Medien-Macher

Nächster Phantom-Autor vor Enttarnung

Die Enttarnung eines weiteren Phantomautors der geschassten NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze steht offenbar unmittelbar bevor.

Hinter Markus Benz , der ein nicht realisiertes Drehbuch für die Krimireihe "Polizeiruf 110" schrieb, verbirgt sich wohl die TV-Produzentin Heike Richter-Karst . Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die Dame, die mit der Produktionsfirma AllMedia gleich mehrere Filme von Heinzes Phantomautoren produzierte, auch die Autorin von Benz' Buch ist. So verbarg sich hinter dem Pseudonym Marie Funder die Filmagentin Inga Pudenz . Die Funder-Bücher schrieb aber die NDR-Fernsehspielchefin selbst.

Die Aufklärung des Falls Heinze rückt derweil näher: Kommende Woche werden die von der Produktionsgesellschaft MME Moviement beauftragten Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers ihren Bericht vorlegen. Neben dem NDR zählt auch die MME-Tochter AllMedia zu den Heinze-Geschädigten.

Ärger mit der "Hamburger Morgenpost" hatte die FDP der Hansestadt. Deren Hamburger Spitzenkandidat Burkhardt Müller-Sönksen hatte eine Wahlkampfzeitung namens "Hamburger Freiheit" in Auftrag gegeben. Heraus kam dabei ein Blatt, dessen Format und Layout der "Hamburger Morgenpost" stark ähnelte. Die Boulevardzeitung forderte von der FDP eine Unterlassungserklärung , die Müller-Sönksen auch umgehend unterschrieb. "Das war die schnellste Möglichkeit, um die Sache aus der Welt zu schaffen", sagt er. Solche Dinge könnten schon mal vorkommen, wenn man eine Zeitung auf ehrenamtlicher Basis produziere. Die ehrenamtlichen FDP-Helfer sollen aus dem Umfeld von Uwe Dulias kommen, der bis 1996 stellvertretender Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost" war.

Ein höchst seltsames Verständnis von Pressearbeit hat der neue MDR-Kommunikationschef Dirk Thärichen . Das Medienmagazin "Zapp" wollte von ihm wissen, weshalb MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich im Kuratorium einer neu gegründeten PR-Hochschule sitzt. Thärichen antwortete, dass sein Haus sich zu Anfragen von "Zapp" "generell nicht äußert". Dabei läuft das preisgekrönte Medienmagazin beim MDR-Schwestersender NDR. Auf Anfrage möchte der MDR-Pressechef nicht sagen, warum er "Zapp" jegliche Auskunft verweigert. Er verweist lediglich auf eine "interne Beschlusslage" seines Senders.

Thärichen, der seit dem 1. September für den MDR spricht, hat eine schillernde Vergangenheit. Er diente als 19-Jähriger im Stasi-Wachregiment "Felix Dzierzynski". Aufgrund seiner Stasi-Vergangenheit und wegen des Vorwurfs der Untreue, der allerdings nie bewiesen wurde, kündigte ihm die Leipziger Olympia GmbH 2003 fristlos. Die Gesellschaft bereitete die erfolglose Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele 2012 vor.

Der stellvertretende dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner , der zum Jahreswechsel die Chefredaktion der Agentur von Wilm Herlyn übernehmen wird, ist ein großer Freund des Web 2.0. Immer mal wieder erzählt er, dass er die Leser der dpa-Meldungen gerne bei der Nachrichtenproduktion beteiligen würde. User Generated Content bei der dpa? Theoretisch könnte es den heute schon geben. Büchner hat beim Nachrichtendienst Twitter bereits einen Account namens "info_an-dpa" angelegt, dies aber bisher noch nicht publik gemacht.

Rätselraten über die Zukunft des Senders Das Vierte . Der TV-Kanal trennt sich zum Jahreswechsel von allen Mitarbeitern seiner Werbevermarktung. Mehr als zehn Beschäftigte müssen gehen. Dass auch Mitarbeitern anderer Abteilungen gekündigt wurde und insgesamt knapp 20 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, wird von einem Sendersprecher als unzutreffend zurückgewiesen. Er begründet die Kündigungen damit, dass sich Das Vierte vom kommenden Jahr an von einem externen Dienstleister vermarkten lassen wolle. Bereits 2008 hatte der Sender mit dem Vermarkter Seven One Media Gespräche geführt, die ohne Ergebnis blieben. Spekulationen, der TV-Kanal, der dem russischen Medienunternehmer Dmitri Lesnewski gehört, könne verkauft werden, dementiert der Sprecher.

Kai-Hinrich.Renner@abendblatt.de