Tennis am Rothenbaum

Goldkehlchen und Max Giesinger stimmten auf das Turnier ein

Alexander Zverev, Barbara Schett, Nicolas Massu, Iva Majoli (v.l.).

Alexander Zverev, Barbara Schett, Nicolas Massu, Iva Majoli (v.l.).

Foto: dpa

Hamburg European Open vor 4500 Zuschauern eröffnet. Alexander Zverev gewinnt Showdoppel, Bruder Mischa sagt Einzelstart ab.

Hamburg. Das wichtigste Ergebnis eines Tages, an dem Ergebnisse nur eine Nebenrolle spielten, war dieses: Der Rothenbaum ist nach der grandiosen Beachvolleyball-WM Anfang des Monats bereit für den nächsten Sporthöhepunkt. Doch für die perfekte Einstimmung sorgten am Sonntagabend nicht die Tennisasse, sondern gut 50 Mitglieder der Hamburger Goldkehlchen. Diesem im September 2016 gegründeten Männerchor, der das Motto „Schlecht singen kann ich gut, nur gut singen kann ich schlecht“ genial mit Leben erfüllt.

40 Minuten lang schunkelten, klatschten und sangen 4500 Besucher auf dem Center Court beim Eröffnungsevent zu einer Mischung aus Hamburger Klassikern und Welthits, die zwar nicht immer schön, aber dafür schön laut präsentiert wurden. Max Giesinger, als Hauptact angekündigt, hatte es danach schwer. Aber er hatte ja auch nur zwei Freunde zur Verstärkung mitgebracht und wusste trotzdem zu überzeugen.

Tennishunger angeregt

Bälle geschlagen wurden am Sonntag aber auch, und das nicht nur in den vier Qualifikationsfinals. Mit einem gemischten Showdoppel hatten der Hamburger Weltranglistenfünfte Alexander Zverev (22) und die Österreicherin Barbara Schett (43) auf der einen sowie der Chilene Nicolas Massu (39) und die Kroatin Iva Majoli (41) auf der anderen Seite des Netzes das bunte Unterhaltungsprogramm um 17 Uhr eröffnet.

Schett, die das Turnier von Montag an als Interviewerin auf dem Center Court begleiten wird, hatte 1998 und 2002 am Rothenbaum die Doppelkonkurrenz gewonnen, Majoli 1997 im Einzel triumphiert. Massu ist bis heute der einzige Tennisprofi, der im selben Jahr – 2004 in Athen – Olympiagold im Einzel und Doppel gewinnen konnte.

Zwar waren weder Stimmung noch Niveau so gut wie bei den Legendenmatches, mit denen der frühere Turnierdirektor Michael Stich die Veranstaltung zehn Jahre lang eröffnet hatte. Aber neue Dinge müssen sich entwickeln, und das Quartett tat alles, um den Tennis-Hunger des Publikums anzuregen. Dass Zverev auch gegen Majoli bisweilen mit rund 220 km/h aufschlug, machte er durch charmante Späßchen mehr als wett. Am Ende siegten Schett und er im nach den „Fast Four“-Regeln – Sätze bis vier, Tiebreak bei 3:3, Entscheidungspunkt statt Vorteil – ausgetragenen Format mit 4:3 (7:4) und 4:3 (7:3).

Für Zverev lockerer Aufgalopp

Massu, Trainer des österreichischen Topgesetzten Dominic Thiem, hatte den Platz von Mischa Zverev eingenommen. Der 31 Jahre alte Bruder der deutschen Nummer eins hätte nicht nur am Sonntag, sondern per Wildcard auch im Einzel-Hauptfeld aufschlagen sollen. Nachdem er am Freitag jedoch sein Viertelfinale beim ATP-Rasenturnier in Newport (US-Bundesstaat Rhode Island) gegen den Spanier Marcel Granollers mit 3:6, 0:6 verloren hatte, klagte der auf Weltranglistenposition 209 abgerutschte Vater eines knapp einjährigen Sohnes über gesundheitliche Probleme und sagte seine Mixed- und Einzelauftritte ab. Im Doppel wollen die Zverev-Brüder aber weiterhin gemeinsam starten.

Für Alexander war das Mixed ein lockerer Aufgalopp für seine harte Erstrundenaufgabe. Gegen den Chilenen Nicolas Jarry (23/Nr. 64), der 2018 im Rothenbaum-Halbfinale stand und am Sonntag das Finale im schwedischen Bastad mit 7:6 (9:7), 6:4 gegen den Argentinier Juan Ignacio Londero (25/Nr. 71) gewann, hat der Hamburger eine 1:1-Bilanz. Für seine Dreisatzniederlage in der zweiten Runde des ATP-Turniers in Barcelona Ende April revanchierte er sich einen Monat später im Finale von Genf ebenfalls in drei Sätzen. „Das wird kein leichtes Match. Ich hoffe, dass viele von euch wiederkommen“, sagte Zverev. Der Stimmung nach zu urteilen dürfte diese Hoffnung Realität werden.

Wahrscheinlich braucht es die Erfahrung von fast 20 Jahren auf der Profitour, um auf eine knüppelharte Auslosung so gelassen zu reagieren, wie es Philipp Kohlschreiber am Sonnabendmittag tat. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagte der 35 Jahre alte Augsburger, nachdem ihm für sein Erstrundenmatch am Rothenbaum der ungarische Topspieler Marton Fucsovics zugelost worden war. Der 27-Jährige wird an Position 49 der Weltrangliste und damit 20 Plätze besser als Kohlschreiber geführt. Siegt der Daviscupspieler bei seiner 15. Hamburg-Teilnahme, wartet im Achtelfinale wohl der topgesetzte Österreicher Dominic Thiem (siehe Text rechts).

Eine ebenso komplizierte erste Aufgabe losten in der Kunsthalle am Glockengießerwall die Losfeen Kohlschreiber, Daniel Altmaier (20/Nr. 437) und Fabio Fognini (32/Italien/Nr. 9) auch dem wichtigsten Zugpferd zu. Alexander Zverev (22/Nr. 5) bekommt es mit dem Chilenen Nicolas Jarry (23/Nr. 64) zu tun (siehe Text unten). Deutschlands zweitbester Profi, der Warsteiner Jan-Lennard Struff (29/Nr. 35), misst sich zum Auftakt mit dem brasilianischen Qualifikanten Thiago Monteiro (25/Nr. 88).

Harte Lose für die sieben deutschen Hauptfeldstarter

Der Gießener Julian Lenz (26/Nr. 372), der als einziger von vier Deutschen die Qualifikation überstand, fordert Fognini. Altmaier spielt gegen den Slowaken Martin Klizan (30/Nr. 61), der 2016 am Rothenbaum siegte. Der Karlsruher Yannick Hanfmann (27/Nr. 227) trifft auf den Spanier Pablo Carreno Busta (28/Nr. 53).

Der Berliner Rudi Molleker (18/Nr. 153), wie Hanfmann per Wildcard im Hauptfeld, darf sich erneut gegen Leonardo Mayer (32/Nr. 60) versuchen. 2017 besiegte er den Argentinier in der Qualifikation – und schied in Runde eins aus. Mayer rutschte als Lucky Loser ins Hauptfeld – und schaffte seinen zweiten Hamburg-Triumph nach 2014!