Wer ist Hamburgs bester Deutschlehrer?

Finalistin Lohmeyer: "Mein Unterricht ist eine Aufholjagd"

Foto: Patrick Piel / Patrick Piel/digit

Die Finalisten im Porträt. Heute: Brigitta Lohmeyer von der Grundschule Mümmelmannsberg. Seit 34 Jahren unterrichtet sie als Lehrerin.

Mümmelmannsberg. Spaten, Gießkanne und Gummistiefel stehen bereit. Weil die Klasse 3d im Deutschunterricht ackert? Oder weil Lehrerin Brigitta Lohmeyer ihren Schützlingen täglich neue Wörter ins Gedächtnis pflanzt? Auch. Vor allem aber, weil die 59-Jährige ihren Unterricht anschaulich gestaltet.

"Welche Berufe fallen euch zu diesen Gegenständen ein?", fragt Brigitta Lohmeyer mit sanfter, aber bestimmter Stimme. Die kleinen Ärmchen der 20 Grundschüler schnellen in die Höhe. "Gärtner", ruft Aishe. "Handwerker", ergänzt Marlon, der einen roten Spider-Man-Pulli trägt und mitteilt, dass er später selbst fliegen möchte - als Pilot.

Das sei interessant, ermutigt die Klassenlehrerin. Schließlich gebe es unzählig viele Berufe. "Ein paar habe ich als Rätsel getarnt. Ein solches Rätsel lest ihr jeweils eurem Sitznachbarn vor und löst es gemeinsam", erklärt Brigitta Lohmeyer, die in Horn aufgewachsen ist und in ihrer Heimatstadt Pädagogik und Sport studiert hat. Muhammed liest seinem besten Freund vor: "Ich sorge dafür, dass das Gesetz eingehalten wird. Manchmal gehe ich in Schulen und erkläre den Kindern die Verkehrsregeln. Man erreicht mich unter der Nummer 110." Klar, gemeint ist der Polizist, da sind sich die beiden Jungen einig. Am Nachbartisch ist die Lage nicht so eindeutig. "Förster? Was ist das?", fragt das dunkelhaarige Mädchen.

Sprachförderung sei der Schwerpunkt in der Klasse, in der mehr als drei Viertel der Schüler ausländische Wurzeln haben, sagt Brigitta Lohmeyer. "Integration mag das richtige Wort in Blankenese sein, wo pro Klasse vielleicht ein türkischstämmiger Schüler eingebunden werden soll. Aber in welche Gemeinschaft soll ich meine Kinder, von denen fast jedes aus einem anderen Land kommt, integrieren? Ich versuche vor allem, ihnen Werte wie Pünktlichkeit, Disziplin und Respekt beizubringen", sagt Brigitta Lohmeyer, die seit 34 Jahren in jenem Stadtteil unterrichtet, der als "Problemkiez" gilt.

"Wenn die Kinder hier eingeschult werden, hinken sie im Vergleich zu Erstklässlern aus anderen Stadtteilen um bis zu drei Jahre zurück", sagt die blonde Pädagogin, die an diesem Morgen einen hellen Bleistiftrock und einen schlichten dunklen Pulli trägt. "Mein Unterricht ist also von Beginn an eine Aufholjagd."

Und zwar eine erfolgreiche, wie Schulleiter Joachim Ninow betont. Die Leistungen von Frau Lohmeyers Schülern lägen nach der Grundschulzeit nämlich sogar über dem Hamburger Durchschnitt. "Daran sieht man, was für einen großen Einfluss eine tolle Lehrerpersönlichkeit hat", sagt Ninow, der die 1972 gegründete Schule, deren Kollegium mittlerweile 65 Kollegen umfasst, leitet.

Als Fachleiterin Deutsch habe Brigitta Lohmeyer, die früher leistungsmäßig Fünfkampf betrieben und in der Oberliga Basketball gespielt hat, Autorenlesungen und auch einen Lesewettbewerb organisiert. "Sie ist zu bescheiden, um zu erwähnen, wie viel Gutes sie hier bewirkt hat", sagt der Schulleiter.

Brigitta Lohmeyer, deren 29-jährige Tochter Ann Carolin gerade an einer Brandenburger Grundschule ihr Referendariat absolviert, spricht lieber über ihre Schützlinge. Die erzählen in der Frühstückspause, täglich von 8.45 Uhr bis 9 Uhr, was sie am Vortag erlebt haben. "Mümmelmannsberg, Mö und McDonald's - mehr kennen viele Kinder nicht, das ist traurig", sagt die Lehrerin, die ihre Schülerinnen und Schüler gezielt fördert.

Positiv bestärken, das ist Brigitta Lohmeyers große Stärke. "Und sie ist lieb und witzig", sagt Larissa. "Der Unterricht macht Spaß." Das hört Brigitta Lohmeyer gern. "Wenn ich meine Begeisterung weitergeben konnte, dann war der Tag gut."

Heute war so ein guter Tag.