Depeche Mode in Hamburg

Sänger Gahan obenauf! Das Universum liebt zurück

Depeche Mode hat die Stadionprobe bestanden. In der HSH-Nordbank-Arena gibt die Band um Sänger Dave Gahan ein umjubeltes zweistündiges Konzert.

Hamburg. Diese Band kriegt keiner klein. Nicht die Exzesse, die Zwistigkeiten im Laufe von 29 gemeinsam verbrachten Jahren, nicht der Niedergang der Musikindustrie und auch keine Krankheit. Allein deswegen gebührt Depeche Mode gehöriger Respekt – vor allem aber geben die Briten, die dereinst mit Synthie-Pop für Pubertierende begonnen haben, eine unnachahmlich mitreißende Liveband ab.

Bei ihrem krankheitsbedingt um einen Monat verschobenen Hamburger Auftritt in der HSH-Nordbank-Arena genügen oft wenige Takte ihrer großen Hits wie „I Feel You“, „Stripped“ oder „Enjoy The Silence“, um die Massen zum Mitgrölen zu animieren. Rampensau Dave Gahan absolviert sein laszives Vorturnerprogramm mit knapper Weste oder bloßem Oberkörper und wirbelt kraftvoll seinen liebsten Tanzpartner herum, den Mikrofonständer.

Der Sänger gibt nach überstandener Krebsoperation weiter überzeugend den Schmerzensmann, der sich in den Ketten seiner Dämonen windet oder das Spiel von "Master And Servant" beherrscht. Die schwächeren Songs des aktuellen, spirituell durchtränkten Albums „Sounds Of The Universe“, wie „Wrong“ oder „Come Back“, stören da entweder kaum oder sie werden aufgewertet durch die oft unheimlichen Videoprojektionen des Fotokünstlers Anton Corbijn von Raben, Demonstranten und Tieffliegern.

Der Songschreiber, dem die Band die allermeisten ihrer wunderbaren melancholischen Lieder verdankt, Martin Gore, hat in seinem silbernen Raumanzug beim anrührenden „Home“ zumindest scheinbar einen Draht direkt nach ganz oben.