TV-Kritik: Romy in der ARD

Sensibel gespielt von Jessica Schwarz

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Paul Barz

Jessica Schwarz ist die nahezu ideale Besetzung für den Romy Schneider-Film. "Romy" krankt allerdings an einer "Und dann-und dann-Dramaturgie".

Die Superdiven von einst - Callas, Garbo, Monroe - waren sie wirklich so tragisch umflorte Mitleidsgestalten, wie es uns bestimmte sentimentale Biografien weismachen wollen? Nicht eher Frauen von hohen Gaben und noch höherem, eisenharten Ehrgeiz, den Gipfel ganz oben zu erklimmen, um sich dann über den dortigen Hauch eisiger Einsamkeit zu beklagen? So auch Romy Schneider mit ihrem immerwährenden Gestöhne über das Rollengefängnis ihrer "Sissi"-Filme, obwohl es doch ohne diese Sissi und ihren Millionenerfolg nie eine Romy und später auch keine "La Schneider" gegeben hätte.

Torsten C. Fischers "Romy"-Film (Buch: Benedikt Röskau) schenkt sich weithin solche effektsichere Mitleidsheischerei. Ein ganz und gar realistisches Romy-Bild zeichnet allerdings auch er nicht, von ihrer Selbstliebe, dem Drang zur Selbstzerstörung, von ihrer Egozentrik. Partner von damals entsinnen sich nur schaudernd der Romy-Hysterie, wenn sich am Set nur wenige Minuten lang nicht alles um sie drehte. Solche Szenen fehlen hier, und das ist am Ende gut so.

Fischer arbeitet wie mit Weichzeichner, lässt an uns in schönen Bildern ein Künstlerleben vorüberrauschen und hat dafür in Jessica Schwarz die nahezu ideale Hauptdarstellerin, zuweilen schöner als das Original und ihm immer wieder verblüffend ähnlich. Ihr sensibles Spiel hilft denn auch über manche Längen und etliche Stolperstellen des Films hinweg.

Denn das bleibt auch hier das Dilemma solcher sogenannten Biographicals, ihre zwangsläufig leicht monotone "Und dann-und dann-Dramaturgie", mit der die Stationen eines Lebens abgehakt werden, arg eilig oft, mehr Skizze als fertiges Bild und zuweilen nur dem sehr genauen Kenner der Romy-Schneider-Biografie verständlich. Wer sonst hätte hier in einigen Figuren, zum Beispiel, die Knef erkannt oder Alain Delons Intimus Jean-Claude Brialy oder - in einer Kurzszene in der Hamburgs Staatsoper - den Verleger Axel Caesar Springer?