Newsblog für den Norden

Jetzt vier Kreise in Schleswig-Holstein über 100

| Lesedauer: 35 Minuten

Neue Knallhart-Regeln für Schule, Kita, Handel, Ausgang

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Überblick: Karl Lauterbach lobt Hamburger Regeln. Testpflicht an Schulen im Norden. Polizei zerstreut Gruppen von feiernden Jugendlichen.

Hamburg. Angesichts drastisch steigender Corona-Zahlen hat Hamburg neue, verschärfte Corona-Regeln verabschiedet: Der Senat stellte das Maßnahmenpaket, das unter anderem eine nächtliche Ausgangsbeschränkung umfasst, am Mittwoch vor, schon am Karfreitag sollen die neuen Regeln in Kraft treten. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg ist am Mittwoch auf 163,7 gestiegen – der höchste Wert seit Weihnachten.

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In Schleswig-Holstein hat das Bildungsministerium am Mittwoch eine Testpflicht für Lehrer und Schüler nach den Osterferien eingeführt. Wer am Präsenzunterricht teilnehmen will, muss ein negatives Testergebnis vorlegen. Niedersachsen kündigte für die Ostertage verstärkte Polizeikontrollen besonders an beliebten Ausflugspunkten an.

Corona-News für Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen am 31. März:

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Polizei zerstreut Gruppen von feiernden Jugendlichen

Dem guten Wetter und der ab Karfreitag geltenden nächtlichen Ausgangssperre dürfte zu nahezu gleichen Teilen geschuldet sein, dass die Polizei am Abend speziell rund um die Alster mehrfach größere Gruppen von feiernden Jugendlichen zerstreuen musste.

Insgesamt seien mehrere hundert überwiegend sehr junge Leute angetroffen worden, die sich dort ohne Abstand und Masken, dafür mit Alkohol getroffen hätten, hieß es vom Lagedienst der Polizei. Laut dem Sender NDR 90,3 sollen es rund 500 Jugendliche gewesen sein, die sich teils ein Katz- und Maus-Spiel mit den Beamten lieferten. Auch im Jenischpark und am Elbstrand hat es nach Abendblatt-Informationen zum Teil größere Feiern unter freiem Himmel gegeben.

Größere Zusammenstöße gab es bei den Versuchen der Polizei, die Ordnung wiederherzustellen, anscheinend nicht. Am späteren Abend hatte sich die Lage allgemein beruhigt.

Schleswig-Holstein: Jetzt vier Kreise über 100

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auch in Schleswig-Holstein weiter: Am Mittwochabend meldete das Land einen Wert von 74,5 (Vortag: 71,7). Inzwischen liegen vier Kreise über der Marke von 100, neben Segeberg (132,0), Pinneberg (114,8) und der Stadt Flensburg (104,3) erstmals auch das Herzogtum Lauenburg (107,1).

Die Zahl der neuen Corona-Fälle erhöhte sich landesweit um 406, in Krankenhäusern werden derzeit 200 Menschen wegen einer Corona-Infektion behandelt, 51 von ihnen sind so schwer erkrankt, dass sie auf Intensivstationen versorgt werden müssen. Die Zahl der Corona-Toten stieg um vier auf insgesamt 1436.

Die Zahlen vom Abend haben allerdings vorerst nicht zwingend Auswirkungen auf die Corona-Regeln: Diese waren zuvor von der Landesregierung anhand der bisherigen Zahlen angepasst worden – weswegen der Einzelhandel im Herzogtum Lauenburg auch über Ostern hinaus nach Terminvereinbarung Kunden empfangen darf und die Kontaktbeschränkungen nicht verschärft werden.

Schleswig-Holstein: Wo nach Ostern neue Einkaufsregeln gelten

Angesichts gestiegener Corona-Neuinfektionen dürfen Läden in Kiel, Lübeck, Steinburg, Neumünster, Herzogtum Lauenburg und Stormarn nach Ostern nur nach Terminvereinbarung betreten werden – in drei weiteren Kreisen müssen sie ganz für Kunden schließen. Das teilte die Landesregierung am Mittwochabend mit. In Nordfriesland, Plön, Dithmarschen, Ostholstein, Rendsburg-Eckernförde und Schleswig-Flensburg ist der Einzelhandel geöffnet.

Öffnungen im Einzelhandel sind vom Inzidenzwert abhängig, also der Zahl der Menschen, die sich bezogen auf 100 000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen mit dem Coronavirus infizieren. Die Geschäfte bleiben bei einem kreisweiten Wert von unter 50 geöffnet. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 dürfen Kunden die Geschäfte nur nach vorheriger Terminvereinbarung einkaufen (Click & Meet). Die Entscheidungen über Öffnungen oder Verschärfungen werden im Wochenrhythmus getroffen.

In der Stadt Flensburg sowie den Kreisen Pinneberg (mit Ausnahme Helgoland) und Segeberg schließen die Läden - ausgenommen des täglichen Bedarfs - am Donnerstag für den Publikumsverkehr, wie die Landesregierung mitteilte. Die Inzidenz ist auf mehr als 100 gestiegen. Bestellte Waren dürfen aber ausgegeben werden (Click & Collect).

