Retter

Eine ganze Hamburger Familie bei der Feuerwehr

Familienbande: Claudia und ihr Bruder Florian sind ebenso bei der Feuerwehr  wie Vater Dietmar (v.l.).

Familienbande: Claudia und ihr Bruder Florian sind ebenso bei der Feuerwehr wie Vater Dietmar (v.l.).

Foto: André Zand-Vakili

Vater, Tochter, Sohn – die Höpners aus Hamburg haben alle denselben Beruf: Sie bekämpfen Brände und retten Leben.

Hamburg.  Eigentlich sollte Florian den Namen Daniel bekommen. Aber Florian war ihm in die Wiege gelegt, spontan an diesem 20. Oktober 1999 auf der Buxtehuder Straße Ecke Hannoversche Straße. Da erblickte er das Licht der Welt. In einem Rettungswagen der Feuerwehr. Der hat, wie alle Fahrzeuge, den Funkrufnamen „Florian“. Heute ist Florian selbst bei der Hamburger Feuerwehr. Wie seine ältere Schwester Claudia (21) und Papa Dietmar (48). Die Höpners sind eine echte Hamburger Feuerwehr-Familie.

Geplant war das nicht. Erst die im vergangenen Jahr eingeführten neuen Laufbahnmodelle eröffneten den beiden Geschwistern die Möglichkeit, beruflich bei der Hamburger Feuerwehr einzusteigen. Feuerwehrmann war eigentlich nicht das erste Berufsziel von Florian. Dabei hatte sein Vater, langjähriges Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Kirchdorf, schon die Weichen in die Richtung gestellt. Dietmar Höpner selbst hatte bereits vor knapp 19 Jahren vom Heizungsbauer zum professionellen Feuerwehrmann umgesattelt und erst bei der Elbtunnelfeuerwehr, die damals zur Baubehörde gehörte, und 2003 bei der Berufsfeuerwehr angeheuert. „Schon als Kind fand ich ihn cool als Feuerwehrmann“, sagt Florian. Das färbte ab. „Ich ging als kleiner Junge immer als Feuerwehrmann zum Fasching und wenn es Playmobil als Spielzeug zum Geburtstag, dann waren es immer die Fahrzeuge und die Figuren der Feuerwehr.“

Vater schlägt Bewerbung vor

Aber gleich nach dem Abitur Feuerwehrmann zu werden, das stand nicht auf dem Plan, auch weil es bis 2018 nicht möglich war. „Ich wollte deshalb eigentlich erst eine Ausbildung zum Handwerker machen“, sagt der 19-Jährige.

Dann änderte die Feuerwehr ihre Einstellungsbedingungen. Seit 2018 kann man dort auch ohne abgeschlossene handwerkliche Lehre anfangen. Man muss mindestens den Hauptschulabschluss haben, gut schwimmen können, fit und schlau genug für den Test und damit tauglich für den Feuerwehrdienst sein. Diese Voraussetzungen habe er, fand sein Vater und riet Florian: „Schick denen doch mal eine Bewerbung.“

Jetzt ist Florian mitten in der Ausbildung. So wie seine Schwester, die ebenfalls nach dem Abi bei der Feuerwehr anfing und dort ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin begonnen hat. Sie hat, und auch da hatte der Papa mit seinem Rat seine Finger im Spiel, „ihr Hobby zum Beruf gemacht“. Claudia ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kirchdorf und das, es ist bemerkenswert, als erste und bislang einzige Frau. In der Schule, dem Gymnasium in Kirchdorf, war sie freiwillige Sanitäterin, die bei Blessuren Mitschüler versorgte oder auch bei Veranstaltungen im Einsatz war. „Zunächst war es auch bei mir kein Thema, bei der Feuerwehr anzufangen“, sagt die 21-Jährige. Deshalb hatte sie sich ursprünglich in Richtung Tiermedizin orientiert.

Besondere Herausforderung für Frauen

Auch sie bewarb sich bei der Feuerwehr, nachdem dort das Berufsbild Notfallsanitäter eingeführt wurde. Für Frauen ist es eine besondere Herausforderung. Sie müssen den gleichen Sporttest die Männer bestehen. Das ist nicht ganz einfach. „Beim ersten Versuch bin ich durchgefallen“, sagt die 21-Jährige. „Aber man kann sich darauf vorbereiten. Dann geht es.“

Wie bei ihrem Bruder dauert die Ausbildung drei Jahre. Allerdings unterscheiden sie sich. „Wir machen erst einmal ein 18 Monate dauernde handwerkliche Ausbildung“, sagt Florian. Auf seinem Stundenplan stehen Metall- und Holzarbeiten, Stahlbetonbau und Elektrotechnik. Ausgebildet wird nach den Richtlinien und in Kooperation mit der Handwerkskammer.

Danach wird dem 19-Jährigen 18 Monate lang alles beigebracht, was wichtig ist, um „retten, löschen, bergen“ zu können.

Claudia ist da schon näher am Einsatzgeschehen dran. „Es ist zwar sehr viel Theorie, die wir lernen müssen. Aber ich bin schon auf dem Rettungswagen mitgefahren oder habe Erfahrungen in der Notfallambulanz in einem Krankenhaus gesammelt“, sagt sie. Ist sie mit der Ausbildung fertig, kann sie sich nach drei Jahren weiter zur Feuerwehrfrau ausbilden lassen, um auch im Löschdienst eingesetzt zu werden.

Auf dem Löschzug trifft man sie nie gemeinsam an

Eines ist aber sicher. Zwar sind die Höpners alle bei der Feuerwehr und familiär „ein Herz und eine Seele“. Aber ein Höpner-Trio auf einem Löschzug wird es nicht geben. „Das ist nicht gut“, sagt Papa Dietmar. Da könnten dann Kollegen kommen und einen auffordern, mal mit dem Sohn oder der Tochter zu reden, wenn was nicht optimal gelaufen ist. Oder meine Kinder sind der oder die kleine Höpner. Das sind sie nicht. Die machen ihren Weg schon selbst.“

Und was sagt die Mama zu dem nicht ganz ungefährlichen Beruf? „Die ist froh, dass wir alle beruflich unter der Haube sind“, sagt die Geschwister. „Angst um uns hat sie nicht.“