Wahrzeichen

Dänischer Architekt plant Fernsehturm-Hotel

Foto: Christian Bay-Jorgensen / Christian Bay-Jørgensen

Spektakuläres Hotelprojekt für den Hamburger Fernsehturm. Ein dänischer Architekt hat die Pläne für das Projekt, die Telekom hat einen Investor.

Hamburg. Zimmer mit Aussicht. Die könnte der Fernsehturm, der seit zehn Jahren für das Publikum geschlossen ist, bieten. Jetzt wurde ein spektakulärer Plan bekannt. Der dänische Architekt Christian Bay-Jørgensen, dessen Büro Bay Arch in Kopenhagen seinen Sitz hat, will ein Hotel um den Heinrich-Hertz-Turm herumbauen. Die Deutsche Telekom hat dafür bereits einen Investor an der Hand und der Stadt die Pläne vorgestellt.

Auf Abendblatt-Anfrage bestätigte Bay-Jørgensen: "Ich hatte die Idee zu diesem Projekt und bin auf die Deutsche Telekom zugegangen." Gemeinsam mit der Telekom, deren Tochter Deutsche Funkturm der Fernsehturm gehört, habe er dann einen Investor gefunden. Allerdings will Bay-Jørgensen den Namen noch nicht nennen.

Einen ersten Entwurf für den Fernsehturm hat Bay-Jørgensen bereits erarbeitet. Das Hotel würde wie eine Hülle um das Wahrzeichen herumgebaut, die Aussichtsplattform soll erhalten werden. Allerdings sagte Bay-Jørgensen: "Das ist nur ein erster Entwurf. Wir sind noch nicht festgelegt. Wir suchen den Dialog mit der Stadt und berücksichtigen auch die entsprechenden Wünsche."

+++ Kommentar: Trauriger Telemichel +++

Die Deutsche Telekom hatte bereits in der Sonnabend-Ausgabe des Abendblatts bestätigt, dass es Gespräche mit einem Investor gebe. Allerdings wurde erst jetzt bekannt, dass es ein Hotel werden soll. Sprecherin Stefanie Halle wollte darauf aber nicht weiter eingehen und sagte: "Wir kommentieren laufende Gespräche nicht."

Aus einem Brief, den Senatskanzleichef Christoph Krupp an Jochen Budde, Leiter des Regionalbüros der Deutschen Telekom, geschrieben hat, geht hervor, dass auch die Stadt informiert ist. In dem Schreiben, das dem Abendblatt vorliegt, heißt es, dass die Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) und Oberbaudirektor Jörn Walter zurzeit die Unterlagen prüfen. Die Unterlagen hatte die Deutsche Telekom eingereicht.

Die Stadt würde es begrüßen, wenn der seit 2001 nur noch als Sende- und Empfangsstation dienende Heinrich-Hertz-Turm wieder belebt würde. Allerdings äußerte Staatsrat Krupp in seinem Schreiben an die Deutsche Telekom Bedenken: "Grundsätzlich ist das Ansinnen, den Fernsehturm wieder einer öffentlichen Nutzung zuzuführen, zu begrüßen." Aus gesamtstädtischer Sicht seien gleichwohl weitere Aspekte des Vorhabens zu berücksichtigen. Krupp befürchtet: "Auch dürfte die gravierende bauliche Veränderung des als Denkmal erkannten Gebäudes des bedeutenden Ingenieurs Fritz Leonhardt erhebliche Diskussionen in der Fachwelt wie auch in der Bevölkerung nach sich ziehen." Ein internationaler Wettbewerb hochkarätiger Architekten sei deshalb zwingende Voraussetzung, heißt es in dem Brief weiter.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) bestätigt den Eingang der Unterlagen. Behördensprecher Volker Dumann ist aber zurückhaltend: "Der Fernsehturm steht unter Denkmalschutz. Außerdem liegt die Immobilie an einer der exponiertesten Lagen der Stadt." Wenn es hier zu baulichen Veränderungen kommen würde, müsste es im Vorfeld ein umfangreiches Abstimmungsverfahren geben.

Der Hamburger Stararchitekt André Poitiers sagte: "Eine Stadt wie Hamburg braucht kühne Ideen und Leuchtturmprojekte." Aber statt eines Hotels hat Poitiers andere Visionen: "Es wäre richtig kühn, wenn dort bezahlbarer Wohnraum geschaffen würde." Denn davon gebe es deutlich weniger als freie Hotelbetten, sagte Poitiers.

Für SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote steht fest: "Wir wollen den Fernsehturm in seiner jetzigen Form erhalten und der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen." Wenn jetzt ein Hotel den Telemichel verschlingen würde, würde damit ein Hamburger Wahrzeichen verschwinden.

Auch Mittes Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) hat Bedenken: "Wir haben ein großes Interesse daran, dass hier endlich etwas passiert. Aber große bauliche Veränderungen an diesem Wahrzeichen müssen ausführlich diskutiert werden, und das kann lange dauern." Schreiber forderte die Telekom erneut auf, das Angebot des kanadischen Internetunternehmens Avid Life Media Inc. eingehend zu prüfen. Die Firma möchte für 25 Jahre die Namensrechte für den Heinrich-Hertz-Turm erwerben und diesen dann mit ihrem Firmennamen bedenken.

Das schriftliche Angebot über zehn Millionen Euro liegt der Deutschen Telekom inzwischen vor. Das wäre auch der Betrag, der für eine Sanierung der Immobilie benötigt würde. Aber die Telekom hatte eine Zusammenarbeit mit dem Investor abgelehnt. Denn Avid Life Media bietet im Internet diverse Seitensprung-Portale an.

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