Zudem werden in den drei Kreisen die Kontaktregeln auf einen Haushalt plus eine weitere Person verschärft, körpernahe Dienstleistungen sind nur noch mit negativem Testergebnis erlaubt, sofern es sich nicht um einen Besuch beim Friseur oder bei der Nagelpflege handelt oder die Behandlung medizinisch notwendig ist – weitere Regeln veröffentlichen die Kreise auf ihren Webseiten.

Man habe vergeblich versucht, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, teilte die Stadt Kiel mit. „Seit vielen Wochen pendelt die 7-Tage-Inzidenz in Kiel zwischen 30 und 65“, sagte Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken. „Es gibt kaum eine Großstadt in Deutschland mit ähnlich konstant niedrigen Zahlen.“ Zudem befürchtet die Stadt, dass die Menschen in den Ferien zum Einkaufen in andere Kreise fahren. Das Gesundheitsministerium habe den Antrag, eine Ausnahme zu erteilen, aber abgelehnt.

Polizei löst Corona-Spielbank in Harburger Kulturverein auf

Razzia in einem Kulturverein an der Neuen Straße: Am Mittwochabend stürmten Polizisten das „Treska“. Es ging um illegales Glücksspiel und Verstöße gegen die Coronaverordnung. Im Keller stießen die Beamten auf zehn Personen, die sich dort ohne Masken und Mindestabstand aufhielten. An den Wänden waren zehn Glücksspielautomaten angebracht, die illegal betrieben wurden.

Bereits am Vortag war eine kleinere „Zockerrunde“ in einem Restaurant am Außenmühlendamm nach einem Hinweis von der Polizei überrascht worden. Auch dort wurden Platzverweise und Bußgelder verhängt.

Hamburger Vereine planen Spiele vor Zuschauern

Der ersten Hamburger Sportclubs planen – obwohl gerade erst eine Verschärfung der Corona-Regeln beschlossen wurde – eine Rückkehr von Zuschauern. Wie sich die Vereine eine Öffnung für Fans vorstellen.

CDU-Vorsitzender Althusmann fordert Aktionsplan gegen Einsamkeit

Niedersachsens CDU-Landesvorsitzender Bernd Althusmann hat sich vor den Osterfeiertagen für einen bundesweiten Aktionsplan gegen Einsamkeit ausgesprochen. „Die Pandemie schlägt uns auf die Seele und bedrückt uns. Wer damit alleine nicht mehr fertig wird, braucht zügig Hilfe“, sagte Althusmann laut einer Mitteilung am Mittwoch. Der Bedarf an Psychotherapie-Plätzen habe in der Corona-Pandemie zugenommen, allerdings gebe es nicht genug Behandlungsplätze für Menschen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten. In Niedersachsen gebe es daher längere Wartezeiten.

Laut Althusmann soll deshalb überprüft werden, ob mehr kassenärztliche Zulassungen von Psychotherapeuten sinnvoll wären. Außerdem solle offen über Einsamkeit gesprochen werden. „Wir brauchen einen bundesweiten Aktionsplan, um dieses wichtige Thema nicht nur in Krisenzeiten anzugehen und um Betroffenen besser und schneller helfen zu können“, sagte der CDU-Landesvorsitzende.

Schleswig-Holstein: Landrat wegen Corona-Impfung abberufen

Der Steinburger Kreistag hat die Abberufung von Landrat Torsten Wendt wegen dessen Corona-Schutzimpfung eingeleitet. 47 Kreistagsmitglieder stimmten am Mittwochabend einem entsprechenden Antrag aller Fraktionen mit Ausnahme der Linken zu, wie der Kreis mitteilte. Fünf Mitglieder enthielten sich. Für die endgültige Abberufung ist es jedoch notwendig, dass sich der Kreistag innerhalb von vier Wochen zweimal damit befasst. Dies soll Ende April geschehen. Auch dann ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Wendt ist in die Kritik geraten, weil er im Januar außer der Reihe mit einer überzähligen Dosis gegen Covid-19 geimpft worden war. Er entschuldigte sich in der Folge dafür. „Angesichts einer Anzahl von Menschen, die einen Termin zur Impfung buchen wollten und damit bisher erfolglos geblieben sind, ist meine Impfung nicht verständlich. Ich habe dies seinerzeit so entschieden, hätte dies aber unterlassen müssen.“ Wendt erklärte weiter, er bedauere insbesondere die Gefühle von Menschen verletzt und Vertrauen verloren zu haben.

Der parteilose Wendt ist seit 2013 Landrat im Kreis Steinburg. Seit Mitte März ist er krankgeschrieben. Seine Amtsgeschäfte führt seitdem der stellvertretende Landrat Heinz Seppmann.

