Absturz eines Mauerbrockens

Senat finanziert die Sicherung von St. Nikolai

Für 300.000 Euro soll in einer Woche das Gerüst um den Turm des Mahnmals stehen. Das Gespräch im Bezirksamt ist konstruktiv verlaufen.

Altstadt. Die Sanierung des bröckelnden Mahnmals St. Nikolai an der Willy-Brandt-Straße rückt in greifbare Nähe. Läuft alles wie geplant, dann könnte ein Teil des knapp 147 Meter hohen Turms der ehemaligen Hauptkirche in genau einer Woche bereits eingerüstet sein. Möglich wird dies durch das überraschende Entgegenkommen des Senats, kurzfristig mehrere Hunderttausend Euro für St. Nikolai in die Hand zu nehmen. Am Donnerstag noch hatte die Stadt jede Zuständigkeit für die ausgebombte Kirche zurückgewiesen.

Seit einem Krisentreffen am Freitagmittag zwischen Bezirk und Stadt herrscht jedoch Einigkeit darüber, dass Hamburgs höchster Kirchturm so schnell wie möglich eingerüstet und von Fachleuten begutachtet werden muss. Geklärt werden soll, wie sanierungsbedürftig die Fassade des ehemaligen Gotteshauses ist, aus der am Mittwoch ein knapp zehn Kilogramm schweres Mauerteil auf den Fahrradweg der Hauptverkehrsachse stürzte.

Das Krisengespräch im Bezirksamt ist offenbar sehr konstruktiv verlaufen

Allein für das Gerüst und dessen Aufbau werden knapp 300 000 Euro fällig. Der Unterhalt der Einrüstung schlägt pro Jahr noch einmal mit 155 000 Euro zu Buche. Auf Grundlage des Gutachtens werde der Senat eine Vorlage erarbeiten, mit der in der Bürgerschaft für die Sanierung geworben werden soll, erklärte Klaus Francke, der Chef des Förderkreises "Rettet die Nikolaikirche". Auch wenn der Gesamtbedarf erst noch ermittelt wird, fest steht bereits, dass es dann nicht mehr mit ein paar Hunderttausend Euro getan ist. Schätzungen gehen von bis zu sieben Millionen Euro aus.

Das Gespräch im Bezirksamt Mitte sei äußerst konstruktiv verlaufen, erklärten alle Beteiligten - allerdings erst, nachdem der Streit um vom Senat angeblich versprochene Millionen beigelegt war. Besser gesagt, vom Tisch gefegt wurde: "Das ist doch Schnee von gestern. Lassen Sie uns nach vorn schauen", soll der Vertreter der Senatskanzlei den Mitte-Bezirkschef Markus Schreiber (SPD) aufgefordert haben.

Dieser hatte mehrfach Geld vom Senat für die Sanierung des Mahnmals eingefordert. Geld, das den Bezirken bereits zugesagt gewesen sei und das der schwarz-grüne Senat aber aus Spargründen einbehalten habe. Der jetzige Senat hatte diese Forderung von Anfang an zurückgewiesen. Eineinhalb Stunden später verließen die Vertreter von Senat, Finanzbehörde, Baubehörde, Förderkreis und Denkmalschutzamt das Büro des Bezirksamtschefs und verkündeten die gute Nachricht.

"Wir wollen bereits am Montag den Auftrag für die Einrüstung erteilen", Markus Schreiber, Chef des Bezirks Mitte

"Wir wollen bereits am Montag den Auftrag für die Einrüstung erteilen", sagte Schreiber dem Abendblatt. Eine Ausschreibung soll es aufgrund der besonderen Gefahrensituation rund um das Mahnmal und der gebotenen Eile nicht geben. Drei Gerüstbaufirmen will der Bezirk mit seinem speziellen Ersuchen kontaktieren. Die sollen dann zwölf Stunden Bedenkzeit erhalten.

Die Anforderungen an die Gerüstbauer sind hoch: Aufgestellt werden soll ein 90 Meter hohes Gerüst, das den Gutachtern den Zugang zur Süd-, West- und einem Teil der Nordwand des Kirchturms ermöglicht. Die Spitze des Turms sei bereits vor 20 Jahren saniert worden, erklärte Schreiber. Vor ein paar Jahren auch die Ostwand. "Wenn alles klappt, könnte das Gerüst Ende der kommenden Woche stehen." Aus welchem Topf die unmittelbar zugesagten Gelder genommen werden sollen, ist noch nicht ganz klar. Im Haushalt der Baubehörde gibt es zwar noch den Titel "Sicherung und Grundinstandhaltung des Mahnmals St. Nikolai", allerdings sei der gar nicht mehr aktiv, hieß es. Wahrscheinlicher ist, dass die Finanzbehörde einspringt und die Mittel aus dem Titel "Bezirkliche Sicherungsmaßnahmen" fließen.

Noch nicht vom Tisch ist das Angebot eines Unternehmens, die Kosten für die Einrüstung aus eigener Tasche zu bezahlen. Geprüft werde, wie mit dem Angebot umgegangen werden soll. Der Haken: An dem Gerüst würde dann ein überdimensionales Werbeplakat hängen. Unstrittig ist, dass der Bezirk zusammen mit der Kulturbehörde einen Antrag auf Fördergelder bei der Bundesregierung stellen wird. Förderkreis-Chef Francke zeigte sich jedenfalls sehr zufrieden: "Mit dieser Lösung sind die wichtigsten Forderungen erfüllt: den Kirchturm zu sichern und den Sanierungsbedarf abzuschätzen."

Auch die Opposition begrüßte die Einigung zwischen Stadt und Bezirk

"Alle Beteiligten ziehen an einem Strang", fasste Senatssprecher Christoph Holstein zusammen. "Zuerst wird ein Gerüst aufgestellt, das für Sicherheit sorgt. Das wird dann auch genutzt, um Bausubstanz zu prüfen und Sanierungsbedarf herauszufinden."

Auch die Opposition meldete sich zu Wort. "Wir begrüßen die Einigung", sagte CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich. "Für uns ist das Mahnmal St. Nikolai wichtig, weil es den Menschen die Erinnerung an die schwersten Stunden der Stadt vor Augen führt." Hamburg sollte sich darum kümmern, dass die Ruine als historische und kulturelle Begegnungsstätte erhalten bleibt. (abendblatt.de)