Hamburger Feuerwehr

14 Brandtote im Jahr 2018, Zahl der Fehlalarme gestiegen

Anfang 2018 erlebten die Beamten der Hamburger Feuerwehr eine Häufung von Feuern: Fünf Mal in nur einer Woche mussten die Beamten zu Großfeueren ausrücken, unter anderem zum Freibad am Wiesenredder.

Anfang 2018 erlebten die Beamten der Hamburger Feuerwehr eine Häufung von Feuern: Fünf Mal in nur einer Woche mussten die Beamten zu Großfeueren ausrücken, unter anderem zum Freibad am Wiesenredder.

Foto: © Michael Arning

Mehr als 12.000 Mal rückte die Hamburger Feuerwehr im vergangenen Jahr zu Bränden aus – doch häufig mussten sie nichts löschen.

Hamburg. In einem Mehrfamilienhaus in Jenfeld bricht ein Feuer aus, das Treppenhaus ist völlig verraucht, Bewohner stehen an Fenstern und auf Balkonen und schreien um Hilfe. Bei dem verheerenden Brand Anfang Mai 2018 wurden 13 Bewohner verletzt – ein Mann und eine Frau wurden vor Ort wiederbelebt. Doch der 52 Jahre alte Mann erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Auch seine 65-jährige Nachbarin hatte eine schwere Rauchgasvergiftung – sie wurde kurze Zeit danach für hirntot erklärt.

Die beiden Bewohner aus Jenfeld waren nicht die einzigen Feueropfer. Insgesamt wurden in Hamburg im vergangenen Jahr 14 Brandtote verzeichnet. Das geht aus der Jahresbilanz der Hamburger Feuerwehr hervor, die Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), Feuerwehrchef Christian Schwarz und der Leiter der Freiwilligen Feuerwehren, André Wronski, am Mittwoch vorstellten.

Großbrände auf historischen Tiefstand

Bereits 2017 hatte der Anstieg der Brandtoten in Hamburg Besorgnis ausgelöst. Für das Jahr 2017 hatte die Feuerwehr zwölf Todesfälle gezählt, zwei mehr als im Vorjahr. 2018 ist diese Zahl nun erneut gestiegen. Drei weitere Brandtote zählte die Feuerwehr in ihrer Statistik nicht mit, weil die Feuer in verbrecherischer oder suizidaler Absicht gelegt wurden. 344 Menschen wurden bei Bränden verletzt und von der Feuerwehr in Krankenhäuser gebracht. Im Jahr davor waren 334 Verletzte gezählt worden.

Feuerdrama in Jenfeld:

Die Zahl der Großbrände erreichte 2018 einen historischen Tiefstand. Im vergangenen Jahr gab es zwölf Großbrände – zehn weniger als im Jahr 2017. "Die Zahl der Großbrände liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit der 147-jährigen Geschichte der Berufsfeuerwehr Hamburg", heißt es in der aktuellen Mitteilung.

Die Einsätze im Überblick:

  • 12.257 Brandalarme (+1079)
  • 22.318 Technische Hilfeleistungen (-1217)
  • 253.168 Rettungsdiensteinsätze (-633)

Die zweitgrößte Berufsfeuerwehr Deutschlands musste im vergangenen Jahr 12.257 Brandalarme bewältigen. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (11.178 Alarme) einen Anstieg um 9,7 Prozent. Allerdings waren mehr als die Hälfte der Meldungen – genau 6327 – Fehlalarme. Die Zahl der Falschalarmierungen erhöhte sich damit um knapp elf Prozent im Vergleich zu 2017 (5703).

Insgesamt rückte die Feuerwehr vergangenes Jahr zu 287.743 Einsätzen aus – 2017 waren es 288.514 Einsätze. Damit blieb das Einsatzaufkommen auf nahezu unverändert hohem Niveau. Innerhalb eines Tages bewältigte die Feuerwehr Hamburg somit im Durchschnitt 788 Einsätze. Am Wochenende waren es innerhalb von 24 Stunden häufig sogar mehr als 1000 Einsätze.

107 Feuerwehrleute wurden im Einsatz verletzt

"Es ist keine Trendwende erreicht", sagte Feuerwehrchef Schwarz zum Einsatzaufkommen. Langfristig werde die Zahl der Einsätze weiter steigen, weil Hamburg nach wie vor wachse.

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende bleibt die Kampfmittelräumung eine wichtige Aufgabe der Hamburger Feuerwehr. Der Kampfmittelräumdienst beseitigte im vergangenen Jahr 3,7 Tonnen Munitionsreste, darunter acht große Sprengbomben mit einem Gewicht von über 100 Pfund. Zu den Entschärfungen großer Sprengbomben zählten Einsätze in Wandsbek, im Schanzenviertel und in Wilhelmsburg. Im Vorjahr war die Menge mit 10,3 Tonnen erheblich größer gewesen.