Karl Lauterbach lobt Ausgangssperre in Hamburg

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die vom Hamburger Senat zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossene Ausgangsbeschränkung als vorbildlich gelobt. „Ich begrüße die Ausgangssperre in Hamburg ausdrücklich“, twitterte er am Mittwoch nach einem entsprechenden Beschluss der rot-grünen Landesregierung. „Das ist ein mutiger Schritt, der den Hamburgern viele schwere Covid Fälle ersparen kann und einen viel härteren und längeren Lockdown später vermeidet.“ Andere Länder sollten folgen.

In Hamburg darf ab Karfreitag zwischen 21.00 Uhr abends und 5.00 Uhr am Morgen nur noch auf die Straße, wer einen triftigen Grund hat. Verstöße sollen mit einem Bußgeld in Höhe von mindestens 150 Euro geahndet werden.

Hannover: Wo die Ausgangssperre schon jetzt beginnt

Für 1,1 Millionen Menschen in und um Hannover beginnt in der Nacht zu Donnerstag (22.00 Uhr) eine nächtliche Ausgangssperre. Bis zum 12. April dürfen die Menschen zwischen 22 und 5 Uhr ihre Wohnungen und Häuser nur aus einem triftigen Grund verlassen. Zudem gibt es eine Erweiterung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Die Region Hannover erließ die Maßnahme genau wie zahlreiche andere Kommunen in Niedersachsen wegen hoher Corona-Zahlen.

Gestützt auf die aktuelle niedersächsische Corona-Verordnung erließen die Kreise für ihr Gebiet Allgemeinverfügungen. Die neue Landesverordnung schreibt eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 150 vor.

In den Landkreisen Peine, Wesermarsch, Bremerhaven, Emsland, Cloppenburg und in Teilen des Kreises Celle sowie in Bremen haben nächtliche Ausgangssperren bereits begonnen. In manchen Kommunen gilt die Ausgangssperre bereits ab 21.00 Uhr. Informationen dazu finden Bürgerinnen und Bürger auf den Internetseiten ihrer Städte und Gemeinden. Andere Kreise und Städte wie Osnabrück, Oldenburg und Salzgitter beschlossen ebenfalls Ausgangssperren. Im Kreis Gifhorn solle das Ausgehverbot ab Freitag gelten.

Zu Ostern an Nord- und Ostsee? Welche Regeln gelten

Wer zu Ostern auch nur einen Tagesausflug an die Küste plant, sollte sich vorher über die geltenden Regeln infomieren: Während teils von der Anreise nur abgeraten wird – ein Kurzurlaub aber unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt wäre, ist an anderer Stelle selbst ein Tagesurlaub verboten. Lesen Sie hier, was an Nord- und Ostee gilt.

Hamburg verschärft zu Ostern die Corona-Regeln

Der Senat hat am Mittwoch angekündigt, dass bereits ab Karfreitag unter anderem eine nächtliche Ausgangsbeschränkung in Kraft tritt. Diese und weitere Maßnahmen sollen die zuletzt drastisch gestiegenen Corona-Zahlen wieder unter Kontrolle bringen. Lesen Sie hier alles zu den neuen, härteren Corona-Regeln in Hamburg.

Daniel Günther wirft Söder und Kretschmann Effekthascherei vor

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat einen Vorstoß seiner Amtskollegen Markus Söder (CSU, Bayern) und Winfried Kretschmann (Grüne, Baden-Württemberg) für einen härteren Corona-Kurs zurückgewiesen. „Im Norden wird gehandelt, im Süden werden Briefe geschrieben“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Kiel. „Wir haben bereits regelmäßige Tests als Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht für die Zeit nach den Ferien eingeführt, die Herren Söder und Kretschmann wollen darüber reden.“

Es sei jetzt nicht die Zeit für Effekthascherei, sondern für konsequentes und verantwortungsvolles Handeln, meinte Günther. „Die Kollegen sollten jetzt nicht die Nerven verlieren, sondern die verabredeten Regeln in ihren eigenen Ländern umsetzen.“

Er reagierte auf einen gemeinsamen Brief Söders und Kretschmanns an die Regierungschefs der 14 anderen Länder. Beide fordern darin eine strikte Anti-Corona-Politik mit einer konsequenten Umsetzung der Notbremse in Hotspots, auch mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen. Zudem plädieren sie für eine Corona-Testpflicht an den Schulen nach den Osterferien. Diese Pflicht hat Schleswig-Holstein am Mittwoch verkündet. Der Norden hat derzeit die niedrigste Corona-Inzidenz in Deutschland. „Die dritte Welle rollt seit einigen Wochen unerbittlich über das Land. Die Lage ist ernst, ernster als viele glauben“, heißt es in dem Brief Söders und Kretschmanns.

Präsenzunterricht in Schleswig-Holstein nur noch mit Test

Für die Teilnahme am Unterricht in Schleswig-Holsteins Schulen brauchen Schüler und Lehrer künftig einen Corona-Test. „Ohne negativen Test kein Präsenzunterricht“, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Nach den Osterferien werden Prien zufolge an den Schulen zwei Selbsttests pro Woche angeboten. Wer daran nicht teilnehme, könne auch eine ärztliche Testbescheinigung oder eine Bescheinigung aus einem Bürgertestzentrum oder einer Apotheke vorlegen.

