Pop: Whitney Houston in Hamburg

Das verzweifelte Hoffen auf Höchstform

Foto: Patrick Demarchelier / Patrick Demarchelier/Promo

Nach harscher Kritik an ihren bisherigen Auftritten will es US-Sängerin Whitney Houston heute live in der Hamburger O2 World versuchen.

Hamburg. Es ist eine Frage der Hoffnung. Der Einbildungskraft. Der Erinnerung. An den einst schönen, schillernden, hochbegabten Star - und an die eigene Jugend, die große Liebe, den ersten Kuss, vielleicht den ersten Liebeskummer. Es ist eine Frage der Erinnerung an all das, was man mit Whitney Houston verbindet - oder jedenfalls: verbunden hat, einst, früher, als sie singen konnte wie niemand sonst, als sie "I Will Always Love You" sang und ihre Stimme beim letzten "You-ouuuu" so irrsinnig in die Höhe schraubte, dass einem Schauer über den Rücken liefen. Es ist eine Frage der Erinnerung an diese Zeit, in der sie neben Kevin Costner in der wundervoll kitschigen Romanze "Bodyguard" spielte, wenn man heute Karten für die Live-Tournee eben dieser Whitney Houston in den Händen hält - aber eine andere Whitney Houston zu sehen bekommen wird.

Die Kritiken in London und Berlin waren verheerend. "Katastrophal" sei der Auftritt gewesen, "entgeistert" das Publikum. Eine Rezensentin schrieb angesichts der aufgedunsenen, krächzenden Sängerin, sie habe sich wie eine Katastrophentouristin gefühlt. Warum also kauft jemand für solch ein Desaster eine Konzertkarte für viel Geld? Um einen früheren Star scheitern zu sehen? Um sich am Unglück des Niedergangs zu weiden? Wohl kaum. Das mögen Beweggründe sein, um im Fernsehen das Dschungelcamp einzuschalten, wo es auch regelmäßig abgestürzte Berühmtheiten zu beglotzen gibt.

Aber eine Karte zu kaufen, sich auf den Weg in eine Arena zu machen, sich vielleicht sogar ein T-Shirt am Merchandising-Stand zu kaufen - dafür braucht es mehr. Die Hoffnung, dass es dieses eine Mal anders werden könnte. Dass Whitney Houston ausgerechnet heute zur Höchstform auflaufen möge. Dass sie den hohen Ton trifft, dass ihr Strahlen kurz die kaputte Fassade durchbricht. Es ist die Hoffnung auf den einen Gänsehautmoment. Wer weiß. Vielleicht heute, hier, in Hamburg. One moment in time.

Whitney Houston Mo 17.5., 20.00, O2 World (S Stellingen + Bus 380), Sylvesterallee 10