Konzert im Stadtpark

Hamburger Goldkehlchen: 70 Männer, die nicht singen können

Foto: Andreas Laible

Der etwas andere Männerchor überzeugt: Gut 4000 Fans wollten sich im Stadtpark die volle schiefe Dröhnung geben.

Hamburg. „Wir sind aufgeregt und auch ein bisschen stolz“, ruft Flemming Pinck in den Stadtpark hinein. „Aber ganz ehrlich, warum tut ihr Euch das an?“ Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Vor drei Jahren hat er mit seinem Kumpel Max Michel einen etwas anderen Männerchor gegründet, die Hamburger Goldkehlchen. Gut 70 Typen in Jeans oder Shorts, in T-Shirt und mit Basecap laufen da wie Footballstars auf die Bühne. Ihr Markenzeichen: Sie können nicht singen. Das aber mit Inbrunst. Herzblut statt Halbtöne sozusagen.

Bis auf den letzten Wiesenflecken ist die Freiluftfläche gefüllt. Gut 4000 Fans wollen sich die volle schiefe Dröhnung geben. Ein Abend mit geballter – und guter – Energie: Veranstalter Karsten Jahnke hat die grüne Spielstätte kostenlos zur Verfügung gestellt und der Eintritt ist frei, denn die Goldkehlchen wollen 25.000 Euro für die Hamburger Tafel sammeln. Ehrenamtliche des gemeinnützigen Vereins laufen mit Spendentöpfen durch die bestens gelaunte Menge. Und als Chorleiter Christian Sondermann zu „Thunderstruck“ von AC/DC einläuft, sind bereits knapp 10.000 Euro auf der Uhr.

Goldkehlchen präsentieren schillerndes Set an Pop-Songs

Die Goldkehlchen manövrieren sich durch ein schillerndes Set an Pop-Songs: Chers „Shoop Shoop Song“ – charmant gejault. „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ von der Münchner Freiheit – gefühlvoll geschrien. Justin Biebers „Sorry“ – ein passionierter Silbensalat. Besonders schön: Wenn die grölenden Gesangsgesichter der Goldkehlchen auf der Großleinwand eingeblendet werden. So sieht pure Leidenschaft aus.

Und der Funke springt über: Vom „Jung mit'n Tüdelband“ bis zu „Eternal Flame“ von den Bangles gerät das Konzert zum großen beglückenden Mitsing-Happening – befeuert von einer Hans-Rosenthal-Gedächtnis-Massenchoreographie zu dem Ausruf „Das war Spitze“ sowie diversen Neben- und Backgroundchören, die sich immer wieder im Publikum bilden.

30.000 Euro für die Hamburger Tafel

Die gut zwei Stunden sind gespickt mit kurzweiligen Aktionen: Blumen für Pincks Omi, ein Spontan-Casting für die Goldkehlchen (die eigentlich eine lange Warteliste haben), eine irritierend gut klingende Gastsängerin und eine Reggae-Jam-Session (ja, manche Goldkehlchen können tatsächlich Instrumente spielen).

Als diese nordische Boygroup dann zum Finale ihre eigene Hymne „Moin Moin Hamburg“ schmettert, ist bereits ein Scheck von 30.000 Euro an die Tafel überreicht. Nächstes Ziel: Elbphilharmonie und Eurovision Song Contest. Talentfrei zum Erfolg – warum nicht?