Konzertkritik

Schleierzartes und Blechgewitter in der Elbphilharmonie

Umwerfend und virtuos: Smetanas wunderbare "Moldau" und ein Oboenkonzert von Richard Strauss im großen Saal.

Hamburg. Kurz vor Schluss hat das Internationale Musikfest noch einmal mit einem Konzert aufgewartet, das auf das Motto „Identität“ einzahlte, wenn auch auf seine eigene, hintergründige Weise. Die Bamberger Symphoniker waren bei ProArte im großen Saal der Elbphilharmonie zu Gast, und ihr Solist war Albrecht Mayer, der, selbst in Bamberg aufgewachsen, seine Karriere einst als Solooboist des Orchesters begonnen hatte. Dem Oboenkonzert von Richard Strauss schickte Mayer als Einleitung – die habe der alte Strauss vergessen, gab er launig zu Protokoll – Elgars „Soliloquy“ voraus.

Strauss hat den Solopart mit höllisch schweren Läufen bedacht, die aber bitteschön wie federleichte Girlanden klingen sollen, duftig wie die Naturmalereien in den „Vier letzten Liedern“ oder der späten Oper „Daphne“. Mayer modellierte das alles hochvirtuos mit endlosem Atem und gleichbleibend hellem Ton.

Einzigartige Kraft des Zusammenhaltes im Orchester

Die Leitung hatte der Chefdirigent Jakub Hrusa, und der kommt, Achtung Identität!, genauso aus Tschechien wie Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“. Bei sechs sinfonischen Dichtungen hintereinander wurde klar, warum „Die Moldau“ der größte Hit unter ihnen geworden ist. Sie ist die lyrischste und für Menschen, die mit der tschechischen Mythologie nicht ganz so vertraut sind, die verständlichste.

Die Künstler widmeten sich allen sechsen mit der gleichen Liebe. Dieses Orchester hat eine einzigartige Kraft des Zusammenhalts, und Hrusa verband völlige Hingabe mit feinster Kontrolle im Detail, von den schleierzarten Flächen in der „Moldau“ bis zu den Blechgewittern in „Blaník“. Umwerfend.