Zudem wurden 107 Feuerwehrleute im Jahr 2018 im Einsatz verletzt, zehn mehr als im Vorjahr. Nicht jeder zeigte Verständnis für die Arbeit der Retter: Die Feuerwehr schrieb 97 Anzeigen wegen Angriffen und Beleidigungen. Im Vorjahr war 66 Mal Anzeige erstattet worden. Der Leitende Branddirektor Schwarz führte den Anstieg auf die bessere Dokumentation solcher Übergriffe zurück.

Grote: "Setzen Modernisierungsvorhaben entschlossen fort"

"Bei konstant hohen Einsatzzahlen hat die Hamburger Feuerwehr im vergangenen Jahr einmal mehr ihre enorme Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt", sagte Innensenator Andy Grote. Die Feuerwehr stehe dafür, dass sich alle Hamburger darauf verlassen könnten, dass ihnen in Notsituationen geholfen werde. Grote: "Damit wir in einer dynamischen Großstadt die Leistungsfähigkeit unserer Feuerwehr weiter stärken, setzen wir die wichtigsten Modernisierungsvorhaben im Bereich Personalverstärkung, Digitalisierung und Infrastruktur entschlossen fort."

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten bei der Berufsfeuerwehr Hamburg um rund 130. Bis 2021 sollen allein im Einsatzdienst 228 Kräfte im Vergleich zu 2016 hinzukommen, hieß es bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Mittwoch.

Feuerwehr zählt zu den großen Ausbildungsbetrieben Hamburgs

Zudem wurde 2018 mit der Einführung der dualen Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann erstmals eine direkte Einstiegsmöglichkeit für Schulabgänger in den Feuerwehrberuf geschaffen. „Mit dieser wichtigen Weichenstellung zur Nachwuchsgewinnung stellt sich die Feuerwehr kraftvoll und konsequent für die Zukunft auf“, betonte Innensenator Grote.

Mit aktuell 390 Auszubildenden zählt die Feuerwehr zu den großen Ausbildungsbetrieben in Hamburg. Nach Angaben der Feuerwehr wird sich die Zahl der Auszubildenden bis Ende 2019 auf deutlich über 400 erhöhen. Die Berufsfeuerwehr zählt aktuell 3168 Beschäftigte, darunter 2867 im Feuerwehrtechnischen Dienst. "Die Mitgliederzahlen der 86 Freiwilligen Feuerwehren blieben mit 2614 Einsatzkräften auf erfreulich hohem Niveau", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung von Innenbehörde und Feuerwehr.

"Ich freue mich nicht nur über den Zuwachs bei der Berufsfeuerwehr, sondern insbesondere über den verlässlichen Personalbestand bei den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr", sagte Feuerwehrchef Christian Schwarz. Die ehrenamtlichen Retter seien im täglichen Einsatzgeschehen unentbehrlich. "Ihr soziales Engagement zum Beispiel in der Kinder- und Jugendarbeit kann man gar nicht hoch genug anrechnen", so Schwarz.

CDU: Hamburgs Feuerwehr muss mit der Stadt wachsen

Auch Dennis Gladiator, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, dankte der Feuerwehr für ihren "hervorragenden Einsatz". "Damit sie aber auch in einer wachsenden Stadt weiterhin die Sicherheit aller Hamburger gewährleisten können, müssen wir sie weiter stärken", sagte Gladiator.

Der CDU-Politiker wies darauf hin, dass Rettungskräfte in manchen Stadtteilen fast immer binnen der vorgegeben Fristen an Einsatzorten einträfen, Menschen insbesondere in den äußeren Stadtteilen jedoch länger warten müssten. "Dies ist gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der zu mehr Einsätzen führt, absolut inakzeptabel", so Gladiator. "Der Innensenator muss endlich dafür sorgen, dass die Ziele und Maßnahmen des Strategiepapiers aus dem Jahre 2010 umgesetzt werden und dafür mehr Wachen einrichten und Feuerwehrbeamte ausbilden."

FDP: Hoffen, dass Neubauten bei der Feuerwehr ausfinanziert sind

Kritische Töne schlug der FDP-Innenexperte Carl Jarchow an. „Bei der Feuerwehr läuft eine Pensionierungswelle – und viele Mitarbeiter sind dauerhaft dienstunfähig", so der Bürgerschaftsabgeordnete. "Ob die nun vom Senat verkündete Personalaufstockung tatsächlich den versprochenen Aufwuchs bringen wird, muss sich erst noch zeigen."

Die FDP fordert, dass der Senat angesichts der derzeitigen Nicht-Erfüllung bei den vorgesehenen Eintreffzeiten der Rettungskräfte nachbessern müsse. "Seit vielen Jahren haben alle Versprechungen und Maßnahmen hier zu keiner Umkehr geführt", sagte Jarchow. "Wir hoffen, dass die jetzt erfolgenden Neubauten bei der Feuerwehr ausfinanziert sind und es nach Fertigstellung angesichts der Konjunkturprognosen des rot-grünen Haushaltens nicht wieder einen Einstellungsstopp in den öffentlichen Dienst gibt."