Harburg
Kritik am Schulsenator

Lehrermangel in Harburg: Behörde soll handeln

Die CDU-Abgeordnete Birgit Stöver klagt  den Lehrermangel an, der in Harburg besonders groß ist (Archivbild).

Die CDU-Abgeordnete Birgit Stöver klagt den Lehrermangel an, der in Harburg besonders groß ist (Archivbild).

Foto: Ha / Mark Sandten

Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete kritisiert Hamburgs Schulsenator: Er soll von seiner Weisungsbefugnis Gebrauch machen.

Harburg.  Mit den Ergebnissen der Arbeit des Hamburger Schulsenators Ties Rabe (SPD) geht die Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver hart ins Gericht. „Zu große Klassen, zu kleine Schulen“: In dieser griffigen Formel bündelt sie, was, so meint sie, nicht sein darf: „Das ist jetzt schon nicht mehr vertretbar.“ Im Bezirk Harburg kommt ein weiteres, spezielles Problem hinzu: Es ist schwer Lehrer zu finden, die hier, im Süden Hamburgs, arbeiten wollen. „Die Not ist groß“, sagt Birgit Stöver und sieht den Senator in der Pflicht: „Die Schulbehörde muss eingreifen!“

Natürlich, die Selbstverwaltung der Schulen sei ein hohes Gut, sagt die CDU-Politikerin, doch in der aktuellen Situation sei es unerlässlich: „Die Schulbehörde muss von ihrer Weisungsbefugnis Gebrauch machen.“ Vor allem dann, wenn der Mangel an Fachlehrern so groß sei. Stöver hatte jüngst in einer Kleinen Anfrage an den Senat nach der Zahl der offenen Stellen gefragt. Ergebnis: An der „Kersche“, offiziell nun die Georg-Kerschensteiner-Grundschule, gibt es offiziell drei offene Lehrerstellen, an der Schule Kapellenweg sind es 2,3, an der Schule Grumbrechtstraße 2,4, an der Schule An der Haake 3 und an der Schule Rönneburg sind es sogar fünf offene Stellen. Am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, dem Friedrich-Ebert-Gymnasium sowie der Stadtteilschule Maretstraße gibt es nach Mitteilung der Schulbehörde jeweils vier offene Lehrerstellen und am Immanuel-Kant-Gymnasium 1,4.

Lehrer können sich aussuchen, an welcher Schule sie arbeiten wollen

In den Randgebieten der Stadt sei es generell schwer, Lehrer zu finden, sagt Stöver - das gelte nicht nur für Harburg, sondern beispielsweise auch für Bergedorf oder Rissen. Davon kann auch Gudrun Wolter-Vogeler ein Lied singen. In einem früheren Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt hatte die Schulleiterin der Grundschule An der Haake, davon berichtet, dass einige ihrer Kolleginnen in Niedersachsen wohnen: „Spätestens wenn deren Kinder eingeschult worden, sind die weg“, hatte Wolters-Vogeler gesagt, die zugleich auch Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbandes Deutschland ist.

Wie Schulpolitikerin Stöver ist auch Wolters-Vogeler davon überzeugt, dass bezogen auf Harburg auch die soziale Komponente eine Rolle spielt. Lehrer könnten sich heute aussuchen an welcher Schulte sie arbeiten wollten: „Die gucken genau hin: wie ist das soziale Umfeld, wie gestaltet sich die Ganztagesbetreuung, wie hoch ist die Arbeitsbelastung?“ Deshalb, so das Fazit der Schulleiterin, sei es generell besonders schwer, Lehrer und Lehrerinnen zu finden, die an Grund- und Stadtteilschulen unterrichten wollten – und wenn die dann auch noch in Harburg stünden, sei die Sache nahezu aussichtslos. Das räumte auch Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde ein: „Leider ist es für Harburger Schulen insgesamt etwas schwerer, Lehrkräfte zu akquirieren, im Vergleich zu nördlich der Elbe.“

„Die Unterstützung der Behörde ist nicht ausreichend“

Das darf nicht so bleiben, findet Schulpolitikerin Birgit Stöver. Es sei zwar seinerzeit wichtig und richtig gewesen, die selbstverantwortete Schule einzuführen („Es ist grundsätzlich richtig, vor Ort zu entscheiden“), jetzt bestehe Handlungsbedarf: „Die Unterstützung der Behörde ist nicht ausreichend.“

Kritisch sieht Stöver auch den Vorstoß des Schulsenators, dass angehende Lehrkräfte mit Pluspunkten belohnt werden sollen, die die Personalnot an den Schulen mildern, in dem sie Lehraufträge annehmen und so befristet und auf Honorarbasis unterrichten. Das würde dann die Wartezeit aufs Referendariat verkürzen – nicht aber das grundsätzliche Problem des Lehrermangels in Harburg lösen.

Forderung: Auch Binnenhafen braucht eine Grundschule

Doch bei aller Kritik, eine Entscheidung der Schulbehörde lobt Birgit Stöver ausdrücklich: Dass am Sinstorfer Weg, wo bis vor kurzem noch einer der Standorte der Lessing-Stadtteilschule (jetzt am Hanhoopsfeld) befand, nun eine Grundschule geplant ist, freut die Politikerin: „Das ist absolut positiv.“ In den nächsten Wochen und Monaten wird untersucht, ob eine Modernisierung der bestehenden Gebäude möglich ist oder ob ein Abriss und Neubau sinnvoller wäre. Je nachdem wie die Entscheidung ausfällt, könnt die Grundschule schon im kommenden Jahr oder aber frühestens zum Schuljahr 2022/23 ihren Betrieb aufnehmen.

Stövers Wunschliste in dieser Angelegenheit ist allerdings auch dann noch nicht abgearbeitet. Sie ist überzeugt, dass auch – und trotz der nun geplanten Grundschulen am Soldatenfriedhof und am s Weg – im Binnenhafen eine Grundschule fehlt: „Die wünschen sich auch die Anwohner dort.“


Selbstverantwortete Schule seit 2006

Mehr Selbstständigkeit und größeren Gestaltungsraum sollte die Einführung der selbstverantworteten Schule zum Schuljahr 2006/07 den Schulen vor Ort bescheren. „Hamburgs Schulen können so künftig wesentlich leichter ein eigenes pädagogisches Profil entwickeln, ihre Arbeit im Detail organisieren, ihr Personal zunehmend selbst auswählen und in Budgetfragen entscheiden“, argumentierte seinerzeit die Schulbehörde.

Die Schulaufsicht werde auch in Zukunft von der Behörde wahrgenommen: „Sie achtet darauf, wie sich die Qualität der Ergebnisse schulischer Arbeit entwickelt. Wie diese Ergebnisse erzielt werden, liegt jetzt jedoch verstärkt in der Verantwortung der Schulen.“ Hamburg benötige noch mehr Schulen, „die mit klugen Konzepten und neuen Ideen auf die individuellen Potenziale der Schülerinnen und Schüler eingehen."