Guantanamo-Häftling kommt

Hamburgs Hilfe für US-Präsident Obama

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Matthias Iken

Foto: Ingo Röhrbein

Der Guantánamo-Häftling Ayman S. zieht in die Hansestadt. Ein Sozialpädagoge soll dem 34-Jährigen die Integration erleichtern

Hamburg. Innensenator Heino Vahldieck (CDU) machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Was er gestern bekannt zu geben hatte, war keine Wunschnachricht: In den kommenden Tagen wird der Häftling Ayman Mohammad Ahmad S. aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo nach Hamburg ziehen. Damit setzt die Innenbehörde eine Verabredung des ehemaligen Bürgermeisters Ole von Beust mit Innenminister Thomas de Maizière (CDU) um.

Zu dieser "humanitären Geste" wollte sich der neue Innensenator nicht explizit äußern, enthüllte aber seine Sichtweise hinter einigen Formulierungen. Er sprach von einer "schweren Bürde", einem "Neubürger, den man sich nicht ausgesucht" habe, und einer Entscheidung, die "nicht jeden begeistert habe". Die Aufgabe, die auf seine Behörde zukommt, ist groß. "Unser Ehrgeiz ist es, ihn in Hamburg zu integrieren", betonte Vahldieck.

Eine besondere Beziehung zu Hamburg hat der 34-jährige Ayman Mohammad Ahmad S. nicht. Er hatte angegeben, gern nach Deutschland auszureisen. Die Daten, die die Sicherheitsbehörden offenlegen, sind eher übersichtlich. Geboren wurde der Palästinenser im Dezember 1975 im saudi-arabischen Djidda. Im Sommer 2001 reiste er nach Afghanistan, um in den "Heiligen Krieg" zu ziehen. Kurz darauf wurde er verhaftet und im Januar 2002 in das US-Gefangenenlager auf der Insel Kuba gebracht. Welche Ausbildung der Mann hat, welche Sprachkenntnisse, welchen Hintergrund, verriet Vahldieck nicht. "Es ist bitter wenig, was wir wissen."

Immerhin so viel: "Es besteht kein Anlass zur Furcht." Von dem Exhäftling geht nach Erkenntnissen des Bundesinnenministeriums keine Gefahr aus. Die beiden Männer, die Deutschland aufnehme, seien von Bundesbeamten befragt worden und hätten dem Dschihad (Heiligen Krieg) abgeschworen. "Die Prüfung hat ergeben, dass diese Leute in Ruhe leben wollen", so Vahldieck. Gegen den Palästinenser gebe es keine strafrechtlichen Vorwürfe und auch keine Hinweise darauf, dass er terroristische Anschläge begangen habe. Vahldieck schränkte ein: "Wir nehmen die Einschätzung des Bundesinnenministers ernst, aber sind nicht naiv." Der 34-Jährige werde in "enge Manndeckung genommen". Sollte er sich wieder islamistischen Kreisen zuwenden, werde die Behörde alle notwendigen Mittel ausschöpfen. Eine Überwachung durch Polizeibeamte sei nicht geplant, so Vahldieck.

Stattdessen setzt die Behörde auf Integration. Nach seiner Ankunft in Hamburg wird der Palästinenser zunächst in einem Krankenhaus eingehend medizinisch untersucht. Laut Vahldieck befindet er sich in einem körperlich guten Zustand. "Er hat acht Jahre in Guantánamo verbracht. Dass ein solcher Mensch eher psychisch instabil ist, liegt auf der Hand."

Um dem Palästinenser das Zurechtfinden in Hamburg zu erleichtern, wird ihm ein arabischsprachiger Sozialpädagoge zur Seite gestellt. Zudem steht ein Reservebetreuer bereit. Die Behörde hat bereits eine Wohnung für Ayman angemietet, ein Sprachkurs soll folgen. Leben wird der 34-Jährige zunächst von Sozialhilfe. Der Aufenthaltsstatus erlaube es ihm aber zu arbeiten. Der Senator sprach von "erheblichen" Kosten im sechsstelligen Bereich. Der Bund werde sich daran beteiligen. Die Anwohner sollen nicht über die Herkunft ihres neuen Nachbarn informiert werden, um dessen Integration nicht zu gefährden.