Sicherheit

„Kinderfinder“ können bei Bränden Kinder retten

Der „Kinderfinder“ soll den Hamburger Feuerwehrleuten helfen, im Brandfall das Leben von Kindern zu retten (Symbolbild).

Der „Kinderfinder“ soll den Hamburger Feuerwehrleuten helfen, im Brandfall das Leben von Kindern zu retten (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa

Ein neuer Aufkleber soll den Hamburger Feuerwehrleuten dabei helfen, im Brandfall das Leben von Mädchen und Jungen zu retten.

Hamburg. Brennt es in der Wohnung, reagieren Kinder darauf häufig in­stinktiv mit Angst und Panik. Sie verstecken sich unterm Bett, hinter einer Gardine oder im Schrank – im Irrglauben, sich auf diese Weise vor dem Feuer schützen zu können. Tatsächlich bringen sie sich so in Lebensgefahr. Denn für die Feuerwehrleute, die in eine verqualmte Wohnung vorstoßen, ist es schwer zu erkennen, in welchem Zimmer sich überhaupt noch Kinder aufhalten könnten.

Ein neuer Aufkleber, der „Kinderfinder“, soll den Hamburger Feuerwehrleute jetzt dabei helfen, im Brandfall das Leben der Mädchen und Jungen zu retten. Der Sticker ist gelb und dreieckig wie ein Warnschild. Gestern haben Innensenator Andy Grote (SPD) und Oberbranddirektor Christian Schwarz 40.000 Kinderfinder für die Feuerwehr in Empfang genommen. Die Kampagne wird von der Hamburger Feuerkasse unterstützt. Der Kinderfinder sollte im unteren Drittel der Kinderzimmertür platziert werden, weil Rauch immer nach oben steigt. Für die auf dem Boden kriechenden Feuerwehrleute ist der reflektierende, auch im Dunkel leuchtende Aufkleber somit besser zu erkennen.

Jedes Jahr rund 350 Tote

Jedes Jahr sterben in Deutschland bei Wohnungsbränden rund 350 Menschen, die Zahl geht aber seit Jahren zurück, was unter anderem auf den gesetzlich verpflichtenden Einbau von Rauchwarnmeldern zurückgeht. Wie viele Kinder ums Leben kommen, wird statistisch nicht erfasst.

Pro Jahr verbrennen oder verbrühen sich bundesweit rund 30.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, 6000 von ihnen müssen stationär behandelt werden, teilte Verena Laumer, Geschäftsführerin der Initiative für brandverletzte Kinder, Paulinchen e. V., auf Abendblatt-Anfrage mit. 70 Prozent der Verletzten seien jünger als fünf Jahre. Gerade Kleinkinder liefen Gefahr, sich durch achtlos abgestellte Tassen mit Heißgetränken zu verbrühen. „Weil die Kinderhaut viel dünner ist als die von Erwachsenen, bleiben häufig Narben zurück“, sagte Laumer.

Mit Kindern über das Zündeln mit Feuer sprechen

Den Kinderfinder halte sie für eine „tolle Idee“. Auch der Deutsche Feuerwehrverband empfiehlt das Anbringen des Kinderfinders. Zwar suchten viele Feuerwehren bei einem Brand die Räume ohnehin mit Wärmebildkameras nach Personen ab. Der Aufkleber sei trotzdem nützlich, weil er den Feuerwehrleuten Hinweise darauf liefere, wo sich noch Kinder aufhalten oder verstecken könnten. Bei „Nullsicht“ werde aber auch der Sticker kaum entdeckt, sagt Verbandssprecherin Silvia Darmstädter.

Vielmehr könne der Kinderfinder für die Eltern ein Anlass sein, mit den Kindern über das Zündeln mit Feuer zu sprechen. „Haben sie das Feuer selbst gelegt, verstecken sich Kinder mitunter auch, weil sie einer Bestrafung entgehen wollen“, sagt Darmstädter. „Die Eltern müssen ihren Kindern aber begreiflich machen, dass sie sich im Brandfall niemals verstecken dürfen.“

Auch sei es wichtig, ihnen zu zeigen, wie sie im Brandfall schnellstmöglich und sicher aus der Wohnung gelangen. Der Sticker könne dabei helfen, die Fluchtwege zu verinnerlichen, indem er sie im Vorbeigehen immer wieder daran erinnert.

Die Kinderfinder-Aufkleber können gratis z. B. an der Feuerwehr-Hauptwache Berliner Tor, Westphalensweg 1, abgeholt werden.