Die Schulen seien informiert und die ersten Rückmeldungen der Landeselternvertretungen zeigten eindeutige Zustimmung. Geplant seien die Tests bis zu den Sommerferien. Für die beginnenden Osterferien appellierte die Ministerin, nicht zu verreisen. „Bleiben Sie unter sich und verbringen Sie die Ostertage mit möglichst wenig Kontakten zu anderen, insbesondere in geschlossenen Räumen.“ Die Osterferien seien eine Chance, zweieinhalb Wochen lang das Infektionsgeschehen im Land zu verringern.

Seit dem 22. März hatte es für Mädchen und Jungen bisher Corona-Tests auf freiwilliger Basis gegeben. Lehrkräfte und Schulbeschäftigte konnten sich in Apotheken, bei Hausärzten oder den Testzentren des Roten Kreuzes testen lassen. An den Schulen wurden laut Ministerium mehr als 127 000 Tests genutzt. In 78 Fällen habe es ein positives Ergebnis gegeben - das seien 0,06 Prozent.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Habersaat, warf der Ministerin die Fortsetzung einer inkonsequenten Linie vor. Sie verkünde die Testpflicht vor dem Hintergrund von Abiturprüfungen, bei denen das Tragen einer Maske nicht vorgeschrieben gewesen sei und für die es keine Testpflicht gegeben habe. „Dabei hätte ein Mehr an Verbindlichkeit schon längst mit Personal-, Eltern- und Schülervertretungen umgesetzt werden können.“

Niedersachse mit fortschreitendem Muskelschwund darf früher geimpft werden

Ein an fortschreitendem Muskelschwund und Ateminsuffizienz leidender Niedersachse wird bei der Vergabe von Corona-Impfterminen gleichberechtigt mit Menschen aus der höchsten Prioritätsstufe berücksichtigt. Jemand mit einer solch schweren Vorerkrankung müsse wie ein über 80-Jähriger behandelt werden, teilte das Verwaltungsgericht Göttingen am Mittwoch mit. Dies erfordere auch die staatliche Fürsorgepflicht. (AZ. 4 B 48/21) Der Mann ist pflegebedürftig und kann beim Kontakt mit Pflegekräften aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen. Darum kann es sich nicht durch Isolation vor einer Ansteckung schützen.

Er wollte mit einem Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz erreichen, dass er sofort geimpft wird. Dies lehnte das Gericht ab. Allerdings erkannte es seinen Anspruch an, in die höchste Priorisierungsstufe eingruppiert zu werden. Laut Impfreihenfolge wäre der Mann eigentlich in der zweiten Gruppe. Die ausnahmslose Zuordnung von Menschen mit Krankheiten, die einen schweren oder tödlichen Verlauf von Covid-19 erwarten ließen, in diese zweite Gruppe verstoße aber in diesem Einzelfall gegen die gesetzgeberische Wertung, hieß es vom Gericht. Die staatliche Fürsorgepflicht schließe es aus, in der Impfreihenfolge diejenigen, die aufgrund individueller Umstände ganz konkret am wahrscheinlichsten mit dem Tod bedroht sind, hinter Menschen einzuordnen, für die das nur aufgrund abstrakter Annahmen wie beispielsweise dem Alter gelte.

Polizei verstärkt Kontrollen in der Osterwoche

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hat an alle Bürger appelliert, sich auch an Ostern an die geltenden Regeln zu halten: „Auch wenn es bereits das zweite Osterfest ist, das wir im Lockdown verbringen müssen: Die Maßnahmen sind weiterhin notwendig, um uns und andere zu schützen“, so der SPD-Politiker am Mittwoch. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen und nächtlichen Ausgangssperren in einigen Teilen Niedersachsens will die Polizei konsequente Kontrollen durchführen.

Besonders an beliebten Ausflugszielen wie dem Steinhuder Meer, dem Harz oder der Lüneburger Heide, aber auch in zahlreichen Parkanlagen werde verstärkt kontrolliert, teilte das Innenministerium mit. Dabei soll zunächst beispielsweise mit Lautsprecherdurchsagen auf die geltenden Regeln erinnert werden, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Am Karfreitag, an dem sich Auto- und Tuning-Fans traditionell zu „Car-Freitags“-Treffen versammeln, werde besonders auf die Straßen geachtet. „Ich bitte Sie dieses Jahr einmal mehr, auf diese Veranstaltung zu verzichten. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern auch wegen der hohen Gefahr, die von illegalen Autorennen für alle Beteiligten ausgeht“, so Pistorius.

Niedersachsen: Kein Impfstau nach Astrazeneca-Beschränkung

Niedersachsen befürchtet keinen Impfstau nach der Empfehlung, das Vakzin von Astrazeneca in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. „Da sehen wir aktuell kein Problem, den Impfstoff verimpft zu bekommen“, sagte die Sprecherin des Sozialministeriums, Stefanie Geisler, am Mittwoch in Hannover. In den Impfzentren müssten allerdings einige Termine umgebucht werden, an einzelnen Stellen könne es etwas ruckeln. Mehrheitlich werden in den Impfzentren aber die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt.

