Serie: Der Skandal um die Hitler-Tagebücher

Die Gründe für Kujaus Erfolg

Wie war es möglich, dass Konrad Kujau die Hitler-Tagebücher schreiben und mit den Fälschungen den "Stern" und Historiker übertölpeln konnte? Auszüge aus dem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 8. Juli 1983:

Kujau "hatte sich in den vergangenen vielen Jahren mit der Lebensgeschichte Hitlers befasst, als er unter anderem" einen schwäbischen Industriellen "mit Fälschungen belieferte. Er verfügte dadurch über recht gute Kenntnisse und hatte eine umfangreiche Bibliothek zum Dritten Reich zur Hand. Darunter befanden sich chronologische Darstellungen von Rühle 'Das dritte Reich', Bände von Domarus, der die Entwicklung des Dritten Reiches (...) chronologisch festgehalten hatte.

Des Weiteren verfügte Kujau über mehrere Bände des Tagebuchs des Oberkommandos der Wehrmacht und hatte damit ein Faktengerüst, um das herum er vorsichtig eigene, angeblich persönliche Ansichten, Äußerungen und Erlebnisse Hitlers ranken lassen wollte. (...) Mühe, in der Handschrift Hitlers zu schreiben, hatte er nicht, da sie ihm im Laufe der Jahre durch die Herstellung vieler falscher Hitlerschriften nahezu persönlichkeitseigen geworden war. (...) Aufgrund seiner Befassung mit dem Dritten Reich war Kujau bekannt, welche Fragen im Zusammenhang mit der Person Hitlers (...) umstritten waren und im besonderen Maße interessieren würden, so seine Rolle im Röhm-Putsch, seine Schuld im Zusammenhang mit der Judenverfolgung, die Umstände um den Flug Rudolf Heß nach England und anderes mehr. (...) Wegen der Schriftgutachten machte sich Kujau keine Sorgen; er (...) wusste auch, dass es kaum echte Vergleichsschriften gab."