Hamburg

Katholische Schulen: Wurde die Bilanz schlechtgerechnet?

Eugen Block und die anderen engagierten Katholiken bitten Erzbischof Stefan Heße um eine Gespräch.

Eugen Block und die anderen engagierten Katholiken bitten Erzbischof Stefan Heße um eine Gespräch.

Foto: Andreas Laible

Die Adventsrunde um Unternehmer Eugen Block zweifelt die Überschuldung an – und gab ein eigenes Gutachten in Auftrag.

Hamburg. Es ist vielleicht ein letzter Versuch prominenter Hamburger Katholiken, mit Erzbischof Stefan Heße ins Gespräch zu kommen und die Schließung von sechs katholischen Schulen doch noch rückgängig zu machen. Die sogenannte Adventsrunde um den Unternehmer Eugen Block hat sich erneut in einem Brief, der dem Abendblatt vorliegt, direkt an Heße gewandt.

„Immer wieder haben wir das Gespräch zu Ihnen gesucht. Wir wollen doch endlich verstehen, was Ihre persönlichen Gründe für die Schulschließungen sind. Wir möchten nachvollziehen, was aus Ihrer Sicht die Basis für die finanzielle Situation im Detail darstellt“, heißt es in dem Brief der Adventsrunde.

Katholiken werfen Erzbischof Bilanz-Taktierei vor

Vor zwei Wochen hatten die engagierten Katholiken einen massiven Angriff auf die Verantwortlichen um den Erzbischof gestartet und ihnen unter anderem „Bilanz-Taktierei und nahezu Manipulation“ vorgeworfen. Als Grund für die Schließung von sechs der 21 Schulen hatten Heße und Generalvikar Ansgar Thim stets die Überschuldung des Erzbistums angegeben, die derzeit bei 79 Millionen Euro liegen und sprunghaft ansteigen soll, wenn nichts geschähe.

Die vom Erzbistum beauftragte Beraterfirma Ernst & Young hatte zudem einen sehr hohen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf für die Schulen ermittelt. In die verbleibenden 15 Standorte will das Erzbistum trotz der Überschuldung in den nächsten Jahren rund 100 Millionen Euro investieren.

Block beauftragt selbst einen Gutachter

Ein von Block beauftragter Unternehmensberater, der Zugang zu den Bilanzen des Erzbistums hatte, war in einem eigenen Gutachten zu einer anderen Bewertung der Finanzlage gekommen. Unter anderem seien die Pensionsrückstellungen um etwa 100 Millionen Euro und die Reserve für Einnahmeausfälle aus der Kirchensteuer um 40 Millionen Euro zu hoch angesetzt worden. „Das Erzbistum ist reich und nicht arm“, folgert Block aus dem Gutachten. Mithin sei die Schließung der Schulen nicht erforderlich, was das Erzbistum bestreitet.

„Lassen Sie uns die von Ihnen definierte wirtschaftliche Überschuldung gemäß Ihrem Aufruf im gemeinsamen Handeln überwinden, was immer unser Bestreben war“, heißt es nun. „Wir, die Adventsrunde, möchten das Übereinander-Reden beenden und im konstruktiven Miteinander-Reden einen neuen Anfang finden. Können wir bald mit einem Gesprächstermin rechnen?“, schreibt die Runde, zu der auch PR-Agenturchefin Alexandra von Rehlingen gehört.