Zehn Tipps zum autofreien Sonntag

Hamburg ist ein guter Rad-Geber

Der Geschäftsmann nutzt das StadtRad ebenso wie die Studentin zum Shoppen - sie sind der Meinung: Das ist spitze!

Hamburg. Jung, dynamisch, erfolgreich - das sind die Nutzer des StadtRads. Jedenfalls bekommt man diesen Eindruck beim Beobachten der Ausleihstationen in der City. "Sorry, ich hab überhaupt keine Zeit, aber die Sache ist super", sagt ein Student am Dammtorbahnhof-Süd, der schnell seinen Code für die Radrückgabe am Automaten eingibt. Während sie ihr StadtRad anschließt, erzählt eine blonde Frau im Business-Kostüm, dass sie das Rad täglich vom Bahnhof zum Büro und zurück nutzt. "Die Strecke schaffe ich locker in einer halben Stunde, und die ist ja kostenlos."

Nicht nur Touristen fahren auf die quietschroten City-Bikes ab, auch viele Hamburger drehen ihre Runden damit.

"Ich habe zwar ein eigenes Rad, aber das ist uralt, und das Fahren damit ist eine echte Qual", sagt Rebecca Ertl, Ärztin aus St. Pauli, an der Station Marktstraße/Messehallen. "Ich finde das StadtRad toll: Die Räder sind sportlich mit Sechsgang-Schaltung, und das System funktioniert schnell und unkompliziert. Nur die Beschreibung der Ausleihstationen könnte genauer sein", sagt die 28-Jährige. Gerade hat sie mit ihrer Freundin Ulrike aus Bayern eine Sightseeing-Tour am Hafen gemacht, jetzt geht's ins Karoviertel zum Kaffeetrinken - mittlerweile mit dem dritten Bike. "Ich kenne das Modell schon aus Wien", sagt Ulrike Leitner (35), ebenfalls Ärztin. "Man sieht einfach mehr, als wenn man in der Bahn sitzt."

Mit Fahrrad und Anzug zu Geschäftspartnern? Für den Rechtsanwalt Gunter Böttcher, der sein StadtRad am Neuen Jungfernstieg leiht, kein Problem. "Wenn die Termine nicht so weit weg von meiner Kanzlei liegen, radele ich schnell hin und habe somit kein Parkplatzproblem." Er hat, wie viele Radler, wenig Zeit: Eine Bezirksversammlung in Mitte ruft.

Auch Geschäftsmann Bill Hayward ist ein großer Fan des Citybikes. Der 56-Jährige hat eine Marketingagentur in London und Hamburg, seine Tochter besucht hier die Vorschule. "Immer, wenn ich in Hamburg bin, nutze ich das StadtRad. In London gibt es das bislang nicht. Aber es ist zurzeit ein großes Thema. In Blackpool haben sie jüngst nach Vorbild des Pariser Modells ein Leihradsystem eingeführt. Vielleicht kann ja Hamburg für London ein Vorbild sein." Nach Büroschluss fährt er gern an der Alster entlang und genießt das schöne, frühherbstliche Wetter - "und zwar nicht nur, weil mein Auto gerade in der Werkstatt steht", lacht Hayward.

Ein kaputtes Fahrrad oder ein Platten - streikt das private Fahrzeug mal, greifen viele Hamburger auf das StadtRad zurück und können dabei unter 67 Stationen zwischen Altona und Hammerbrook wählen. Ein Mann am Ballindamm, der seine Einkäufe immer per Rad erledigt, ist froh, auf die robusten Leihräder ausweichen zu können. Er käme nämlich im Moment nicht dazu, den Reifen zu flicken.

Ein paar Hundert Meter weiter am Neuen Jungfernstieg leihen zwei junge Damen Räder aus, beide bepackt mit Einkaufstüten. "Zu Hause in Reinbek erledige ich alles mit dem Rad, aber ich nehme es natürlich nicht mit in die Innenstadt, das ist mir zu anstrengend", sagt Studentin Mareike Kraut. Für die 22-Jährige ist es eine Premiere: "Ich wollte immer schon per Rad um die Alster radeln und nicht immer bloß spazieren." Mit ihrer Freundin Juliane (22) hat sie sich für den Nachmittag eine Shopping-Tour durch die Innenstadt mit anschließendem Kaffeetrinken an der Alster vorgenommen - alles mit dem StadtRad. Kleiner Nachteil der Räder: "Es passen nicht genug Einkaufstüten auf den Gepäckträger", sagen sie und radeln davon.