Stadt gibt Facebook-Aktion auf

Nach Kritik an hohen Ausgaben für Werbe-Gag zieht sich die Hamburg Marketing GmbH aus Kiez-WG-Projekt zurück

Hamburg. Acht Wochen nach ihrer Gründung steckt die Hamburg Marketing GmbH in einer tiefen Krise. Mit dem Rückzug aus dem Wohngemeinschaftsprojekt auf dem Kiez haben die Verantwortlichen bereits zum zweiten Mal in dieser kurzen Zeit eine umstrittene Werbeaktion abgesagt. Und so war es wenig verwunderlich, dass Thorsten Kausch, Geschäftsführer der Gesellschaft, ein wenig angeschlagen mitteilte, dass er alle Aktivitäten einstellen werde. "Der Grund ist die Kritik, die berechtigt ist", schob er hinterher.

Damit vermeldete Kausch lediglich den Vollzug der Entscheidung, die zuvor sein Vorgesetzter, Dietrich von Albedyll, als Leiter der Gesellschaft bereits am Vormittag getroffen hatte. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm dieser Umstand so kurz nach dem Zusammenschluss von Hamburg Marketing, Hamburg Tourismus und der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung missfiel. Damit reagierte von Albedyll recht zügig auf die zwar kurze, aber heftige Debatte um einen Marketing-Gag, der den Steuerzahler 279 000 Euro kosten kann. So hoch ist nämlich der Anteil der GmbH an der 534 000 Euro teuren Aktion.

Die Idee: Vier junge Leute sollen für ein Jahr in einem "200-Quadratmeter-WG-Palast mitten auf der Reeperbahn" ziehen. Drei von ihnen erhalten zudem für ein Jahr eine bezahlte Arbeitsstelle bei den Firmen Otto, Sparda-Bank oder Radio Hamburg. Der vierte Bewohner darf frei entscheiden, wie er sein Jahr gestaltet. Im Gegenzug muss das Quartett regelmäßig in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder YouTube über das Leben in der Metropole berichten. Ziel dieser Aktion war nach eigenen Angaben, "kreative Menschen für die Stadt zu begeistern".

Bürgerschaftsabgeordnete fast aller Fraktionen kritisierten das Projekt, dessen Ausmaße nach Senatsantworten auf Anfragen von Norbert Hackbusch (Linkspartei) öffentlich bekannt geworden waren. Von "Instinktlosigkeit" war die Rede und davon, dass öffentliches Geld nicht in ein derartiges Projekt fließen dürfe. Auch der Steuerzahlerbund kritisierte die Kosten.

Thorsten Kausch sagte, dass der Schaden für die Stadt nicht weiter wachsen dürfe. Schon Ende Juli wurde eine Facebook-Aktion der GmbH gestoppt, bei der 5000 Menschen via Facebook zu Freibier am Elbstrand eingeladen werden sollten. Bislang sei noch nicht klar, wie viel öffentliches Geld bereits in das WG-Projekt geflossen sei. Eine Agentur, die daran beteiligt ist, solle dies nun auflisten. Und sein Chef von Albedyll bezeichnete es als Fehler, dass das Projekt nicht richtig eingeschätzt worden sei. "Personelle Konsequenzen" würden in der Gesellschaft nicht diskutiert. "Das ist Aufgabe des Aufsichtsrats." Dessen Vorsitzender ist Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).

In Senatskreisen zeigte man sich zufrieden ob des Rückzugs. Ebenso wie Andy Grote, SPD-Sprecher für Stadtentwicklung. Norbert Hackbusch wertete den Vorgang als Erfolg, "mit dem wir so schnell nicht gerechnet haben". Die tatsächlichen Kosten will er, ebenso wie Anjes Tjarks (GAL), über eine Anfrage klären lassen. Und für Andreas Wankum (CDU) ist das Scheitern ein "Beweis, dass wir Leute brauchen, die in der Wirklichkeit und nicht in virtuellen Welten leben".

Was der Rückzug Hamburgs für die Zukunft der Wohngemeinschaft bedeutet, ist noch unklar. Die Räume seien bereits angemietet. Immerhin will Otto nicht komplett Abstand von dem Projekt nehmen. Die in Aussicht gestellten Jobs würden vergeben, sagte Unternehmenssprecher Thomas Voigt.