Restaurant-Tipp

Kabul: Erst bummeln, dann schlemmen

Im hinteren Teil des Steindamms erfreut sich das afghanische Spezialitätenlokal Kabul zunehmender Beliebtheit - auch ohne Alkohol.

Die hintere Hälfte des Steindamms ist nicht unbedingt für seine Laufkundschaft bekannt. Doch ein Besuch lohnt sich. Zunächst seien all jenen, die gern im gentrifizierten Teil St. Georgs, also auf der Langen Reihe, bummeln, die Geschäfte auf der nicht ganz so aufgehübschten Parallelstraße zu empfehlen. Denn im türkischen Schnäppchenparadies und indischen Filmladen lässt sich so manches Kleinod entdecken. Zur Stärkung nach der Einkaufstour empfiehlt sich dann der Gang Richtung Lohmühlenstraße.

Zur linken Seite liegt, mit schmaler Front zur Straße, das Restaurant Kabul. Das Innere verzichtet mit dezenter Spiegel-Optik und schlichten Holztischen auf pseudo-orientalische Deko, stattdessen strahlt es schlichte Gemütlichkeit aus.

Das Prozedere ist denkbar einfach: Beim freundlichen wie flinken Personal lassen sich Getränke wie Dugh (afghanisches Joghurtgetränk, 0,3 Liter, 1,30 Euro) oder frischer Minztee (1,50 Euro) ordern. Und dann geht es auch schon an die Anrichte, an der verschiedene landestypische Köstlichkeiten angeboten werden. Das Herzstück dieses afghanischen Spezialitätenlokals ist das All-you-can-eat-Büfett für unschlagbare 6,70 Euro.

Wer wirklich viel Hunger mitbringt, sollte sich vorab auf keinen Fall die täglich wechselnde Suppe entgehen lassen. Danach lockt eine Auswahl an geschmacklich fein abgestimmten, frischen Gerichten wie Hähnchenkeule mit Tomatensoße, gebratene Zucchini, Reis mit verschiedenen Bohnen, Reis mit Rosinen und Karotten, Kartoffeln mit Curry und Petersilie, Putengulasch mit Kartoffeln in Tomatensoße, Spinat mit Porree und Knoblauch, Hackröllchen oder eingelegte Auberginen.

Um den sensationellen Büfett-Preis zu ermöglichen, verzichtet das Kabul verständlicherweise auf Lammfleisch. Doch bei dem Angebot an Geflügel- und Rindgerichten lässt sich das leicht verschmerzen.

Auch wenn das All-you-can-eat-Büfett die meisten Gäste anlockt, gibt es noch eine überschaubare Auswahl an einfachen Gerichten à la carte. Außer afghanischen Grillspezialitäten wie Lamm- (10 Euro) und Putenspießen (8 Euro) oder Lammkotelett (9 Euro) - mit Salat oder Reis angerichtet - und afghanischen Fischspezialitäten wie Forelle (8 Euro), Dorade (9 Euro) und Lachs (9 Euro) werden im Kabul auch persische Gerichte angeboten. Besonders verlockend ist das persische Nationalgericht "Ghorme Sabsi" (Grüner Eintopf, 5,90 Euro), das aus Lamm in frischer Kräutersoße - vor allem Koriander -, roten Bohnen und getrockneten Limonen besteht, dazu wird Basmatireis mit Safran serviert.

Wer noch ein Quäntchen zuckrigen Trost verkraften kann, sollte sich auf keinen Fall Baglawa, ein traditionelles, höllisch süßes Blätterteiggebäck mit Pistazien (3,50 Euro), entgehen lassen oder Shirparah, ein für das Kabul auffällig "trockenes" Gebäck aus Mandeln, Milch und Pistazien (3 Euro).

Anfangs noch Geheimtipp, ist der Gastraum gegen 19 Uhr oft bestens gefüllt. Das Publikum ist angenehm durchmischt, neben Afghanen und Asiaten sind auffällig viele junge Leute anzutreffen, die Atmosphäre ist angenehm zwanglos. Da kein Alkohol ausgeschenkt wird, hat sich das Kabul inzwischen auch als Familienrestaurant etabliert. Bezahlt wird dann am Tresen, böses Erwachen ausgeschlossen.

Restaurant Kabul, Steindamm 53 (U Lohmühlenstraße), Öffnungszeiten So-Do 11.00-22.30, Fr+Sa 11.00-23.30, T. 28 00 67 80