Polizei Hamburg

Markusstraße in der Neustadt - der Spielplatz der Kampfhunde

Foto: Michael Arning

Kita ist machtlos gegen die Hundehalter. Auch Geschwister des Messerstechers vom Jungfernstieg hielten sich dort auf.

Hamburg. Die roten zerfetzten China-Böller-Reste liegen noch über den Spielplatz verteilt. Längst haben sich die wie Schneeflocken herumfliegenden Samen der großen alten Bäume an ihnen verfangen. Am Mittwochabend zündeten Jugendliche auf dem Spielplatz an der Markusstraße (Neustadt) mehrere sogenannte D-Böller. Einer der Knallkörper explodierte im trockenen Gebüsch, das daraufhin in Flammen aufging.

Nur durch das beherzte Eingreifen eines Vaters, der sein Kind in der angrenzenden "Kita Markusstraße" abholen wollte, und der Wirtin einer nahen Kneipe konnte der Brand gelöscht werden, bevor Schlimmeres passierte. Gestern Vormittag dann suchten zwei Polizisten von der benachbarten Wache an der Caffamacherreihe das Spielplatzgelände ab, dokumentierten die verkohlten Brandspuren im grünen Dickicht.

+++ Wie die Familie des Täters Nachbarn terrorisiert +++

Die Beamten aus dem Polizeikommissariat 14 sind beinahe Dauergäste am eigentlich so idyllischen Spielplatz an der Markusstraße. Immer wieder stören Jugendliche aus den umliegenden Straßen den Frieden. Wie bereits gestern berichtet, fürchten sich viele Anwohner vor den knapp 20 jungen Männern, die sich zumeist in den Abendstunden auf dem Spielplatz sammeln und ihre Hunde frei herumlaufen lassen.

Häufiger sollen darunter auch die beiden 14 und 17 Jahre alten Geschwister von Elias A. sein, dem Messerstecher vom Jungfernstieg, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt. Insbesondere Rafael, der Jüngste der drei Brüder, soll in der Vergangenheit mindestens zweimal dabei beobachtet worden sein, wie er den Hund der Familie, einen Schäferhund-Mix, scharf machte.

Wie eine Anwohnerin berichtet, soll der Hund in eine Ecke gedrängt und mit den Knien malträtiert worden sein. Ein anderes Mal soll der Junge den Hund dazu getrieben haben, in einen der jungen Bäume zu beißen und ihn dann mit Schlägen angestachelt haben.

In der anliegenden Kindertagesstätte gehört das Hundeproblem seit mehreren Jahren zum Alltag. "Zutritt nur für Kinder bis zu 15 Jahren und ihre Begleiter" heißt es auf einem der beiden Schilder, die der Bezirk Mitte am Tor des Spielplatzes errichtet hat. Darunter steht: "Hunde sind fernzuhalten." Doch allein in den vergangenen drei Wochen mussten Erzieherinnen gleich zweimal die Polizei rufen: Kinder konnten den Platz nicht betreten, weil dort große schwarze Hunde herumsprangen. Zu groß ist das Risiko für die Kita, dass einer der Hunde die Kinder angehen könnte. Nicht zuletzt hätten die Kleinen einfach Angst, so berichten die Erzieherinnen.

Auf dem "Onkel Rudi", wie der Spielplatz im Viertel heißt, haben die Kinder kleine Beete angelegt. Er dient als Ausweichstätte für den sehr verbauten Kindergarten, der erst vor drei Jahren völlig neu gestaltet wurde. Benannt ist der Platz nach seinem letzten Wächter. Onkel Rudis Dienst endete jedoch bereits vor mehr als 20 Jahren. Mit der Aufsicht ist das heute so eine Sache. Ebenso wie die Baugenossenschaft für Gewerkschafter (BGFG), die in der Nähe Wohnungen vermietet (darunter auch an die Familie von Elias A.) und zudem einen privaten Wachdienst engagiert hat, setzt auch die Kita auf den engen Kontakt zur Polizei. Ein Anruf genügt, und nach ein paar Minuten steht ein Streifenwagen an der Markusstraße - das Resultat einer außergewöhnlichen Vereinbarung.

Mit den Jugendlichen reden - darauf setzt niemand mehr, nachdem Erzieherinnen selbst bei freundlicher Ansprache sehr provokante Abfuhren erhielten, die deutlich unter die Gürtellinie gingen. "Die wurden schnell ausfallend." Eine von ihnen wurde sogar bedroht: Man werde ihr etwas antun, sollte man sie in der Bahn treffen.

Im Gegensatz zu Anwohnern und Kita, hat der bezirkliche Ordnungsdienst keine Hinweise auf eine Belästigung durch Hunde. Man werde nach der umfangreichen Berichterstattung allerdings verstärkt ein Auge auf den Spielplatz haben, sagte eine Sprecherin des Bezirks Mitte. Und darauf, wie die Hunde behandelt werden.

Auch wenn "Onkel Rudi" nicht zur Ruhe kommt, in einem Punkt kann die Kita bereits aufatmen. Während sie in den vergangenen Jahren häufig Ziel von Einbrechern war - fast einmal im Monat sei dort eingebrochen worden, sagt eine Verantwortliche -, liege der letzte Zwischenfall bereits Monate zurück. Grund: Mit dem Neubau wurde die Kindertagesstätte auch mit moderner Sicherheitstechnik ausgestattet. Aufrüstung zur Sicherheit der Kinder.