Hamburg

Linke Querdenkerin: Schneider tritt nicht wieder an

Christiane Schneider setzte sich auch kritisch mit linker Gewalt auseinander.

Christiane Schneider setzte sich auch kritisch mit linker Gewalt auseinander.

Foto: Michael Rauhe

Die Innenpolitikerin saß seit 2008 in der Bürgerschaft und ist derzeit Vizepräsidentin des Parlaments.

Hamburg.  Besonders den Innensenatoren und der Polizeiführung dürfte Christiane Schneider in den vergangenen Jahren oft auf die Nerven gegangen sein. Mit der ihr eigenen nüchternen Beharrlichkeit fühlte die Innenpolitikerin der Linksfraktion dem Senat immer wieder bei ihren Fachthemen auf den Zahn – nicht nur im G-20-Ausschuss, sondern auch mit vielen Anfragen, etwa zu Flüchtlingen, Abschiebungen oder möglichen Übergriffen der Polizei. Nach G20 setzte sich Schneider, anders als andere Linke, aber auch kritisch mit linker Gewalt und den Besetzern der Roten Flora auseinander und betonte die Bedeutung des staatlichen Gewaltmonopols, das aber an strenge Rechtsstaatlichkeit gebunden sein müsse.

Politisch ist die in der radikalen Linken politisierte Schneider damit einen längeren Weg gegangen. In den 1970er-Jahren war sie noch Mitglied und Kandidatin des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW), in den 1990ern ging sie zur PDS. Mit einem Kleinverlag gab sie die „Gefangeninfo“ für Angehörige von inhaftierten RAF-Terroristen heraus. Seit 2008 sitzt die in Köln aufgewachsene gelernte Schriftsetzerin für die damals gerade gegründete Partei „Die Linke“ in der Bürgerschaft. 2015 wurde sie Bürgerschaftsvizepräsidentin – wohl auch, weil sie trotz ihrer politischen Hartnäckigkeit als humorvoller und freundlicher Mensch gilt und mit den meisten Abgeordneten gut auskommt.

Auch Gegner bedauern Schneiders Entscheidung

Nun gab die bekennende Anhängerin des 1. FC Köln bekannt, dass sie bei der Wahl 2020 nicht wieder antritt. Sie werde dann zwölf Jahre dabei und 71 Jahre alt sein, so Schneider. Das seien „zwei starke Gründe“, sich mehr Zeit zum Lesen zu nehmen. Auch unter ihren politischen Gegnern gab es am Freitag Bedauern über Schneiders Entscheidung.