Ab der nächsten Woche beginnen laut Geisler die Impfungen in den Arztpraxen, wo ausschließlich der Impfstoff von Astrazeneca eingesetzt wird. „Wir müssen gucken in den nächsten Tagen, wie die Menschen sich verhalten.“ Diese Woche habe das Land 155.600 Astrazeneca-Dosen erhalten, in der nächsten Woche werden 43.200 Dosen erwartet.

Viele Corona-Verstöße bei Frühlingswetter in Niedersachsen

Das warme Frühlingswetter hat in ganz Niedersachsen viele Menschen ins Freie gezogen – dabei aber auch für viele Verstöße gegen die Corona-Regelungen gesorgt. In Oldenburg hat die Polizei eine Versammlung von rund 200 Menschen an der Hafenpromenade aufgelöst. Die größtenteils Jugendlichen hatten sich meist nicht an die Abstandsregelungen gehalten und keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen, teilte die Polizei mit. Beim Eintreffen der Beamten versuchten mehrere von ihnen zu fliehen. 39 Mal wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Insgesamt wurden 26 Platzverweise ausgesprochen. Der Einsatz dauerte rund eineinhalb Stunden. Der Bereich wird in den kommenden Tagen verstärkt überwacht.

In Braunschweig kontrollierte die Polizei mehrere Personengruppen, die sich in Parks aufhielten. Einige mussten aufgelöst werden. Ein 36-jähriger Mann beleidigte die Polizisten und versuchte sogar sie anzugreifen. Die Beamten konnten den Angriff mit der Hilfe eines Pfeffersprays abwehren. Der mutmaßlich betrunkene Mann wurde zur Polizeiwache gebracht. Auf ihn kommen nun Verfahren wegen des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, des Widerstands gegen Polizeibeamte, versuchter Körperverletzung, Beleidigung und des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz zu.

Wohnungspreise in und um Hamburg steigen trotz Corona weiter

Die Preise für Wohnimmobilien in Hamburg und Umgebung steigen trotz der Corona-Pandemie weiter. „Die von vielen aufgrund der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erwarteten Abschwünge in der Preisentwicklung sind bislang nicht eingetreten“, erklärte der Vorstandschef der LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg, Jens Grelle, am Mittwoch bei der Präsentation des Immobilienmarktatlas 2021. Demnach erhöhten sich die durchschnittlichen Immobilienpreise 2020 in Hamburg und dem Umland im Vergleich zum Vorjahr um sieben bis knapp 14 Prozent.

Den größten Sprung mit 13,8 Prozent machten dabei die Preise für neue Häuser in der Hansestadt. Bestandshäuser seien um 7,2 Prozent teurer geworden. Neubauwohnungen kosteten durchschnittlich 12,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, Bestandswohnungen 13,3 Prozent mehr.

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Corona-Inzidenz in Salzgitter steigt auf über 280

In Salzgitter ist der Corona-Inzidenzwert am Mittwoch auf 280,9 gestiegen. Einen Tag zuvor lag der Wert noch bei 231,1. Die Inzidenz gibt an, wie viele neue Ansteckungen es mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gab.

Die landesweite Inzidenz lag am Mittwoch bei 119. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 100. Das Landesgesundheitsamt verzeichnete 1362 neue Fälle im Vergleich zum Dienstag. Niedersachsenweit haben sich damit fast 197.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Knapp 173.000 der Betroffenen gelten mittlerweile als genesen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg am Mittwoch um 11 auf 4848 in Niedersachsen. Neben Salzgitter liegt der Inzidenzwert in den Landkreisen Cloppenburg, Wesermarsch, Peine, Oldenburg, Leer, Gifhorn, Emsland und der Stadt Osnabrück über der Marke von 150.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Corona-Krise schlägt massiv auf Wohnungslose durch

Die Corona-Krise hat die Probleme von Obdachlosen in Schleswig-Holstein weiter verschärft. „Die anhaltend hohe Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten oder betroffenen Menschen gibt Anlass zur Sorge“, sagte Diakonievorstand und Landespastor Heiko Naß am Mittwoch. Dank großen Einsatzes habe die Wohnungslosenhilfe ihren Betrieb trotz strenger Hygieneauflagen im vergangenen Jahr aufrechterhalten.

Nach Angaben der Diakonie nutzten im vergangenen Jahr 7343 Menschen Angebote der Wohnungshilfe. Das waren etwas weniger als 2019. „Wir haben eigentlich befürchtet, dass die Zahlen noch in die Höhe gehen“, sagte Naß. Das sei durch gemeinsame Lösungen von Land und Kommunen verhindert worden.

Hamburg: Bügermeister Tschentscher negativ auf Corona getestet

Die Corona-Tests von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) sind negativ. Das teilte Senatssprecher Marcel Schweitzer dem Abendblatt auf Nachfrage mit. Damit kann der Bürgermeister um 14 Uhr persönlich im Rathaus die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der dritten Welle – unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre – vorstellen.

