Konzertkritik

Elbphilharmonie: Geigentöne im Zahnschmerzbereich

Geiger Alexander Balanescu kam mit seinem Quartett.

Geiger Alexander Balanescu kam mit seinem Quartett.

Foto: dpa Picture-Alliance / Janos Marjai

Einfallslos, bleiern und floskelhaft: Misslungener Auftritt des Balanescu Quartetts im Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

Hamburg. Wenn ein Musiker beteuert, es sei aufregend, in Hamburg zu spielen, und dabei klingt und aussieht, als würde er gleich wegdösen, wirkt das wenig vielversprechend. Man ahnt, dass das ein zäher Abend werden könnte. Und diese Befürchtung sollte sich bewahrheiten. Mit der Einladung des Geigers Alexander Balanescu und seinem Quartett hat die verdienstvolle Neue-Musik-Reihe HappyNewEars keinen Glücksgriff getan; der Kleine Saal der Elbphilharmonie war auch nur etwa zur Hälfte gefüllt.

Dabei las sich das Konzept auf dem Papier verlockend: Eine Hommage an die 1963 verstorbene Maria Tanase, die als „Piaf des Ostens“ verehrt wurde und in ihrer rumänischen Heimat in den Herzen vieler Menschen bis heute weiter lebt. Die gesampelten Aufnahmen mit ihr blieben dann auch die Höhepunkte des Konzerts, sie vermittelten einen Eindruck von der eigentümlich rauen und zugleich warmen Altstimme der Sängerin und ihrem besonderen Charisma.

Gegen Ende brach das Phlegma auf

Aber damit war das Pulver weitgehend verschossen. Alexander Balanescu hat Bausteine aus Tanases Liedern aufgegriffen und als Grundlage seiner Stücke für Streichquartett genutzt. Nur meistens ohne den musikalischen Zauber des Originals hinüber retten zu können. Viele der Arrangements zelebrieren eine breit gewalzte Einfallslosigkeit mit allersimpelsten Rhythmus- und Melodiefloskeln. Der Sound – wummernder Cello-Bass, reichlich Hall und scharfe Geigentöne im Zahnschmerzbereich – machte die Sache nicht besser, ebensowenig wie die bleierne Bühnenpräsenz des Quartetts. Balanescus Kollegen strichen ungefähr so inspiriert, als hätten sie vorher gemeinsam Valium genascht.

Es gab auch richtig schöne Momente, etwa in einem Wiegenlied mit inniger Unisono-Melodie. Und gegen Ende brach das Phlegma endlich auf, als Balanescu seinem Ensemble bei einem Anti-Kriegs-Song und in der Zugabe Leidenschaft und Temperament einhauchte. Das Publikum reagierte auch dankbar und begeistert. Trotzdem: Insgesamt war das einfach zu wenig.