Stadtentwicklung Hamburg

Einblicke in den neuen U-4-Tunnel

Foto: Roland Magunia

Exklusive Führung durch die Röhre vom Jungfernstieg in die HafenCity. Bis zu 35.000 Fahrgäste sollen hier täglich befördert werden.

Hamburg. Die erste Hürde hat Günter Elste genommen. Mit Bauhelm und Gummistiefeln ausgerüstet ist er über ein Gerüst bis in 20 Meter Tiefe gelangt. Nun steht der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hochbahn im Schlamm, mitten im Zielschacht der neuen Linie U 4 am Jungfernstieg. Sein Blick fällt auf eine orangefarbene Plane. Diese gibt den Weg frei in die erste U-4-Tunnelröhre: Bis zu 35.000 Fahrgäste sollen von Herbst 2012 an täglich zwischen dem Jungfernstieg und der HafenCity befördert werden.

Das Bauwerk präsentiert sich grau in grau. Provisorische Leitungen und Lampen hängen an der Wand. Es ist frisch hier, gefühlte 13 Grad Lufttemperatur. Zum ersten Mal wird der Hochbahn-Chef den 2,8 Kilometer langen Tunnel durchqueren und dem Abendblatt eine exklusive Führung geben. Nach etwa 150 Metern bleibt Elste stehen. Er schaut sich um und sagt: "Das war ein ganz schönes Stück Arbeit. Aber das Ergebnis spricht für sich." 15 Monate hat VERA ("Von der Elbe Richtung Alster"), so der Name der 650 Tonnen schweren Schildvortriebsmaschine, gebraucht, um sich von der HafenCity bis zum Jungfernstieg durchzuarbeiten. 26.133 Tübbinge wurden hier verbaut. Diese 1,50 Meter langen Betonringe bilden die Tunnelröhre mit einem Innendurchmesser von 5,60 Metern.

Noch könnte der Tunnel mit dem glatten Betonboden ein Paradies für Inlineskater und Radfahrer sein. Aber das ändert sich, wenn die 7000 Tonnen Schotter aufgeschüttet werden, auf denen dann die Schienen verlegt werden sollen. Mit bis zu 80 km/h soll die U-Bahn hier später fahren. Etwa 1,2 Kilometer sind zurückgelegt, als Bohrgeräusche zu hören sind. Die Tübbinge an der Tunnelwand vibrieren. Hier, in mehr als 40 Meter Tiefe unterhalb des Alten Steinwegs, wird einer der vier Notausgänge entlang der Strecke gebaut. Die Arbeiter auf der anderen Seite treiben einen Stollen aus, vom Notausstieg zur Tunnelröhre. An der Seite verläuft auf der gesamten Strecke ein Steg, auf dem die Fahrgäste den Notausstieg erreichen können.

Es kommt wieder eine Kurve, gefolgt von einer leichten Steigung. Inzwischen dürften wir unterhalb der Schartorschleuse sein. Elste spricht über die Kosten für das U-4-Projekt. 298 Millionen Euro waren geplant, inzwischen sind 323 Millionen Euro veranschlagt: "Bei einem solchen Großprojekt ist eine so geringe Kostensteigerung erfreulich", sagt Elste. Wird es noch teurer? "Davon gehen wir nicht aus", so Elste. Plötzlich ist ein Brummen zu hören: "Das ist VERA. Die kommt richtig schnell voran", sagt Elste. Nur wenige Meter weiter entsteht die zweite Tunnelröhre im Untergrund. Etwa 950 Meter hat der Tunnelbohrer von der HafenCity in die Innenstadt zurückgelegt. Derzeitiger Standort ist unterhalb der Kehrwiederspitze. Ende 2010 soll VERA am Jungfernstieg eintreffen.

Es folgt noch eine Kurve, und dann ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die 2,8 Kilometer sind geschafft. Etwa 60 Minuten hat der Fußmarsch gedauert. Die U-Bahn soll die Strecke in drei Minuten zurücklegen. Vor uns liegt die offene U-4-Baugrube, dahinter folgen die Stationen Überseequartier und die vorläufige Endstation HafenCity-Universität. Es ist kein Geheimnis, dass Elste die U 4 bis nach Harburg weiterführen will: "Wenn die Bebauung der östlichen HafenCity beschleunigt werden soll, ist es wichtig, dass sich die Baumaßnahmen nicht in die Quere kommen." Deshalb fordert Elste: "Wenn VERA Ende des Jahres den Jungfernstieg erreicht hat, sollten wir sie weiternutzen. Und zwar um in der HafenCity weitere 800 Meter in Richtung Elbbrücken zurückzulegen und so den Sprung über die Elbe vorzubereiten."