Wie berichtet, hatten Tschentscher, Gallina sowie Staatsrätin Almut Möller, Hamburgs Bevollmächtigte beim Bund, im Nachgang einer Bundesratssitzung einen Warnhinweis über die Corona-Warn-App erhalten und sich daraufhin in „häusliche Isolation“ begeben. Das Testergebnis der Staatsrätin liegt noch nicht vor.

Ausgangsbeschränkung ab Karfreitag in Hamburg

Erstmals im Laufe der Corona-Pandemie wird es auch in Hamburg zu nächtlichen Ausgangssperren kommen. Nach Abendblatt-Informationen wird der Senat das heute um 14 Uhr bekannt geben. Demnach gilt von Karfreitag an, dass die Bürger zwischen 21 und 5 Uhr ihre Wohnung nur noch mit einem triftigen Grund verlassen dürfen – dazu zählen etwa Berufstätigkeit oder die Pflege von Angehörigen. Ausnahmen gelten zudem für Einzelpersonen, um abendliche Spaziergänge oder Joggingrunden nicht zu verhindern.

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590 neue Corona-Fälle in Hamburg – Inzidenz steigt deutlich

Die Hamburger Sozialbehörde hat am Mittwoch 590 neue Corona-Infektionen gemeldet. Vor einer Woche waren es mit 400 noch deutlich weniger Fälle. Somit steigt der Inzidenzwert deutlich an und liegt nun bei 163,7 (Vortag: 153,7) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Einen höheren Tageswert an Corona-Neuinfektionen hatte es zuletzt mit 697 Fällen am 5. Januar gegeben – begründet durch die Nachmeldungen aufgrund der Weihnachtsfeiertage und Silvester.

Die Inzidenz war bisher nur kurz vor Weihnachten höher – nun droht zu Ostern ein neuer Negativrekord bei den Infektionszahlen.

Seit Beginn der Pandemie wurden in der Hansestadt 61.268 Corona-Infektionen registriert. Von ihnen gelten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 53.200 als genesen. Die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern ist leicht gestiegen und liegt nun bei 288 (Stand: 30. März). 94 Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie intensivmedizinisch behandelt werden müssen (Stand: 30. März), 79 von ihnen kommen aus Hamburg. Nach Angaben des RKI steigt die Zahl der Todesfälle um 6 und liegt somit bei 1878 (Stand: 30. März).

Trotz Corona: Arbeitslosigkeit in Hamburg leicht rückläufig

Die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg ist im März trotz des Lockdowns und drohender neuer Corona-Beschränkungen leicht gesunken. Im Vergleich zum Februar sei sie um 845 oder ein Prozent auf insgesamt 86 117 Arbeitslose gefallen, teilte der Chef der Hamburger Agentur für Arbeit, Sönke Fock, am Mittwoch mit. Wegen der üblichen Frühjahrsbelebung sei das einerseits nicht ungewöhnlich, - andererseits aber wegen der Corona-Pandemie und ihren Folgen doch bemerkenswert.

Ernüchternd sei dagegen der deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19 584 oder 29,4 Prozent, sagte Fock. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Februar um 0,1 Punkte auf 8,0 Prozent, ist aber 1,8 Punkte höher als zu Beginn der Corona-Pandemie im März vor einem Jahr. Bundesweit betrug die Arbeitslosenquote 6,2 Prozent.

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Corona-Krise macht 2020 zu Ausnahmejahr für die Investitionsbank

Die Investitionsbank Schleswig-Holstein hat Menschen, Unternehmen und Kommunen im Land im vergangenen Jahr mit 3,8 Milliarden Euro an Fördermitteln unterstützt. Das waren rund 1,5 Milliarden mehr als im Jahr zuvor, wie die Bank am Mittwoch auf ihrer Online-Bilanzpressekonferenz mitteilte. Allein gut eine Milliarde Euro entfiel auf die Auszahlung von Corona-Hilfen.

Für die Programme von Bund und Land für Corona-Soforthilfen waren
75.000 Anträge zu bearbeiten, wie Vorstandschef Erk Westermann-Lammers sagte. Im Zusammenhang mit diesen Anträgen seien 73 Strafanzeigen wegen Betrugsverdachts gestellt worden. Auch ohne die Corona-Hilfen kletterte das Fördervolumen auf den Rekordwert von 2,8 Milliarden Euro. Westermann-Lammers sprach von einem Ausnahmejahr.

AHA-Regeln wegen Corona-Pandemie stoppen Grippewelle

"Die Grippewelle fällt in diesem Winter und Frühjahr voraussichtlich komplett aus", teilte die Landesvertretung der Barmer Krankenkasse am Mittwoch mit. Das habe eine Auswertung der krankgeschriebenen Versicherten in Erwerbstätigkeit zwischen 15 und 64 Jahren ergeben. Statt wie in den vergangenen Jahren auf rund 22.000 Grippe-Krankschreibungen nach dem Jahreswechsel anzusteigen, pendelte sich die Zahl der Fälle in 2021 kontinuierlich zwischen 400 und 500 Barmer-Versicherten ein.

