter Iris in der Hauptrolle als Cosima Wagner sowie Lars Eidinger, Eva Löbau und Petra Schmidt-Schaller als ihre Kinder musste sich zeitgleich mit 4,44 Millionen Zuschauern (12,2 Prozent) begnügen. Die Abschlussfeier der 22. Olympischen Winterspiele in Sotschi verfolgten 6,33 Millionen Zuschauer (25,8 Prozent).

Der beste Privatsender war am Abend Sat.1 mit seinen Krimiserien "Navy CIS" und "The Mentalist", die nacheinander 3,90 Millionen (10,5 Prozent) und 3,33 Millionen Zuschauer (9,5 Prozent) verfolgten. Den ProSieben-Thriller "Verblendung" mit Daniel Craig nach dem schwedischen Schriftsteller Stieg Larsson sahen 3,39 Millionen Menschen (10,6 Prozent).

Die Abenteuerkomödie "Nachts im Museum" mit Ben Stiller auf RTL kam auf 2,85 Millionen Zuschauer (8,0 Prozent), die Vox-Reihe "Das perfekte Promi Dinner" auf 1,44 Millionen (4,5 Prozent) und der RTL-II-Actionstreifen "Rocky III – Das Auge des Tigers" mit Sylvester Stallone auf 870 000 Zuschauer (2,4 Prozent).

In der bisherigen Jahresbilanz liegt das ZDF mit 14,2 Prozent auf dem ersten Platz. Die ARD liegt dahinter mit 12,7 Prozent vor RTL mit 11,7 Prozent. Sat.1 folgt mit 7,7 Prozent, ProSieben kommt auf 5,4 Prozent, Vox auf 5,0 Prozent, RTL II auf 3,8 Prozent, Kabel eins auf 3,7 Prozent und Super RTL auf 1,7 Prozent.

Der Tatort begeisterte mit einer Geschichte um kriminelle Machenschaften einer deutsch-arabischen Familie, die keine Skrupel vor der Polizei oder der Justiz haben. Auch das Bremer Ermittlerduo Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) gab eine gute Figur ab, den komplizierten Fall zu lösen. Gleich zu Beginn wurde eine Polizistin brutal ins Koma geprügelt, während ihr Kollege, der fortlaufend über die Tat schwieg, flüchten konnte.

Bremer Innenstaatsrat: "Tatort" sendet falsche Botschaft


Der Bremer Innenstaatsrat Holger Münch hat den Tatort indes kritisiert: Der 52-Jährige bemängelte den Krimi, weil er "zur "Stigmatisierung" beitragen könne.

Es geht in dem Fall um Clan-Kriminalität und die Frage, ob sich die Clan-Mitglieder dauerhaft von ihrer Umgebung lösen können. Ein Mann, der den Absprung fast geschafft habe, werde am Ende wieder kriminell, ganz nach dem Motto einmal dazugehörig, immer dazugehörig, so Münch. "Genau das ist es ja, was wir nicht brauchen an Botschaften", sagte Münch, der früher auch Polizeipräsident in Bremen war.

In dem Krimi geht es ohne direkte Namensnennung um die Gruppe der ursprünglich aus der Türkei stammenden Mhallamiye, die in Bremen in etwa 30 Großfamilien etwa 2600 Mitglieder umfasst. "Wir sind den Nachwuchs angegangen, damit sie schlechten Vorbildern nicht nacheifern", sagte der Staatsrat. Man habe sich um die "großen Brüder" gekümmert, von denen der "Tatort" handele.

Alleine 2012 seien 86 Haftbefehle vollstreckt worden. "Wir haben einen Rückgang an schweren Straftaten mit Wirkung auf die jüngere Generation und Beruhigung im öffentlichen Raum." Positive Vorbilder sollten jedoch gestärkt werden, es gebe Akademiker, Kfz-Meister und Restaurantbesitzer unter ihnen.

Nach Münchs Überzeugung ist die Gleichsetzung eines Clans mit ihren herausragenden kriminellen Köpfen ein großes Problem. "Ich befürchte, dass man alle Menschen aus einer bestimmten Gruppe oder mit einem bestimmten Namen für Kriminelle hält."

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