Elbphilharmonie

Mozart virtuos mit den Beatles verschmolzen

Der Zugang zum Kleinen Saal der Elbphilharmonie (Archivbild)

Der Zugang zum Kleinen Saal der Elbphilharmonie (Archivbild)

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Das Janoska Ensemble riss sein Publikum im Kleinen Saal schier von den Sitzen – mit Virtuosität, Witz und Improvisation.

Hamburg.  Kurz vorm Einsatz tritt der Pianist ans Pult des zweiten Geigers und dreht das Notenblatt auf den Kopf. Der stutzt, dreht es zurück und wieder um, grinst und zuckt die Achseln, als wollte er sagen: Es kommt nicht darauf an. Schon geht die Musik los. Und wie.

Tatsächlich gehört der berühmte Kanon von Pachelbel zu den Stücken, die man auch von hinten nach vorn spielen könnte. Den Witz, der in der kleinen Szene liegt, erläutern die Musiker des Janoska Ensembles nicht. Er dauert nicht länger als ein Wimpernschlag und zeigt, mit wieviel Esprit und Freude die vier dabei sind. Mit funkensprühender Virtuosität reißen sie das Publikum im Kleinen Saal der Elbphilharmonie schier von den Sitzen.

Mozart trifft auf die Beatles beim Janoska Ensemble

Die drei Brüder Janoska, zwei Geiger und ein Pianist, und ihr Schwager am Kontrabass sind mit ihrem Programm „Revolution“ bei ProArte zu Gast, Untertitel „From Vienna to Liverpool“. Und so verquirlen sie fröhlich klassisches Kernrepertoire mit Beatles-Songs. Was erstaunlich gut gelingt, weil sich auch die Beatles im späten 20. Jahrhundert auf die guten alten überbrachten Harmoniefolgen bezogen.

Pachelbels „Kanon“ verwoben mit „Let It Be“, warum nicht? Die „Marseillaise“ mündet in die Ouvertüre von Mozarts „Figaro“, und diese verschmilzt mit „All You Need Is Love“ – auch das ergibt Sinn, denn hinter dem Liebesverwirrspiel der Oper verbirgt sich viel kritisches Gedankengut, das einst sogar die Zensur auf den Plan rief.

Hingabe und Virtuosität vollendet verbunden

Vielleicht nicht im Wortsinne revolutionär, aber zündend ist die Idee, der Klassik wiederzugeben, was ihr über die Jahrhundert verlorengegangen ist: die Improvisation. Noch zu Beethovens Zeiten war es üblich, Verzierungen anzubringen und Kadenzen immer anders zu spielen, heute ist die spontane Erfindung das Metier der Jazzmusiker. Besonders Roman Janoska, der zweite Geiger, wechselt lässig zwischen nadelfeinem Mozart und mal traumverlorener, mal halsbrecherischer Improvisation, wie ein Wiedergänger des großen Jazzgeigers Stéphane Grappelli.

Wie sie alle aufeinander hören bis in die kleinste Verzögerung, wie sie der Musik den Groove ablauschen, ohne die Tiefe zu verraten, das ist die vollendete Verbindung von Hingabe und künstlerischer Beherrschung. Und für den Zuhörer das höchste Glück.