Forschung

Wie Straßenbäume besser geschützt werden können

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Anne K. Strickstrock
Die grauen Kästen neben den Zerr-Eichen sind per Kabel mit unterirdischen Sensoren verbunden, um die Wasserspannung zu messen.

Die grauen Kästen neben den Zerr-Eichen sind per Kabel mit unterirdischen Sensoren verbunden, um die Wasserspannung zu messen.

Foto: strickstrock / BGZ

Hitze- und Trockenperioden, Kfz-Abgase – Hamburgs Bäume müssen viel ertragen. Forschungsprojekte untersuchen die Widerstandsfähigkeit.

Hamburg. Sie kämpfen unentwegt ums Überleben: Von Hamburgs rund 250.000 Straßenbäumen stehen gut 20.000 im Bezirk Bergedorf und müssen sommerliche Hitze- und Trockenperioden sowie Stürme aushalten, zudem Kfz-Abgase, Reifenabrieb und Öl. Auch Schädlinge stellen eine Gefährdung dar und neue Krankheiten wie die Miniermotte bei Kastanien und die Wollige Napfschildlaus bei Linde, Ahorn und Kastanie. Wie lassen sich die Bäume schützen und den Klimaveränderungen anpassen? Darüber gibt es mehrere Forschungsprojekte, auch in Bergedorf.

Sensoren im Boden messen Wassergehalt und Wasserspannung

Aufmerksame Beobachter können etwa Am Beckerkamp beobachten, dass dort mit der Umgestaltung des Lohbrügger Straßenzugs junge Zerr-Eichen gepflanzt wurden. Neben den noch dünnen Stämmen finden sich derzeit neun graue Kästen. Was hier versteckt ist, erklärt Dr. Annette Eschenbach, an der Uni Hamburg Professorin für Bodentechnologie und Bodenschutz: „Die Kabel, die in die Kästen führen, erlauben uns ein Datenmonitoring, um den Wassergehalt und die Wasserspannung zu erfassen. Über die Sensoren im Boden wollen wir herausfinden, ob die Wasserverfügbarkeit der Pflanzen durch Rigolen, die im Untergrund wie Zwischenspeicher wirken, verbessert wird. Und ob die Sauerstoffkonzentration im Wurzelraum dann noch gegeben ist.“

Dazu werden verschiedene Substrate eingesetzt, zum Beispiel grobporiger Gleisschotter, wo neue Wurzeln gut hineinwachsen können: „Solche Hohlräume im Boden können das Wasser speichern und festhalten. Nun wollen wir erkennen, wie viel Kraft der Baum braucht, um dieses Wasser nutzen zu können“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Bergedorfer Untersuchungen zählen zum Projekt „BlueGreenStreets“, das bis Februar 2022 vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Den Unwirtlichkeiten in der Großstadt parieren

Bis Ende 2021 läuft zudem das vom Umweltministerium gestützte Projekt „BoBaSt“ (Bodensubstrat und Baumartenwahl für klimaangepasste Stadtbaumpflanzungen) – es experimentiert nicht nur am Straßenrand. In einer Baumschule wachsen neun Baumarten in drei verschiedenen Substraten, um herauszufinden, wer sich als besonders widerstandsfähig zeigt.

Der vorbildliche Baum nämlich muss den Unwirtlichkeiten in der Großstadt parieren können. Das heißt, er benötigt möglichst wenig Platz für seine Wurzeln. Zudem verträgt er Staunässe und Streusalze, kann sich der zunehmenden Trockenheit anpassen, ohne dabei in Stress zu geraten.

Messergebnisse werden automatisch ins Monitoring übermittelt

Alle zwei Wochen fahren die Uni-Wissenschaftler mit ihren Laptops nach Lohbrügge, um die Daten auszulesen. Gleich nach der Stileiche, die mit 20 Prozent am häufigsten an Hamburgs Straßen steht, kommt die Linde. Drei verschiedene Lindenarten wurden jüngst an der ­Rothenhauschaussee gepflanzt, wo die Start-up-Firma Plantobelly mit Sensoren die Bodenfeuchte messen will: Die Werte zum Wassergehalt können automatisch über W-Lan an Hamburgs Straßenbaummonitoring übertragen werden.

Der Pilotversuch der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Ber­gedorfer Bezirksamt, betont Björn Marzahn, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde: „Bei erfolgreichem Testergebnis könnte das Produkt künftig für ein gezieltes Be­wässerungsmanagement eingesetzt werden, das ohne ein zeitaufwendiges, manuelles Datenauslesen auskommt.“

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