"Die Abstand- und Hygieneregeln zum Schutz vor Corona senken ganz offensichtlich auch das Influenzarisiko", sagt Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer der Barmer Hamburg.

CDU gegen Ausgangssperre – Polizei erwartet Konflikte

Bei der Opposition stoßen die Überlegungen des Senats auf Kritik. „Eine mögliche Ausgangssperre ist ein massiver Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger. Sie kann immer nur das allerletzte Mittel sein“, sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering dem Abendblatt. „Gerade in der jetzigen Phase der Pandemie wäre sie auch psychologisch schwer zu vermitteln und würde die Corona-Müdigkeit in Teilen der Bevölkerung weiter verschärfen. Es ist auch die Verantwortung des rot-grünen Senats, das zu verhindern.“

Gleichwohl sieht auch Thering die Notwendigkeit zum Handeln und appelliert an die Bürger, eine „konsequente Osterruhe“ einzuhalten. Bevor Schulen und Kitas geschlossen werden, solle Rot-Grün lieber für ein engmaschiges Testregime sorgen, mit täglichen Tests für Schüler.

Die AHAL-Regeln gegen Corona: So verringern sie das Ansteckungsrisiko

  • Abstand halten: Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Hygiene: Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund, waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Im Alltag Maske tragen: Auch wo die (erweiterte) Maskenpflicht nicht gilt, ist es empfehlenswert, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. FFP2-Masken oder OP-Masken bieten Schutz vor Ansteckung
  • Lüften: Wenn Sie sich mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, lüften Sie regelmäßig, um das Risiko einer erhöhten Viruskonzentration in der Raumluft zu verringen
  • Außerdem: Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Hamburger Linkspartei ebenfalls gegen Ausgangssperre

Auch die Linkspartei lehnt Ausgangssperren ab. „Wie kann es sein, dass dem Senat schon wieder nur das Privatleben der Hamburger/-innen in den Sinn kommt, wenn es um Einschränkungen geht?“, fragte Fraktionschefin Sabine Boed­dinghaus und betonte: „Wir sind gegen jede Ausgangssperre.“ Landessprecher Keyvan Taheri ergänzte: „Wir fordern eine Verpflichtung der Arbeitgeber, tägliche Testungen aller Mitarbeiter/-innen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus muss jede Tätigkeit, die zu Hause verrichtet werden kann, zwingend auch ins Homeoffice verlagert werden.“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor zu hohen Erwartungen: „Ausgangssperren können ein sinnvolles Mittel zur Kontaktvermeidung sein. Die Durchsetzung ist aber sehr personalintensiv“, sagte Hamburgs GdP-Chef Horst Niens. Konflikte mit Bürgern seien programmiert: „Wir werden diese Sperren durchsetzen, aber das wird möglicherweise auch nicht immer friedvoll ablaufen, vielleicht kommt es auch zu zahlreichen Ingewahrsamnahmen.“ Die GdP erwarte daher „die volle Rückendeckung“ der Politik.

Osterruhe gekippt - Tschentscher räumt Fehler ein
Osterruhe gekippt - Tschentscher räumt Fehler ein

Nordseeküste: Campingplätze öffnen für Dauercamper

Trotz steigender Infektionszahlen in der Corona-Pandemie haben Campingplätze an der Nordseeküste ihre Tore für die ersten Dauercamper geöffnet. Auf den Plätzen in der Gemeinde Wangerland in Friesland, in Hooksiel und in Schillig, seien in den vergangenen Tagen jeweils 400 bis 500 Parzellen bereits von Dauercampern bezogen worden, sagte Ingo Kruse von der Wangerland Touristik-Gesellschaft. Das entspreche gut der Hälfte der Stellplätze - die übrigen sollen bis Ostern komplett belegt sein.

Um einen sicheren Aufenthalt zu gewährleisten, müssen Camper in der Gemeinde Wangerland bereits bei der Anreise einen negativen Corona-Test vorweisen und zur Kontaktnachverfolgung die Luca-App nutzen. Zudem gelte ein striktes Hygienekonzept, dessen Einhaltung auf den Campingplätzen auch kontrolliert werde, betonte Kruse. Touristische Übernachtungen sind laut niedersächsischer Corona-Verordnung auch zu Ostern weiterhin verboten. Dauercamper dürfen auf Plätzen in ihren Campingwagen allerdings übernachten.

Sylts Bürgermeister appelliert: Zuhause bleiben

Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, hat kurz vor Ostern an die Menschen appelliert, zu Hause zu bleiben. Allerdings rechne er trotz des touristischen Beherbergungsverbots mit vermehrten Anreisen an den Ostertagen.

Sein Wunsch: Wer in seine Zweitwohnung reise, solle sich regelmäßig testen lassen. „Auch Tagesgäste mögen sich bitte testen – eine Teststation haben wir unmittelbar am Bahnhof Westerland eingerichtet“, sagte Häckel. Er kündigte zudem an, das bestehende Beherbergungsverbot weiter zu kontrollieren. Eigentümer von Ferienhäusern oder -wohnungen können diese aber selbst nutzen oder dort unentgeltlich Familie oder Freunde wohnen lassen.

