Verkehr

Weniger Radfahrer, aber trotzdem mehr Unfälle in Hamburg

Bei diesem Unfall im Herbst 2018 wurde eine junge Radfahrerin laut Zeugen von dem Auto rund 20 Meter mitgeschleift.

Bei diesem Unfall im Herbst 2018 wurde eine junge Radfahrerin laut Zeugen von dem Auto rund 20 Meter mitgeschleift.

Foto: Michael Arning

Neue Statistik. Polizei warnt vor Handynutzung im Verkehr. Schon 45-mal mussten betrunkene E-Scooter-Fahrer Führerschein abgeben.

Hamburg. Obwohl die Zahl der Fahrradfahrer nach den bisher ausgewerteten Zählungen in diesem Jahr gegenüber 2018 zurückgegangen ist, hat es mehr Unfälle mit Radfahrern gegeben. Der Anstieg geht aus der Unfallstatistik der Hamburger Polizei für die ersten drei Quartale 2019 hervor, die dem Abendblatt vorliegt. Danach wurden von Jahresbeginn bis 30. September 2019 insgesamt 2802 Unfälle registriert, an denen Radfahrer beteiligt waren. Das entspricht einem Anstieg von sechs Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2018, als lediglich 2643 Radlerunfälle gezählt wurden.

Verletzt wurden bei Unfällen in den ersten neun Monaten dieses Jahres 2008 Radler in Hamburg, im Vergleichszeitraum 2018 waren es 1982. Die Zahl der davon schwer verletzten Radfahrer sank leicht von 172 auf 167, was die Polizei auch auf die zunehmende Nutzung von Helmen zurückführt.

Dass es insgesamt mehr Radfahrunfälle und dabei Verletzte gibt, obwohl die Zahl der bei den bisherigen Pegelmessungen 2019 registrierten Radler gegenüber 2018 um 6,6 Prozent zurückging, ist kein gutes Signal. Die Polizei begründet dies damit, dass das Fahrrad sich als festes Verkehrsmittel auch in den Wintermonaten etabliert habe. Die auch in anderen Bereichen beobachtete Zunahme von Unfällen auf nasser und rutschiger Fahrbahn zeige sich auch hier.

Acht Fahrradgroßkontrollen in Hamburg

„Anhand der bisherigen Auswertungen konnten wir feststellen, dass sich Verkehrsunfälle mit Fahrradbeteiligung häufig zu den Hauptverkehrszeiten mit größerer Verkehrsdichte ereignen“, so Polizeisprecher Timo Zill. Zur Verbesserung der Sicherheit habe die Fahrradstaffel in den ersten drei Quartalen bereits acht Fahrradgroßkontrollen durchgeführt.

Auch die Einführung der Abbiegeassistenten in Lkws solle zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radfahrer führen. Oftmals trügen aber die Radfahrer auch selbst Verantwortung für Unfälle. „Bei den Verkehrsunfällen mit Fahrradbeteiligung ist auffällig, dass diese häufig aufgrund der Missachtung der Vorschriften geschehen“, so die Polizei. „Genannt sei hier die Missachtung des Rechtsfahrgebots oder die unerlaubte Benutzung des Gehwegs.“

Insgesamt ist die Zahl aller Verkehrsunfälle in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um 1,5 Prozent angestiegen. Bei den Unfällen mit Personenschäden gab es dagegen einen Rückgang um 3,3 Prozent. Die Zahl der dabei verletzten, also laut Statistik „verunglückten“ Menschen ging dabei um 3,2 Prozent zurück. Damit sank die Zahl der Verunglückten laut Polizei auf den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Bis Ende September kamen im laufenden Jahr 20 Menschen bei Verkehrsunfällen in Hamburg ums Leben, im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum noch 24 gewesen.

Mehr Unfälle mit Kindern

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Kindern ist um fast neun Prozent gestiegen: von 451 in den ersten drei Quartalen 2018 auf jetzt 491. Zugleich aber ist die Zahl der dabei verletzten Kinder jedoch um 9,3 Prozent gesunken – nämlich von 571 auf 518. Die Zahl der schwer verletzten Kinder ging sogar um 19,7 Prozent zurück.

