Wentorfer Straße

Bergedorfer Rathaus ist eine Kohlendioxid-Schleuder

| Lesedauer: 3 Minuten
Anne K. Strickstrock
Aus der ehemaligen Messtorffschen Villa wurde 1927 das Bergedorfer Rathaus. Bei den vielen Fenstern im denkmalgeschützten Gebäude ist eine energetische Sanierung hier nicht leicht. Dennoch könnte die CO2-Emission von 191.019 auf 41.140 Kilogramm pro Jahr gesenkt werden.

Aus der ehemaligen Messtorffschen Villa wurde 1927 das Bergedorfer Rathaus. Bei den vielen Fenstern im denkmalgeschützten Gebäude ist eine energetische Sanierung hier nicht leicht. Dennoch könnte die CO2-Emission von 191.019 auf 41.140 Kilogramm pro Jahr gesenkt werden.

Foto: strickstrock / BGZ

Energetische Sanierung: Vermieter Sprinkenhof errechnet auch großes Einsparpotenzial bei Schloss, Feuerwache und Standesamt.

Bergedorf. Seit Oktober wird gewerkelt, zum Sommeranfang sollen die weißen Planen fallen: Dann hat die städtische Immobiliengesellschaft Sprinkenhof GmbH Dach und Böden des alten Kutscherhauses an der Wentorfer Straße 40 für 630.000 Euro saniert. Immerhin 140 Quadratmeter fasst die ehemalige Poststelle des Bezirksamtes, deren energetische Sanierungsmaßnahmen samt Kerndämmung bereits Ende 2018 gutachterlich untersucht worden waren. So lange kann Klimaschutz dauern. Doch nicht nur das Kutscherhaus steht unter Denkmalschutz, auch das Rathaus selber – und ist somit ein Sorgenkind der Klimaschützer. Jetzt aber könnte die Diskussion an Fahrt gewinnen, schließlich will die Stadt Hamburg bis 2050 „weitgehend klimaneutral“ sein.

Klimaschutzkonzept

Bergedorfs Integriertes Klimaschutzkonzept zeigt auf 166 Seiten Möglichkeiten auf, wie der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden könnte. Dazu gehört die Überholung der Heizungsanlage, die aus dem Jahr 1991 stammt. Der Heizkessel könnte durch ein Blockheizkraftwerk ersetzt werden, schlug die ehemalige Klimaschutzmanagerin Solveig Schröder vor, die zudem eine Steuerung an Witterung und Arbeitszeiten im Rathaus koppeln wollte.

Rathaus könnte jährlich 149.879 Kilogramm CO2 einsparen

„Bislang war es eine faule Ausrede des Bezirksamtes, man sei ja nur Mieter. Jetzt aber liegen die Zahlen der Sprinkenhof vor, da könnte also was funktionieren“, meint CDU-Politiker André Wegner. Demnach hat das Bergedorfer Rathaus derzeit einen jährlichen Energiebedarf von 817.970 Kilowattstunden (kWh) – bei einer Kohlendioxid-Emission von stattlichen 191.019 Kilogramm. Davon könnten immerhin jährlich 149.879 Kilogramm eingespart werden: Nach einer energetischen Sanierung, so errechnete die Finanzbehörde, liege der Endenergiebedarf lediglich noch bei 542.652 Kilowattstunden.

Wie wird die neue Heizung aussehen?

Aktuell werden verschiedene Sanierungsvarianten geprüft – mit Holz-Pellets, Holz-Hackschnitzel, Blockheizkraftwerk und Wärmepumpen. „Ich setze eher auf Wärmepumpen, da die Holzpreise gerade explodieren. Aber das wird die Kostenkalkulation zeigen“, so Wegner.

Als zweitgrößte städtische „Dreckschleuder“ im Bezirk stellt sich die Feuerwehrwache am Sander Damm heraus – mit einer jährlichen CO2-Emission von 151.957 Kilogramm. Davon könnten nach einer Sanierung 101.704 gespart werden, reduzierte sich zugleich der Energiebedarf von 653.598 auf 84.458 Kilowattstunden.

Bergedorfer Schloss auf Platz 3

Auf Platz drei im Bezirk liegt das Bergedorfer Schloss, wenn es um die Treibhausgase geht: Jährlich 127.746 Kilogramm werden ausgestoßen (bei einem Energiebedarf von 584.195 Kilowattstunden, die sich auf 76.509 reduzieren ließen). Hier wäre eine CO2-Einsparung von 82.223 Kilogramm denkbar.

„Bei wirtschaftlicher Vertretbarkeit“

„Grundsätzlich ist geplant, die Gebäudehüllen energetisch bestmöglich bei gleichzeitig technischer und wirtschaftlicher Vertretbarkeit aufzuwerten“, antwortet die Finanzbehörde auf Anfrage der CDU-Fraktion. Auch das Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt (WBZ), das Personalamt und das Standesamt an der Wentorfer Straße werden aufgeführt, ebenso wie das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehren: Für die Chrysanderstraße 2 d wurde eine CO2-Emission von 94.667 Kilogramm errechnet – nach Sanierung könnten es indes nur noch knapp 6000 Kilogramm CO2 sein.

Reihenfolge festlegen

Wie geht es nun weiter? Bis zum Sommer sollen die Sanierungsfahrpläne fertig sein, um eine Reihenfolge festlegen zu können. Danach will die Sprinkenhof AG alle Nutzer, Mieter und das Denkmalschutzamt befragen. Nicht zuletzt müssen die Finanzmittel geprüft werden.

„Eine Kostenbenennung wäre jetzt nicht verkehrt, zudem muss eine Umlage auf die Miethöhe geklärt werden“, gibt André Wegner zu bedenken – und will am Ball bleiben: „Man braucht langen Atem. Aber mit diesen Zahlen können wir nun konkret weitersprechen.“

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