Hamburg. Der Künstler Andreas Karmers beschäftigt sich seit Jahren mit dem Großprojekt. Inzwischen sind 90 bis 95 Prozent vollendet.

Hamburg und seine Gängeviertel – das ist die Geschichte einer Hassliebe: Auf alten Postkarten kommen die engen Wohnquartiere mit ihren verwinkelten Hinterhöfen aus dem 19. Jahrhundert wildromantisch daher, stehen sie doch für eine Zeit, die längst vergangen ist. Viele Zeitgenossen hingegen entwickelten für die engen, übervölkerten und schmutzigen Slums nur Verachtung: Hier wütete 1892 die Cholera, sodass der Mediziner Robert Koch an den Kaiser schrieb: „Eure Hoheit, ich vergesse, dass ich in Europa bin. Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen wie hier.“ Auch politisch stand das Gängeviertel unter Generalverdacht – die Nazis schleiften nach der Machtübernahme das „Klein-Moskau“.