Kommen Babys aus Cola-Dosen?

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Der Knetfilm "Mary & Max" ist ein kleines Meisterwerk

Der computeranimierte Film in 3-D beherrscht die Szene, aber es gibt noch Animationsfilme, die sich auf andere Traditionen besinnen und ein eher erwachsenes Publikum ansprechen. Mit "Mary & Max" kommt dabei einmal mehr die Knetanimation zu ihrem Recht, populär gemacht durch die britische Firma Aardman ("Wallace & Gromit", "Shaun, das Schaf") und jüngst auch in "Der fantastische Mr. Fox" zu bewundern. Wo "Wallace & Gromit"-Schöpfer Nick Park bisher dreimal den Oscar für den besten animierten Kurzfilm in Empfang nehmen durfte, gelang das dem australischen Regisseur Adam Elliot 2003 mit "Harvie Krumpet".

In seinem ersten langen Film "Mary & Max" erzählt er von der jahrzehntelangen Brieffreundschaft zwischen der anfangs achtjährigen Mary Dinkle, die in einem Vorort von Melbourne lebt und wegen eines Muttermals auf der Stirn und wegen einer überdimensionalen Hornbrille gehänselt wird, und dem 44 Jahre alten Max Horovitz, einem übergewichtigen Juden mit Asperger-Syndrom und einer Vorliebe für Schokolade, in New York. Da er unter Angstattacken leidet, verlässt Max nur ungern und höchst selten seine Wohnung. Beider Wohnungen ähneln sich in ihren dunklen Farbtönen - und stellen insofern ein Äquivalent für die eher gedrückte Stimmung ihrer Bewohner dar: Grau und Schwarz dominieren in New York, während Marys Lieblingsfarbe Braun ist. Mary bombardiert Max mit ihren Fragen. So hat ihr Großvater behauptet, in Australien würden die Babys aus Bierhumpen kommen - kommen sie in den USA dann aus Cola-Dosen? Solch skurrile Ideen durchziehen den ganzen Film, in dem es entsprechend um Leben und Tod geht.

Die grotesk-liebenswerten Figuren können dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Charakter des Films ein tragikomischer ist.

Bewertung: überragend Mary & Max Australien 2009, 96 Minuten, ab 12 Jahren, R: Adam Elliot; täglich im Abaton, Koralle-Kino, Zeise; www.maryandmax.de