Konzertsaal

Elbphilharmonie könnte noch 100 Millionen teurer werden

Städtische Realisierungsgesellschaft rechnet mit Kostenexplosion. Ex-ReGe-Chef: "Lösung offensichtlich verschlafen".

Hamburg. Immer neue Horrorzahlen über die Baukosten der Elbphilharmonie, die den Steuerzahler bisher 323,5 Millionen Euro kostet: Heribert Leutner, Geschäftsführer der städtischen ReGe, rechnet in Kürze mit Nachforderungen des Baukonzerns Hochtief von 100 Millionen Euro. Hochtief-Sprecher Bernd Pütter wollte dies nicht bestätigen: "Dass es Mehrkosten geben wird, ist unstrittig. Diese hat derjenige zu tragen, der dafür verantwortlich ist."

Genau das ist seit Jahren strittig und beschäftigt die Gerichte. Der letzte Nachtrag (Nachtrag 4) vom November 2008 schlug für die ReGe mit 137 Millionen Euro zu Buche. Im Gegenzug verpflichtete sich Hochtief, das Gebäude bis zum 30. November 2011 fertigzustellen. Derzeitiger Termin für die Schlüsselübergabe: April 2014. In einer Feststellungsklage der Stadt geht es um die bisher aufgelaufenen 14 Monate Bauverzögerung. Die Stadt nimmt drei Monate auf ihre Kappe, für elf Monate sei Hochtief verantwortlich. Demnach müsste der Konzern die Elbphilharmonie am 28. Februar 2012 übergeben oder ab dem 1. März für jeden Tag Verzögerung 200.000 Euro Strafe zahlen.

+++ Elbphilharmonie: Es kann noch später werden +++

Indes wehrt sich Hartmut Wegener, ehemaliger ReGe-Chef, gegen die Vorwürfe seines Nachfolgers Heribert Leutner. Dieser hatte die neuerlichen Probleme bezüglich der Reinigung der Glasfassade damit begründet, dass Wegener im Jahr 2006 aus Kostengründen auf die ursprünglich geplante Lösung einer Befahrungsanlage auf dem Dach verzichtet habe. "Das ist ein untauglicher und leicht zu durchschauender Versuch, die Schuld auf andere abzuschieben und von eigenen Fehlern abzulenken", sagt Wegener.

+++ Kommentar: Zu viele Misstöne +++

Er verweist darauf, dass Leutner als sein verantwortlicher Projektleiter in die Entscheidung selbst eingebunden war und man gemeinsam Lösungen entwickelt hat, um technische Risiken zu minimieren und Kosten einzusparen. Wegener: "Das war die Vorgabe aus dem Rathaus." So seien die Kosten des vorliegenden Angebots um knapp 40 Millionen Euro gesenkt worden. Im März 2006 betrug der Festpreis 241,3 Millionen Euro, davon 138 Millionen für den öffentlichen Bereich. "Dazu hat die Einsparung der Befahrungsanlage, die wie eine Achterbahn mit eigenem Bahnhof ausgestattet und weltweit einzigartig war, mit 5,5 Millionen Euro beigetragen." Stattdessen sei die einfachere Kletterer-Lösung ins Auge gefasst und mit dem Amt für Arbeitsschutz besprochen worden. "Es war die Aufgabe, eine technische Lösung für die Reinigung durch Kletterer umzusetzen. Das ist durch die ReGe nicht rechtzeitig passiert. Das hat man offensichtlich verschlafen", sagt Wegener.