Investitionen

Zwei katholische Schulen in Hamburg gerettet – teilweise

Er dankte den vielen Spendern für ihre Hilfe: Erzbischof Stefan Heße im Mariendom.

Er dankte den vielen Spendern für ihre Hilfe: Erzbischof Stefan Heße im Mariendom.

Foto: Marcelo Hernandez

Das Erzbistum will an den Standorten in Barmbek und Harburg rund 25 Millionen Euro in Modernisierung und Neubau investieren.

Hamburg.  Das Erzbistum Hamburg will nun doch zwei bislang von der Schließung bedrohte Schulen erhalten: Die Sophienschule in Barmbek und die katholische Schule Harburg sollen als Grundschulen weitergeführt werden. Einem entsprechenden Vorschlag von Erzbischof Stefan Heße hat der Wirtschaftsrat des Erzbistums zugestimmt.

„Ich freue mich sehr, dass es möglich wird, gemeinsam mit etlichen Großspendern und vielen Hamburgerinnen und Hamburgern die beiden Standorte zu retten“, sagte Heße. Allerdings sei es nicht gelungen, den Stadtteilschulzweig in Harburg zu erhalten. Die erforderlichen Gesamtkosten hätten sich nach Informationen des Abendblatts auf rund 20 Millionen Euro belaufen. Dafür habe das Geld, das durch Spenden und Solidaritätsaktionen eingenommen worden sei, laut Heße nicht ausgereicht.

Erzbischof hatte um Spenden gebeten

Schon im Juni hatte das Erzbistum entschieden, die zunächst für möglich gehaltene und von vielen gewünschte Erweiterung der Grundschule St. Sophien um einen Stadtteilschulzweig fallen zu lassen – die Gesamtkosten hätten sich angeblich auf rund 25 Millionen Euro belaufen. „Angesichts der dramatischen Finanzlage des Erzbistums ist allein der Erhalt beider Standorte ein großer Erfolg“, sagte Heße jetzt.

Das Erzbistum hatte den Erhalt der Schulen in einem Moratorium von der Einwerbung von Spenden sowie der Gewinnung von Sponsoren und Investoren abhängig gemacht. Zuletzt hatte der Erzbischof im Juni noch einmal eindringlich um Hilfe gebeten und an die Spendenbereitschaft appelliert. Schon auf der Basis des bislang eingeworbenen Geldes hält das Erzbistums die Fortführung der beiden Standorte nun für möglich und hat das eigentlich bis Anfang 2020 laufende Moratorium abgekürzt.

Komplizierte Situation

Die Sophienschule an der Elsastraße in Barmbek, die derzeit in einem 60er-Jahre-Bau untergebracht ist, soll nun komplett als Grundschule neu gebaut werden. Dazu zählen eine Mensa, eine Turnhalle und eine Kindertagesstätte. Nach jetzigen Planungen belaufen sich die Kosten auf rund 17,5 Millionen Euro. Laut Erzbistum beträgt die Spendensumme für den Erhalt der Schule 4,2 Millionen Euro. Dabei hat sich allein die Unternehmerfamilie Francke mit einer Spende von „mehreren Millionen Euro“ engagiert. Die öffentliche Kampagne für den Erhalt der Sophienschule hat 166.000 Euro erbracht. Wenn die schulischen Gremien den Planungen zustimmen, soll mit dem Neubau der Schule 2021 begonnen werden.

Die katholische Schule Harburg soll als Grundschule in das Gebäude des katholischen Niels-Stensen-Gymnasiums umziehen, das wie fünf weitere katholische Schulen geschlossen wird. Für den grundschulgerechten Umbau des Standorts sowie den Neubau einer Turnhalle und einer Mensa werden Kosten in Höhe von 7,4 Millionen Euro veranschlagt. Derzeit ist noch nicht entschieden, wann mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Die Situation ist kompliziert, weil in dem Schulgebäude noch bis 2025 die Schüler des Niels-Stensen-Gymnasiums unterrichtet werden, die vor der Schließungsentscheidung des Erzbistums eingeschult worden sind.

2,9 Millionen Euro Spenden für Harburg

Die Spendensumme für die Harburger Schule beträgt 2,9 Millionen Euro. Die von der Schule initiierte öffentliche Spendenkampagne erbrachte 129.000 Euro. Nach Informationen des Abendblatts sind unter den Großspenden auch namhafte Beträge anderer, reicherer katholischer Diözesen.

