Universitätsklinikum Hamburg

Prof. Debatin verlässt das UKE - einen neuen Job hat er schon

UKE-Chef Debatin verlässt Klinik vorzeitig und wechselt zu medizinischen Dienstleister. Differenzen mit Senatorin Stapelfeldt der Grund?

Hamburg. Für viele Beobachter war der Wechsel an der Spitze des UKE nur eine Frage der Zeit. Der Grund: UKE-Chef Prof. Jörg Debatin und seine Vorgesetzte, die Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt, verbindet seit Langem eine innige Abneigung gegeneinander. Als die Sozialdemokratin vor gut drei Monaten auf dem Senatorensessel Platz nahm, schien bereits klar, dass der Christdemokrat Debatin seine Zukunft als Direktor des größten Hamburger Krankenhauses hinter sich hat. Nun ist es so weit: Wie das UKE dem Hamburger Abendblatt offiziell bestätigte, wird der so renommierte wie umstrittene Mediziner das Klinikum zum 30. September verlassen - ein Jahr vor Ende seiner Vertragslaufzeit. Es wird einen Aufhebungsvertrag mit der Stadt geben.

Das Kuratorium des UKE hat wegen der Entscheidung am Vormittag getagt. Nun werden die Mitarbeiter bei einer Personalversammlung informiert. Für 14 Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt worden. Der 50-jährige Debatin wechselt nach Abendblatt-Informationen zur amedes AG mit Sitz in Göttingen und Düsseldorf. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bundesweit rund 2100 Mitarbeiter und bietet interdisziplinäre medizinisch-diagnostische Dienstleistungen an..

Debatin und Stapelfeldt kennen sich seit Langem. Die Sozialdemokratin macht seit den 80er-Jahren Hochschulpolitik. Mit Debatin - Mitglied im CDU-Wirtschaftsrat - focht sie in den Sitzungen des Wissenschaftsausschusses so manchen Streit aus. Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt, dass Debatin sich öffentlichkeitswirksam bei der SPD-Wissenschaftssenatorin darüber beschwerte, dass sie ihn offenbar nicht in die Neubesetzung eines UKE-Aufsichtsgremiums einbeziehen wollte. Der Arzt schrieb von einer "demotivierenden" und "wenig wertschätzenden" Behandlung durch den Senat. Er befürchtete offenbar, dass Wirtschaftsvertreter aus dem Kuratorium hinausgewählt werden sollten, darunter Michael Eggenschwiler (Geschäftsführung Flughafen Hamburg GmbH) und Friedhelm Steinberg (Präsident der Börse Hamburg).

Das könnte Indiz dafür sein, worauf die Abneigung Dorothee Stapelfeldts gegen Jörg Debatin beruht: Der Klinikchef setzt in den Augen der Sozialdemokratin vielleicht zu sehr auf ökonomischen Erfolg.

So hob der unabhängige Deutsche Wissenschaftsrat in einem aktuellen Gutachten hervor, dass dem UKE in den vergangenen Jahren "eine wirtschaftliche Konsolidierung geglückt ist, die aus dem defizitären Klinikum (...) ein erfolgreiches Unternehmen gemacht hat". Im Gegensatz dazu bemängeln die Gutachter jedoch Defizite in der Forschung, die zu den originären Aufgaben einer Uniklinik gehört.

In den vergangenen Wochen hatte das UKE in der EHEC-Krise die größte Herausforderung seiner Geschichte gemeistert. Dafür hatte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) das UKE ausdrücklich gelobt.

Nach Abendblatt-Informationen hat Debatin bereits eine neue Stelle - als Leiter eines Diagnostik-Zentrums außerhalb Hamburgs. Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden, hätte der 1961 in Bad Godesberg geborene Medizinmanager ohnehin kaum gehabt. Nach seinem Schulabschluss in New York hatte er in Heidelberg Humanmedizin studiert. 1987 legte er seine ärztliche Prüfung ab, 1995 habilitierte er. Von 1996 bis 1998 macht er an der Hochschule St. Gallen ein Diplom in Geschäftsführung. Seit 2003 ist er Leiter des UKE. Er erhielt 15 verschiedene wissenschaftliche Auszeichnungen. Der 50-Jährige ist mit der Rechtsanwältin Amrei Debatin verheiratet, hat vier Söhne und ist Aufsichtsratsmitglied beim Hamburger Sportverein.

Das UKE wurde im Jahr 1889 gegründet; 1934 wurde es der Universität angegliedert. Es beschäftigt 8900 Mitarbeiter, darunter mehr als 2000 Ärzte und Naturwissenschaftler und knapp 3000 Therapeuten und Pfleger. In 14 Zentren arbeiten mehr als 80 Kliniken, Polikliniken und Institute interdisziplinär zusammen. 76 000 Menschen werden jährlich stationär aufgenommen, dazu kommen noch 257 000 ambulante Patienten.