Serie: Der Skandal um die Hitler-Tagebücher (Teil 3)

Heidemanns Chef Dr. Walde

Dr. Thomas Walde, Jahrgang 1941, studierte Politische Wissenschaften in Hamburg und promovierte 1970 über "Die Rolle der geheimen Nachrichtendienste im Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland". Beim "Stern" war er deshalb der Geheimdienst-Experte. Er wird Chef vom Dienst, leitet die Nachrichtenredaktion und ab Januar 1980 das neue Ressort "Zeitgeschichte".

Als ihm Heidemann erzählt, er habe bei einem Industriellen ein Tagebuch von Adolf Hitler gesehen, ist Walde zunächst skeptisch. Später ermuntert er den Reporter, sich intensiv darum zu kümmern. Wenig später berichtet Heidemann, er habe den Absturzort jener JU 352 herausgefunden, die in den letzten Kriegstagen wichtigste Hitler-Dokumente aus Berlin herausgeflogen habe und dann verschollen sei.

Wegen der Warnung von Chefredakteur Peter Koch, Heidemann solle sich nicht mehr "mit Hitler-Scheiße" beschäftigen, beschließen Walde und der Reporter, den Fall direkt den Verlagschefs von Gruner+Jahr vorzutragen und die Bücher ohne Wissen der Chefredaktion zu beschaffen.

Während dieser Arbeit wird Walde immer wieder mit Hinweisen konfrontiert, die eine Fälschung vermuten lassen. Wie Heidemann schlägt er die Warnungen jedoch in den Wind. Vor Gericht sagt Walde: "Wir hatten eine Disposition in Richtung Echtheit."

Nach der Pleite scheidet er aus der "Stern"-Redaktion aus. Ende 1986 wird Walde Chef von Dienst beim Privatsender Radio Hamburg und später dort Programmdirektor. Ende Januar 2001 geht er in Pension.