„Wir sind erleichtert, dass die katholische Sophienschule in Barmbek und die katholische Grundschule in Harburg als wichtige Standorte guter Bildung und kirchlichen Lebens erhalten bleiben“, heißt es in einer Erklärung der Gesamtelternvertretung der katholischen Schulen. Schüler, Eltern und Lehrer hätten sich „leidenschaftlich für ihre Schulen eingesetzt“. Die Unterstützung aus den Gemeinden und dem katholischen Schulwesen habe wesentlich dazu beigetragen, dass die drohende Schließung der beiden Standorte abgewendet werden konnte.

„Allerdings wird unsere Freude getrübt: Wir bedauern zutiefst, dass die katholische Stadtteilschule Harburg geschlossen wird“, heißt es in der Erklärung der Elternvertreter weiter. Diese Entscheidung werde die verbleibende Grundschule schwächen, da es nun keine katholische weiterführende Schule in Harburg mehr gebe. „Zudem wird mit der Stadtteilschule in Harburg die fünfte von ehemals sieben katholischen Stadtteilschulen in Hamburg geschlossen“, kritisieren die Eltern.

Monatelange Phase der Ungewissheit

Der „systematische Rückzug“ aus dieser Schulform stehe „in starkem Widerspruch zum sozialen Auftrag der katholischen Kirche und wird negative Folgen für das katholische Schulsystem in Hamburg haben“. Die Gesamtelternvertreter fordern den Erzbischof und Generalvikar Ansgar Thim auf, weitere Anstrengungen für den Aufbau neuer Stadtteilschulen im Süden und im Zentrum der Stadt zu unternehmen, „um das katholische Schulsystem in Hamburg zu erhalten“.

Mit der Entscheidung für den Erhalt der beiden Grundschulstandorte in Barmbek und Harburg geht eine monatelange Phase der Ungewissheit für Eltern, Schüler und Lehrer zu Ende. Anfang 2018 hatte das Erzbistums für alle Beteiligten völlig überraschend angekündigt, wegen der dramatischen Finanzlage bis zu acht der 21 katholischen Schulen in Hamburg schließen zu wollen. Sechs Standorte nehmen mittlerweile keine neuen Schüler mehr auf und werden geschlossen werden: die katholischen Schulen Altona, St. Marien in Ottensen, Franz von Assisi (Barmbek), Neugraben, die Domschule St. Marien (St. Georg) sowie das Niels-Stensen-Gymnasium. Für die Sophienschule und die katholische Schule Harburg hatte das Erzbistum zunächst ein einjähriges Moratorium beschlossen, das noch einmal um ein weiteres Jahr verlängert wurde.

Erzbistum ist überschuldet

Hintergrund für die substanziellen Eingriffe in das katholische Schulwesen war ein vom Erzbistum in Auftrag gegebener Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Young. Danach ist das Erzbistum mit rund 80 Millionen Euro überschuldet. Das Überschuldungsrisiko würde, so Ernst & Young Anfang 2018, auf 350 Millionen Euro bereits im Jahr 2021 ansteigen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Derzeit lautet die Prognose, dass ein Minus von 260 Millionen Euro droht. Ein entscheidender Faktor ist die Erwartung, dass die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 um 40 Prozent zurückgehen wird.

Gegen die Schulschließungen entwickelte sich starker Protest, der über die katholischen Gemeinden deutlich hinausging. Engagierte Katholiken gründeten eine Schulgenossenschaft mit dem Ziel, alle oder einen Teil der Schulen in ihre Regie zu übernehmen. Nach langen Verhandlungen brach das Erzbistum die Gespräche ohne Einigung ab.

Mit den jetzt verbleibenden 15 katholischen Schulen bleibt das Erzbistum der größte private Schulträger in Hamburg. Es ist geplant, in die Weiterentwicklung und Modernisierung der 13 von Anfang an gesicherten Standorte im Laufe der kommenden Jahre rund 100 Millionen Euro zu investieren. Jetzt kommen mit den beiden Standorten in Barmbek und Harburg noch einmal rund 25 Millionen Euro hinzu.