Gegen Proteste

Senat setzt Wohnbauprojekt in Langenhorn durch

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Kommission zieht Verfahren des Bebauungsplans der Wulffschen Siedlung an sich. Dort sollen insgesamt 700 modernisierte Wohnungen entstehen.

Hamburg-Nord. Der Hamburger Senat macht Druck, wenn es um eines der Ziele der Regierung Scholz geht, den verstärkten Wohnungsbau. Das zeigt die neueste Entscheidung der Senatskommission für Stadtentwicklung und Wohnen: Sie beschloss am Donnerstag, das Bebauungsplanverfahren Langenhorn 73 / Siedlung Wulffsgrund zu evozieren - das heißt, das Verfahren an sich zu ziehen, um seine Umsetzung durchzusetzen. Im November 2011 hatte sich der massive Protest in Langenhorn gegen das Projekt in einem Bürgerentscheid manifestiert. Damals hatten 67,8 Prozent der Stimmberechtigten gegen das Projekt votiert. Anwohner befürchten durch den Um- und Neubau auf dem Gelände eine deutliche Veränderung des Quartiers, Kündigungen und höhere Mieten.

Nach dem gestrigen Beschluss sagte Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau: „Ich bin überzeugt: Langenhorn 73 ist ein weiterer Schritt nach vorn für mehr bezahlbaren Wohnraum und für einen besseren Klimaschutz in Hamburg. Es ist zum einen eine Entscheidung für mehr Lebensqualität der jetzigen Mieterinnen und Mieter, zum anderen werden durch die Nutzung freier Flächen innerhalb der vorhandenen Bebauung 150 zusätzliche Wohnungen geschaffen, die Hamburg dringend braucht.“

+++ Die Stadt muss regierbar bleiben +++

+++ Schutz für die Wulffsche Siedlung - aber keine endgültige Rettung +++

Die Wohnungen aus den Vierziger und Fünfziger Jahren seien im Durchschnitt zu klein und energetisch nicht entsprechend sanierbar. Die jetzt durch die Senatskommission beschlossene Kompromissvariante ermögliche durch den Bau von etwa 150 zusätzlichen Wohneinheiten und den Ersatz von 550 Wohnungen durch Neubauten insgesamt 700 modernisierte Wohneinheiten. Der Investor habe den Mietern zugesichert, dass diese Kündigungsschutz erhalten, wenn Ihr Objekt von der Umsetzung des neuen Bebauungsplans betroffen ist. Außerdem werde ihnen ein Mitspracherecht bei der Sanierung eingeräumt.

Während die SPD-Bürgerschaftsfraktion von einer „konsequenten und nachvollziehbaren“ Entscheidung spricht, nennt die GAL die Evokation eine „arrogante und rotzige Entscheidung“. GAL-Chef Jens Kerstan: „Man kann darüber streiten, ob die Bürger im Bezirk eine gute Entscheidung getroffen haben. Unbestreitbar ist aber, dass das Bürgervotum gilt. Vor dem Bürgerentscheid hat der Senat abgewartet und gar nichts getan. Jetzt kassiert er den Bürgerwillen mit dem Verweis auf ein gesamtstädtisches Interesses. Das ist arrogant und rotzig.“

Die Bezirksversammlung Nord, die einst für das Projekt gestimmt hat, sieht die Evokation kritisch.

(sta/rek)