Telemichel in Hamburg

Gute Aussichten: Investor will Fernsehturm sanieren

Investor aus Kanada will sich an der Sanierung des Hamburger Fernsehturms beteiligen. Doch die Telekom lehnt das Geschäft vorerst ab.

St. Pauli. Seit mehr als zehn Jahren ist der 1968 eröffnete Heinrich-Hertz-Turm für die Allgemeinheit geschlossen. Bislang fehlten die veranschlagten zehn Millionen Euro für eine Sanierung. Jetzt könnte ein kanadisches Internetunternehmen der Retter des Hamburger Fernsehturms werden.

Die Avid Life Media Inc., die ihren Hauptsitz in Toronto hat und Dating-Portale im Internet betreibt, hat Interesse daran, die Namensrechte an dem Heinrich-Hertz-Turm zu erwerben. Das bestätigte Noel Bidermann, Präsident des Unternehmens, auf Abendblatt-Anfrage: "Wir sind immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Werbeflächen. Dieses Hamburger Wahrzeichen gehört eindeutig dazu." Sein Unternehmen wisse um die für die Sanierung des Fernsehturms benötigten Mittel und sei, wenn das Geschäft zustande käme, bereit, einen entsprechenden Geldbetrag in die Hand zu nehmen. Wie der Turm künftig heißen könnte, wollte Bidermann noch nicht verraten.

Der Fernsehturm gehört der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG), einer Tochter der Deutschen Telekom. Bis zur Schließung des Wahrzeichens waren die Aussichtsplattform in 125 Meter Höhe und das darüber liegende Drehrestaurant eine Attraktion für viele Hamburger und Touristen. Es kamen etwa 250.000 Besucher pro Jahr.

Seit Jahren gab es immer wieder Interessenten für die seit 2001 geschlossene Gastronomie, doch Verhandlungen scheiterten vor allem an den Kosten. Allein um den Brandschutz wiederherzustellen, werden rund fünf Millionen Euro veranschlagt. Die Politik forderte immer wieder, dass die Aussichtsplattform und die Gastronomie wieder eröffnet werden sollten. Aber Taten folgten nicht. Die Stadt signalisierte auch nicht, dass es Geld für eine Sanierung aus dem Haushalt geben werde. Die Deutsche Telekom ist nicht bereit, die zehn Millionen Euro zu investieren.

Deshalb müsste das Unternehmen über die Offerte der Avid Life Media, die weltweit rund 120 Mitarbeiter beschäftigt, begeistert sein: "Wir hatten Kontakt mit diesem Unternehmen", bestätigte Telekom-Sprecherin Stefanie Halle auf Abendblatt-Anfrage. Aber Interesse besteht nicht: "Wir haben uns über die Geschäftsmodelle dieser Internetplattform informiert. Eine Zusammenarbeit kommt vor diesem Hintergrund für uns nicht infrage", sagte Halle. Das kanadische Unternehmen bietet im Internet zum Beispiel ein Seitensprung-Portal oder eine Seite an, auf der sich ältere Frauen nach jüngeren Männern umschauen können.

Die Bedenken der Telekom kann Markus Schreiber (SPD), Leiter des Bezirksamts Mitte, der auch die Idee für den Verkauf der Namensrechte hatte, nicht nachvollziehen. Es gab auch bereits ein erstes Gespräch zwischen Schreiber und einer Vertreterin des Internetunternehmens: "Wenn ein Unternehmen mit Dating-Portalen Geld verdient, dann ist das zunächst mal nichts Unseriöses", sagte Bezirksamtschef Schreiber. Die Telekom müsse schon sehr gute Gründe vorweisen, um solch eine Offerte abzulehnen. Für Schreiber steht fest: "Das Ziel muss sein, dass die Hamburger und Touristen endlich wieder auf den Fernsehturm können."

Auch die Politik ist sich parteiübergreifend einig, dass der Fernsehturm wieder belebt werden soll: "Wenn ein Unternehmen bereit ist, für die Namensrechte viel Geld zu bezahlen, dann sollte die Telekom zugreifen. Da ist es ziemlich egal, ob sich das Unternehmen nun mit Dating-Portalen oder dem Verkauf von Bier beschäftigt", sagte CDU-Vizefraktionschef Hans-Detlef Roock. Auch die Stadt müsse sich dafür einsetzen, dass diese Hamburger Attraktion endlich wieder geöffnet werde.

Das sieht Kurt Duwe, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, ähnlich: "Es ist sehr schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der Geld für den Fernsehturm in die Hand nimmt, da darf die Telekom nicht wählerisch sein."

Bedenken hat SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote: "Der Fernsehturm hat eine Bedeutung weit über die Grenzen Hamburgs hinaus, und deshalb muss auch ein möglicher Investor zu diesem Wahrzeichen passen."