Protestaktion

Künstlerin verbrennt Anträge vor Hamburger Kulturbehörde

Zu viel Geld für die Elbphilharmonie, zu wenig für freie Künstler? Performance-Aktion der Künstlerin Navina Neverla vor der Hamburger Kulturbehörde.

Zu viel Geld für die Elbphilharmonie, zu wenig für freie Künstler? Performance-Aktion der Künstlerin Navina Neverla vor der Hamburger Kulturbehörde.

Foto: ryb

Navina Neverla attackiert Förderpolitik des Senats und mutmaßlich voreingenommene Jurys. Kulturbehörde reagiert auf Feuer-Protest.

Hamburg. Mit einer Feuer-Performance hat die Künstlerin Navina Neverla am Freitag vor der Hamburger Kulturbehörde gegen die Politik des Senats protestiert. Sie verbrannte vor dem Eingang der Behörde an den Hohen Bleichen in einer Feuerschale ihre Anträge auf Förderung, die sie in den vergangenen Jahren gestellt hatte. Navina Neverla warf der Behörde vor, in der Förderung der freien Kunst auf eine Jury zu hören, die vor allem „Freunde von Freunden“ mit Geld unterstütze. Am Ende unterband die Polizei die Aktion.

Die Performance-Künstlerin, die unter anderem an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) studierte und am Fleetstreet Theatre sowie im Gängeviertel auftrat, beklagte, dass nur wenige Künstler von ihren Arbeiten leben könnten. Ihre Aktion, sagte sie, während sie Blatt um Blatt aus einem Ordner anzündete, stehe stellvertretend für alle Künstler, die ihren Lebensunterhalt nicht mit dem bestreiten können, was sie gelernt hätten.

Performance-Protest: Was die Kulturbehörde sagt

Navina Neverla sprach sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus und kritisierte die in Hamburg ungleich verteilten Gelder. Während für die Elbphilharmonie 780 Millionen Euro ausgegeben worden seien, müsse sich die freie Szene mit einem winzigen Bruchteil davon begnügen.

Behörden-Sprecher Enno Isermann sprach wohlwollend mit der Künstlerin und wies darauf hin, dass die Förderung für freie Künstler zuletzt sogar angehoben worden sei. Die Jury, der Neverla schwere Vorwürfe machte, entscheide unabhängig.

Navina Neverla reagierte cool auf Beleidigungen

Ironischerweise fand die Aktion an dem Tag statt, da sich Hamburger Politiker damit rühmten, erhebliche Millionenbeträge vom Bund zum Beispiel für Kampnagel oder die Folklore-Gruppe Finkwarder Speeldeel eingeworben zu haben.

Die Mitarbeiter der umliegenden Geschäfte reagierten zunächst neugierig und dann unwirsch auf das Verbrennen der Papiere. Zweimal schütteten sie unter vulgären Beleidigungen Wasser auf die Flammen. Navina Neverla reagierte extrem gelassen: „Vielen Dank für Ihr Feedback!"