„In diesem Zusammenhang haben wir festgestellt, dass 93 Kinder als Fußgänger die Ursache durch unachtsames Betreten der Fahrbahn gesetzt haben – an Stellen, an denen kein Fußgängerverkehr vorgesehen ist“, so Polizeisprecher Zill. „Hier appellieren wir an die Vorbildfunktion von Erwachsenen beim Überqueren der Fahrbahn.“

Zwei Drittel der Schüler nutzten das Fahrrad für den Schulweg. „Dabei ist es im Hinblick auf die dunkle Jahreszeit unabdingbar, dass die Fahrräder in einem einwandfreien Zustand sind.“ Vom 25. November an würden die Verkehrsdirektionen auch in diesem Jahr mit massiven Kontrollen die Verkehrssicherheit von Rädern, aber auch das Freihalten von Geh- und Radwegen kontrollieren.

Die Zahl der Unfälle mit Fußgängern ist in den ersten drei Quartalen ebenfalls angestiegen – um 4,1 Prozent. Es wurden auch etwas mehr Fußgänger verletzt.

Zahl der Verletzten und Getöteten auf Fünfjahrestief

Die Zahl der tödlich verletzten Fußgänger ging im Vergleichszeitraum von zwölf auf neun zurück. Bei 481 der 1032 regis­trierten Unfälle trugen die Fußgänger die Hauptverantwortung. „Ursächlich bei Verkehrsunfällen mit Fußgängern ist häufig das unachtsame Betreten der Fahrbahn, oftmals bei schlechten Lichtverhältnissen und dunkel gekleidet“, so die Polizei. „Unterschätzt wird häufig zudem die Gefahr, durch Smartphones oder Musik aus dem Kopfhörer vom Straßenverkehr abgelenkt zu werden.“

Die Zahl der Unfälle mit Senioren stieg moderat um 0,4 Prozent, allerdings sank die der Unfälle mit Personenschäden hier um 5,9 Prozent und die der dabei verletzten Senioren um 5,3 Prozent.

Positiv ist die Entwicklung bei Motorradunfällen, deren Zahl um 2,8 Prozent abnahm, und bei Unfällen unter Alkohol- oder anderem Drogeneinfluss. Die Polizei registrierte 17 Prozent weniger Unfälle mit Personenschäden, die auf Alkohol zurückzuführen waren. 13 Prozent weniger Unfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum wurden erfasst.

Sorgen machen die E-Scooter

Sorgen machen der Polizei nach wie vor die seit Juni zugelassenen E-Scooter. Zwar gebe es noch keine vollständige Statistik, bei den bisher erfassten Unfällen zeige sich aber, dass in mehr als der Hälfte der Fälle die Nutzer der Geräte die Hauptschuld trügen. Häufig würden unerlaubt weitere Personen auf dem Roller mitgenommen oder Gehwege zum Fahren genutzt. Insgesamt 45-mal zog die Polizei bereits Führerscheine ein, weil E-Scooter betrunken gefahren wurden.

Die Hauptkonflikte gebe es zwischen E-Scootern und Fußgängern bzw. Radfahrern. Am häufigsten würden die derzeit rund 3000 E-Scooter in Hamburg von Touristen ausgeliehen. Als Hauptursachen für Verkehrsunfälle im Allgemeinen identifizierte die Polizei auch in den ersten drei Quartalen 2019 das Fahren mit zu hoher Geschwindigkeit oder zu geringem Abstand, Fehler beim Abbiegen und das Missachten der Vorfahrt.

Das Zwischenfazit der Polizei nach den ersten drei Quartalen fällt eher positiv aus. „Die Zahl der Verkehrsunfälle mit verunglückten Personen erreicht den niedrigsten Wert der vergangenen fünf Jahre. Auch die Anzahl Schwerverletzter fällt auf einen Tiefstand“, so Polizeisprecher Timo Zill. „Beunruhigend bleiben die individuellen Fehler der Verkehrsteilnehmer. Zu schnelles Fahren, unachtsames Über-die-Fahrbahn-Laufen und aktuell in der dunklen Jahreszeit die nicht reflektierende Kleidung: Dieses Verhalten sorgt für eine Vielzahl von vermeidbaren Unfällen und dem damit vielfach verbundenem Leid.“

Die Polizei werde „weiter konsequent auf einen Mix von Sanktionen und Prävention setzen“, so Zill. „Alle sind aufgefordert, gerade im Sinne der schwächsten Verkehrsteilnehmer, nämlich unserer Kinder, sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst zu sein.“