Uniklinik Eppendorf

Klinikchef Debatin: "Senat demotiviert das UKE"

Der Direktor der Uniklinik Eppendorf, Jörg Debatin, greift Dorothee Stapelfeldt an. Es geht um die Neubesetzung eines Beratungsgremiums.

Hamburg. Die Gemüter in Hamburgs Wissenschaft erhitzen sich weiter. Während die Kritik an der angekündigte Sparrunde für die Hochschulen anhält, klagt der Direktor der Uniklinik Eppendorf (UKE), Jörg Debatin, über eine "demotivierende" und "wenig wertschätzende" Behandlung durch den Senat. Der Klinikchef geht offenbar davon aus, dass Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) ihn bei der Neubesetzung des beratenden UKE-Kuratoriums nicht beteiligen will. "Diese Entscheidung hat mich überrascht, zumal diese Persönlichkeiten (...) auch Verantwortung für die beispiellose positive Entwicklung des UKE in den vergangenen Jahren tragen", schreibt Debatin in einem Brief, der dem Abendblatt vorliegt. Er habe vergeblich versucht, Kontakt zur Senatorin aufzunehmen.

Der Landesregierung steht es zu, vier externe "Sachverständige" in das fachspezifische Kuratorium zu berufen. Dieses Gremium soll die "Umsetzung der Betriebsziele" kontrollieren sowie die "Gewährleistung von Lehre und Forschung" sicherstellen. Berufen sind derzeit unter anderen Michael Eggenschwiler (Geschäftsführung Flughafen Hamburg GmbH) und Friedhelm Steinberg (Präsident der Börse Hamburg). Sie müssten weichen, wenn die SPD alle vier Posten neu besetzen würde.

Es ist kein Geheimnis, dass Stapelfeldt und Debatin bereits vor dem Wahlsieg der SPD nicht immer einer Meinung waren. Der Arzt ist zudem stellvertretender Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates Hamburg. "Das routinemäßige Verfahren zur Auswahl der zu berufenden Sachverständigen hat begonnen", sagt ein Sprecher der Wissenschaftsbehörde lediglich. Nach Abendblatt-Informationen sind Stapelfeldt und Debatin mittlerweile im Gespräch.

Die CDU bewertet das Vorgehen Stapelfeldts als "Akt des Misstrauens" gegenüber dem UKE. "Es ist schlechter Stil, auf Konfrontation zu setzen", sagte CDU-Hochschulpolitiker Thilo Kleibauer. "Ein Erfahrungsschatz" drohe verloren zu gehen, zudem brauche das Klinikum laut CDU externe Berater aus der Wirtschaft. Genau das sehe die SPD aber offensichtlich skeptisch, so Kleibauer: "Das wäre ein Rückfall in die 90er-Jahre, als die Wissenschaft im eigenen Saft schmorte".

Das UKE arbeitet laut Direktion seit 2010 profitabel, Wissenschaftler haben zahlreiche Auszeichnungen gewonnen, die Patientenzahlen steigen. Debatin schreibt von "konsequenter Leistungsorientierung"; so legen 70 Prozent der Studierenden ihr Physikum bereits nach vier Semestern ab.

Der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, verweigert weiterhin, die angekündigte 13-Millionen-Euro-Sparrunde der SPD umzusetzen. Auch der Hochschulrat forderte, die Kürzungsabsichten zu revidieren sowie in einem "Fünfjahresplan" der Uni jährlich drei Prozent mehr Budget zu garantieren - was dem Bundestrend entspreche. "Sonst fehlt die Geschäftsgrundlage", sagte der Vorsitzende des Hochschulrates, Albrecht Wagner, dem Abendblatt. So habe die Uni gerade erst unter großen Anstrengungen einen Entwicklungsplan verabschiedet, der nun hinfällig sei. "Das ist so, als wenn ein Gewichtheber gerade die Hantel hochgestemmt hat und man ihm dann in die Kniekehlen tritt", sagte Wagner.

Der Hochschulrat hatte bereits im November die Sparbeschlüsse des schwarz-grünen Senats abgelehnt. Hamburg stelle sich ohne Begründung gegen den Bundestrend, die Investitionen in die Forschung zu erhöhen - das gefährde den gesamten Standort, so Wagner. "Wohlstand und Wissenschaft bedingen einander." Zu befürchten sei auch, dass Fördereinrichtungen des Bundes nun schwerer zu überzeugen seien. "Die Förderstellen investieren ungern in Systeme, aus denen an anderer Stelle Geld abgepumpt wird." Das gefährde auch die Hamburger Spitzenforschungs-Einrichtungen. Bisher meldet Hamburg durchaus Erfolge: So hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft jetzt 28 Millionen Euro bewilligt: Sie verteilen sich auf die Afrika-Asien-Wissenschaften, auf Physik sowie Medizin.