Verkehr

Autofahrer genervt - Kein Ende der Staus in Sicht

Foto: Michael Arning

Krisentreffen von Baubehörde und Polizei. Die Sperrung eines Fußgängerwegs soll eine leichte Entspannung bringen.

Hamburg. Die Stadtentwicklungsbehörde und die Polizei haben gestern nach Wegen aus dem täglichen Verkehrsstau in Hamburg gesucht. Für das größte Problem - Tausende Autofahrer, die derzeit die Großbaustelle Baumwall umfahren und damit bereits überlastete Straßen zusätzlich füllen - ist zumindest eine kleine Lösung gefunden worden. "Es wird versucht, die Verkehrssituation als Folge der Baustelle Baumwall zu entzerren. An der Helgoländer Allee bei der Reeperbahn soll ein Fußgängerüberweg geschlossen werden, damit die aus der Helgoländer Allee rechts abbiegenden Fahrzeuge nicht wegen kreuzender Fußgänger halten müssen", sagt Behördensprecherin Helma Krstanoski.

Staustadt Hamburg. Für gewöhnlich entspannt sich die Situation für die Autofahrer auf dem Weg in die Hamburger Innenstadt nach der morgendlichen Rushhour. Doch derzeit funktioniert nicht einmal das. Die Stadt ist über den Vormittag dicht, ein Autostau geht in den nächsten über. Gestern erreichte das tägliche "Stop and go" auf den Verkehrsschlagadern der Stadt am Vormittag seinen vorläufigen Höhepunkt.

So ging an der Gabelung Stresemannstraße/Schulterblatt auf St. Pauli um 9.30 Uhr nichts mehr. Von hier aus bis zu den Landungsbrücken dauert es an einem normalen Verkehrsmorgen maximal zehn Minuten. Gestern hätten die Fußgänger jedes Wettrennen gewonnen. Auf der Parallelstrecke Kieler Straße und Holstenstraße Richtung Elbe, auf der Strecke An der Alster, Mundsburger Damm von Ferdinandstor bis Winterhuder Weg, auf der Lombardsbrücke, auf Fruchtallee und Schröderstiftstraße und im weiteren Verlauf Bundesstraße, Edmund-Siemers-Allee, Alsterglacis bis Alsterufer boten sich teils bis zum Mittag die gleichen Bilder: Auto an Auto im Schneckentempo.

Es gibt verschiedene Gründe für das aktuelle tägliche "Stop and go": In diesen Tagen füllen die motorisierten Internorga-Gäste die Straßen auf dem Weg zu den Messehallen. Hier ist Besserung in Sicht. Die Gastronomieschau, die in einer Woche rund 100.000 Besucher registriert hat, geht heute zu Ende. Gestern sorgten außerdem ein Unfall am Neuen Jungfernstieg und ein Ampelausfall nach einem Unfall an der Ecke Jungfernstieg und Lombardsbrücke für noch mehr Chaos.

Doch das Messe-Ende bedeutet leider nicht das Stau-Ende. Derzeit umfahren Tausende Autofahrer großräumig die Baustelle Baumwall. Sie weichen auf die ohnehin überlastete Ludwig-Erhard-Straße aus, was wiederum zu Rückstaus in der Budapester Straße, Helgoländer Allee, Stresemannstraße und der Reeperbahn führt. Bis Mitte April sollen voraussichtlich dort die Bauarbeiten an der Hochwasserschutzanlage, die um 60 Zentimeter erhöht wird, dauern.

Beiträge zum Straßeninfarkt liefern weitere kleinere Baustellen wie die in Hamburg-Altstadt in der Schmiedestraße (Domstraße bis Speersort). Das Nachrüstprogramm Elbtunnel, die damit verbundenen Sperrungen der Röhren 1 und 3 und die Einengungen von vier auf drei Fahrstreifen lassen zudem den Verkehr auf der A 7 und als Folge auch auf der A 23 in Zeitlupe rollen.

"Baustellen und Stau sind eine Sache", sagt ADAC Pressesprecher Matthias Schmitting. "Das tägliche Chaos in der Stadt verursachen aber die vielen Egomanen unter den Autofahrern, die glauben, sie würden Zeit gewinnen, wenn sie in die Kreuzungen fahren und diese blockieren", sagt Schmitting. Wenn alle die Kreuzungen frei hielten, verzögerte sich der Verkehr vielleicht, käme aber nicht - wie in den letzten Tagen häufig passiert - zum Erliegen. Schmittings Forderung an Senat und Polizei: In Stoßzeiten die großen Kreuzungen überwachen und von blockierenden Autofahrern 40 Euro kassieren.

Was lässt sich sonst noch tun gegen Stau in der Stadt? "Wer in Gleitzeit arbeitet, kann früher oder später starten. Fahrgemeinschaften sind eine andere Idee", sagt Schmitting. Helma Krstanoski empfiehlt zwei Räder. "Bei dem schönen Wetter fahre ich von Rissen mit dem Fahrrad in die Stadt", sagt die Behördensprecherin und verweist auf die 1100 StadtRäder, die an 72 Stationen im ganzen Stadtgebiet ausgeliehen werden können (siehe unten).

Der simpelste Vorschlag: auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Diese Möglichkeit haben die Hamburger bis gestern anscheinend nicht genutzt. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zählte in den vergangenen Tagen nicht mehr Fahrgäste als üblich. Dafür macht Matthias Schmitting die Park-and-Ride-Situation in Hamburg und im Umland verantwortlich. Er fordert mehr Möglichkeiten für Pendler, vor den Toren der Stadt ihr Auto stehen zu lassen, um von dort die Bahn zu nehmen.

Ein HVV-Konzeptpapier bestätigt das: P+R-Plätze sind meist überlastet und zudem oft in einem ziemlich schlechten Zustand. "Da nimmt so mancher Autofahrer dann den Stau in Kauf."