Drehbuch-Affäre

Doris Heinze klagt gegen Entlassung

Das Hamburger Arbeitsgericht verhandelt am kommenden Dienstag (27.10.) die Klage der ehemaligen NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze gegen den Norddeutschen Rundfunk.

Hamburg. Der Sender hat insgesamt zwei fristlose Kündigungen gegen Heinze ausgesprochen. Sie hatte unter Pseudonym (Niklas Becker, Marie Funder) eigene Drehbücher beim Sender eingereicht und dafür überhöhte Honorare kassiert. Außerdem hatte sie ihrem Ehemann Claus Strobel Aufträge zugeschustert und das gegenüber dem NDR verschleiert.

Heinze hält die Kündigungen für formal unwirksam. Nach Auskunft ihres Anwalts Gerd Benoit fehlte einmal eine gültige Vollmacht, ein anderes Mal wurde eine Frist nicht eingehalten. "Der NDR hat schwere formale Fehler gemacht", sagte Benoit der dpa. Falls das Gericht dieser Ansicht folge, seien die Kündigungen unwirksam. Das gelte unabhängig von den eventuellen Verfehlungen Heinzes, sagte der Anwalt unter Bezug auf einige aktuelle Urteile von Arbeitsgerichten, die Kündigungen auch wegen geringfügiger Gründe für rechtens hielten.

Bei der Verhandlung am Dienstag handelt es sich um einen Gütetermin, bei dem das Gericht die Chancen für eine Einigung der Parteien auslotet. Mit einem Urteil ist nicht zu rechnen. Ebenso wenig damit, dass Doris J. Heinze an der Verhandlung teilnehmen wird: Das Gericht hat kein persönliches Erscheinen angeordnet. Von Senderseite wird ein Vertreter der Rechtsabteilung anwesend sein.

Doris J. Heinze ist seit 1991 beim NDR beschäftigt, 2003 hatte sie die Leitung der Redaktion Fernsehspiel bzw. Fernsehfilm übernommen. Im August machte die "Süddeutsche Zeitung" Heinzes Pseudonyme öffentlich; der Sender reagierte mit fristloser Kündigung.