Elbphilharmonie

Evelyn Glennie – kitzelnde Wummerwellen im Großen Saal

Evelyn Glennie beherrscht etliche Instrumente.

Evelyn Glennie beherrscht etliche Instrumente.

Foto: pa Picture-Alliance

Die sehr spezielle und nahezu taube Percussionistin spielte in der Elbphilharmonie. Glennies Klangwerk gefiel nicht allen.

Hamburg. Auch wenn ihre Geschichte schon zigfach erzählt wurde, staunt man doch jedes Mal aufs Neue: Darüber, dass Evelyn Glennie – diese großartige Musikerin und Percussion-Pionierin – als Kind fast das Gehör verloren hat. Glennie ist nahezu taub. Das mag man vor allem deshalb nicht glauben, weil sie ihren Instrumenten so feine Nuancen ablauscht.

Evelyn Glennie lässt es in der Elbphilharmonie krachen

Im Großen Saal der Elbphilharmonie – der im gedämpften Rotlicht noch mehr als sonst wie eine mysteriöse Musikhöhle wirkte – begann Glennie ihren Auftritt mit Tönen am Rande der Stille. Wie eine Schamanin, die die Magie des Klangs beschwört, schabte und kratzte die Britin mit den langen grauen Haaren auf dem Tamtam, dessen Raunen und Quietschen den Ausgangspunkt zu Keiko Abes „Prism Rhapsody“ bilden: Ein lebendiger Dialog zwischen dem Klavier, gespielt von ihrem langjährigen Pianistenpartner Philip Smith, und wechselnden Schlagwerksounds, mit Fokus auf der Marimba, die Glennie hochvirtuos und mit teilweise sechs Schlägeln zur selben Zeit beklöppelte.

Noch zwei Spuren filigraner: „Orologeria aureola“ für Tonband und Halo Drum, ein Instrument, das wie eine leicht verbeulte Wok-Pfanne aussieht und unter den bloßen Händen von Glennie zu einem Füllhorn an vertrackten Rhythmen mutierte.

Weniger herrlich: Steve Reichs Geduldsübung „Piano Phase“

Sie mag Musik nicht nur, wenn sie laut ist. Aber sie kann’s schon auch krachen lassen, wenn die Schlagwerkerin in James Keanes „Piece for Dance“ knackige Salven auf die Drums niederknattern lässt. Gerade die Attacken der Basstrommel schickten so schöne Wummerwellen in den Saal, die sich über den Boden bis in die Sitze durchvibrierten und einem das Zwerchfell kitzelten. Herrlich.

Weniger herrlich, zumindest für einen Teil der Hörer, geriet Steve Reichs minimalistische Geduldsübung „Piano Phase“, die ein simples musikalisches Muster auf zwei Instrumenten in Dauerschleife wiederholt und dabei schrittweise gegeneinander verschiebt. Da teilten Glennie und Smith, jetzt beide am Klavier, das Publikum in zwei lautstarke Fraktionen: eine, die in Reichs Rhythmen eintauchen mochte und kräftig applaudierte, und eine andere, die das alles als nervtötendes Gedudel erlebte und entsprechend kräftig buhte.

Versöhnliches für das gespaltene Publikum zum Schluss

Glennie nahm die gespaltenen Reaktionen gelassen zur Kenntnis und fing die Stimmung mit einer sympathischen Moderation und einem versöhnlichen Schlussstück auf.

„Views from Olympus“ von John Psathas verzauberte mit süßen Melodien und dem sanften Silberplätschern der Chimes, am Ende eines Konzerts, das vor allem in den kammermusikalischen Momenten seine besonderen Stärken hatte.