Porträt

Wolfhard Ploog soll Nachfolger werden

Der jetzige Vizepräsident genießt hohes Ansehen. Die Bürgerschaft könnte ihn schon am Mittwoch wählen.

Es gehört zum politischen Einmaleins nach affärenbedingten Rücktritten, die Nachfolge sehr schnell zu lösen. So können einerseits lange Phasen der Spekulation vermieden und andererseits parteiinterne Begehrlichkeiten im Keim erstickt werden. Im Falle der Nachfolge für Bürgerschaftspräsident Berndt Röder will der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Schira seinen Unions-Abgeordneten heute einen Vorschlag vorlegen. Die Bürgerschaft könnte den Neuen auf ihrer Sitzung am Mittwoch bereits wählen.

Nach Abendblatt-Informationen läuft derzeit alles auf Vizepräsident Wolfhard Ploog hinaus. Der 67 Jahre alte Rechtspfleger ist ein erfahrener Parlamentarier und verfügt als langjähriger Vorsitzender des Eingabenausschusses über hohes Ansehen bei seinen Abgeordnetenkollegen. Nur einmal geriet Ploog in die Schlagzeilen: Der damalige Justizsenator Roger Kusch berief den CDU-Mann Anfang 2003 von seinem Posten als Sicherheitsbeauftragter für den Strafvollzug ab. Ploog hatte privat erlangtes Wissen von der Verurteilung eines Strafvollzugsbeamten wegen versuchten Totschlags nicht weitergegeben, obwohl der Mann weiterhin im Dienst war. Ploog wechselte daraufhin als Projektkoordinator in die Innenbehörde.

Der pensionierte Justizbeamte prägt den Altonaer CDU-Kreisverband seit Jahrzehnten mit. Den Ortsverband Altona leitet Ploog seit 1986. Zusammen mit CDU-Fraktionsvize Hans-Detlef Roock, der zugleich Altonaer CDU-Kreischef ist, steht er für die eher "kleinbürgerliche" Union der Kerngebiete des Bezirks Altona im Gegensatz zu den "großbürgerlichen" Vertretern aus den Elbvororten.

Die starke regionale Verankerung Ploogs in Altona führte zu Bedenken zum Beispiel bei der CDU Nord, die nach dem Röder-Rücktritt ein wichtiges Amt verliert. Dem könnte Schira dadurch entgegenwirken, dass er einen Nord-Abgeordneten als Nachfolger für Ploog auf dem Posten des Vizepräsidenten vorschlägt. Nach Abendblatt-Informationen könnte Kai Voet van Vormizeele in das Bürgerschaftspräsidium aufrücken. Der 48 Jahre alte Vorsitzende der CDU Uhlenhorst/Hohenfelde ist derzeit Vorsitzender des Verfassungsausschusses.

Nach Abendblatt-Informationen hat die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Viviane Spethmann, Vizekreischefin der CDU Nord, den Posten nicht zuletzt aus beruflichen Gründen abgelehnt. Die Juristin arbeitet in einer Anwaltskanzlei.

Nicht mehr zur Debatte steht auch die Überlegung, den CDU-Fraktionsvize Wolfgang Beuß als Bürgerschaftspräsidenten vorzuschlagen. Schul- und Hochschulexperte Beuß gilt für Schira als unverzichtbar an der Fraktionsspitze. Aus dem Rennen ist offensichtlich auch die Variante, den früheren Senatssprecher Lutz Mohaupt an die Spitze des Präsidiums zu berufen. Mohaupt ist zwar parteilos, andererseits aber Mitglied der CDU-Fraktion.