St. Pauli

Gutachten empfiehlt Abriss der legendären Kiez-Tankstelle

Foto: Bertold Fabricius

Ein neues Gutachten spricht offenbar für den Abriss der Esso an der Taubenstraße auf St. Pauli sowie zweier großer Wohnhäuser.

Hamburg. Deutschlands bekannteste Tankstelle soll nun offenbar doch abgerissen werden. Die neue Expertise für das 6190 Quadratmeter große Areal der Esso-Tankstelle an der Taubenstraße, zwischen Spielbudenplatz und Kastanienallee, sieht auch den Abriss der beiden Wohnblöcke vor, die auf dem Gelände stehen. Bereits vor etwa zwei Jahren war das Gelände der Familie Schütze von der Bayerischen Hausbau (BHG) gekauft worden - Pläne für den Abriss des gesamten Gebäude-Komplexes gab es seitdem. Am Montag bestätigte eine Sprecherin der BHG: „Da die Gebäude marode sind und eine Sanierung aus technischen Gründen unumgänglich mit einem Auszug der Mieter verbunden ist, erachten wir einen Abbruch der Gebäude und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum als sinnvoll.“

+++ Das sagen die Bewohner der Häuser +++

Ein aktuelles Gutachten soll jetzt belegen, dass sich in vielen der kleinen Wohnungen der beiden Gebäude hinter der Tankstelle Schimmel breit macht. 109 Wohnungen sind noch vermietet. Geplant ist nun offenbar eine Mischung aus sozial gefördertem Wohnraum und Eigentumswohnungen. Außerdem ist eine Mischung aus Kultur, Gastronomie und Supermärkten im Erdgeschoss vorgesehen. Pläne für den Bau eines Hofbräuhauses oder eines Hotels sind laut der BHG-Sprecherin vom Tisch.

Wann die Abbrucharbeiten tatsächlich beginnen sollen, ist laut BHG aber weiter offen: "Derzeit besprechen wir mit der Esso-Initiative die Optionen Abbruch und Neubau oder Sanierung. Der Start der Projektentwicklung wird voraussichtlich nicht vor 2014 erfolgen, da ein Architekturwettbewerb und ein anschließendes vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren, das eineinhalb bis zwei Jahre in Anspruch nehmen wird, vorgesehen sind. Aber das ist Zukunftsmusik – derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit der Esso-Initiative, um gemeinsam eine sozialverträgliche Lösung für den Standort zu finden."

Als Beweggrund für den Verkauf des Areals hatte der Hamburger Unternehmer Jürgen Schütze 2009 die auf Grund gestiegener gesetzlicher Anforderungen in den kommenden Jahren erforderlichen Investitionen in die Gebäudesubstanz, die von ihm alleine wirtschaftlich nicht mehr zu tragen wären, genannt. "Meine Absicht war es, für St. Pauli die beste Lösung zu finden", so Schütze damals.

+++ Alles begann 1948 mit einer Station an der Sternschanze +++

Die "Esso-Tanke", die immer wieder im Mittelpunkt von TV- und Zeitungsreportagen stand, ist quasi der Dorfplatz von St. Pauli. 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr ist sie kultiger Treffpunkt für Nachtschwärmer. Zeitweise war der Andrang des Nachts so groß, dass die Betreiber mehrere Türsteher beschäftigten. Die einzigartige Waschstraße, wo die "Jungs" von St. Pauli so gern ihre aufgebrezelten Autos vorfahren oder der 24-Stunden-Shop für alle, die mal ganz schnell was zur Verpflegung brauchen - all das wird dann der Vergangenheit angehören.

Die Bayerische Bau und Immobilien Gruppe gehört zur Schörghuber Unternehmensgruppe, die im Besitz traditionsreicher Brauereigruppen wie Paulaner, Kulmbacher, Karlsberg und Fürstenberg ist.