Hilfswerk Plan International: Corona „hat uns um Jahre zurückgeworfen“

Die Corona-Pandemie macht mit ihren Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder dem Hamburger Kinderhilfswerk Plan International Deutschland auch in puncto Gleichberechtigung zu schaffen. „Das Virus hat uns um Jahre zurückgeworfen“, sagte Kathrin Hartkopf, die am Donnerstag ihr neues Amt als Sprecherin der Geschäftsführung des weltweit tätigen Vereins antritt.

Die ohnehin vorhandene Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen verstärke sich in Krisenzeiten. „Deshalb müssen wir unsere Programmarbeit vor Ort weiter stetig anpassen.“ Plan International arbeitet nach eigenen Angaben weltweit in mehr als 70 Ländern.

Senat berät über schärferen Lockdown und Ausgangsbeschränkungen

Angesichts der hohen Zahl von Corona-Neuinfektionen in Hamburg berät der Senat am Mittwoch über eine Verschärfung des Lockdowns über Ostern. Dabei werde auch über Ausgangsbeschränkungen diskutiert werden, kündigte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) an. Im Anschluss an die Beratungen will Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Ergebnisse auf einer Landespressekonferenz um 14 Uhr vorstellen.

Tschentscher hat sich wegen eines Hinweises seiner Corona-Warn-App in Quarantäne begeben. Die Warnung stehe offenbar im Zusammenhang mit der Bundesratssitzung am vergangenen Freitag, sagte sein Sprecher. Der Bürgermeister plane am Mittwoch nach einem PCR-Test an der Pressekonferenz teilzunehmen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, stieg nach Angaben der Gesundheitsbehörde vom Dienstag innerhalb eines Tages von 152,1 auf 153,7. Am Dienstag vor einer Woche hatte der Wert 119,8 betragen.

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Erklärvideo: Selbsttests für Hamburgs Schüler

Pistorius kündigt rigorose Kontrollen zu Ostern an

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hat mit Blick auf die Feiertage zusätzliche Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Regeln angekündigt. „Die Polizei wird auch während der Ostertage präsent sein und konsequent gegen Verstöße vorgehen“, sagte der SPD-Politiker der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. „Auch wenn es bereits das zweite Osterfest ist, das wir im Lockdown verbringen, notwendig sind diese Maßnahmen nach wie vor, um uns und andere zu schützen.“

Die Polizei bereite sich auf Schwerpunkteinsätze zur Überwachung und Durchsetzung der Corona-Verordnung vor – „mit allen zur Verfügung stehenden Kräften“, erklärte das Innenministerium gegenüber der Zeitung. So werde die Polizei vor allem an Hotspots präsent sein und etwa per Lautsprecherdurchsagen auf die Einhaltung geltender Regeln hinweisen.

Corona: Diese Testverfahren gibt es

  • PCR-Test: Weist das Virus direkt nach, muss im Labor bearbeitet werden – hat die höchste Genauigkeit aller Testmethoden, ist aber auch die aufwendigste
  • PCR-Schnelltest: Vereinfachtes Verfahren, das ohne Labor auskommt – gilt als weniger zuverlässig als das Laborverfahren
  • Antigen-Test: weniger genau als PCR-(Schnell)Tests, dafür zumeist schneller und günstiger. Laut RKI muss ein positives Testergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn die Viruskonzentration noch gering ist.
  • Antigen-Selbsttest: Die einfachste Test-Variante zum Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus. Wird nicht von geschultem Personal, sondern vom Getesteten selbst angewandt. Gilt als vergleichsweise ungenau.
  • Antikörper-Test: Weist keine akute, sondern eine überstandene Infektion nach – kann erst mehrere Wochen nach einer Erkrankung sinnvoll angewandt werden
  • Insgesamt stellt ein negatives Testergebnis immer eine Momentaufnahme dar und trifft keine Aussagen über die Zukunft

Zwei Hamburger Bezirke mit Inzidenz über 200

In Hamburg verteilt sich das Infektionsgeschehen nach wie vor sehr ungleichmäßig über die Stadt. Während die Inzidenz im Bezirk Eimsbüttel mit 95,9 noch knapp unter 100 liegt, hat sie in Hamburg-Mitte (236,1) und Harburg (208,3) schon die 200er-Grenze überschritten. Dazwischen liegen die Bezirke Altona (116,4), Hamburg-Nord (128,3), Wandsbek (142,6) und Bergedorf (164,6).

Auch die Langzeitbetrachtung bestätigt diese Daten: Seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr haben sich im Bezirk Mitte 4399 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Corona­virus infiziert, in Eimsbüttel dagegen nur 2468. Harburg liegt auch hier mit 3731 Fällen auf Platz zwei, gefolgt von Wandsbek (3173), Bergedorf (3113), Altona (2896) und Hamburg-Nord (2592). Viele Experten hatten diese Daten jüngst mit dem Zusammenhang von Gesundheit und sozialen Faktoren begründet.

Lesen Sie hier den Corona-Newsblog für Hamburg und den Norden vom Vortag

( lag/dey/josi/dpa )

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