Hamburg

Radiopreis 2019: Verblüffende Bekenntnisse und ein Appell

Elbphilharmonie: Promis zeigen Partner. Pinar Atalay: "Bloß nicht zu viel fummeln!" Hamburger Goldkehlchen am Ziel der Träume.

Hamburg. Was für eine Aufregung um den Deutschen Radiopreis 2019 in der Elbphilharmonie in Hamburg! Prominente Paare, die sich mega-selten zusammen in der Öffentlichkeit zeigen, spontane Bekenntnisse, viel Musik, viel Radio, die überraschten Sieger in den einzelnen Kategorien, viele Gespräche über die neue Macht der Podcasts – und ein Ausfall des Internets.

Doch der machte den Hamburger Goldkehlchen nichts. Sie haben ihr großes Ziel erreicht: Beim deutschen Radiopreis durfte der Männerchor, der von sich selber sagt, dass er nicht singen kann, im Großen Saal der Elbphilharmonie auftreten. Was sie sangen, hätte man auf Moderatorin Barbara Schöneberger münzen können: "Uptown Girl" von Billy Joel.

Am Ende bekam Herbert Grönemeyer den größten Applaus, als er sagte: "Kein Millimeter nach rechts!" Sein Appell war gegen Rechtspopulisten gerichtet, denen man keine Zugeständnisse machen dürfe. Die Preisträger dankten es dem engagierten Sänger mit kollektivem Aufstehen und langem Beifall.

Herbert Grönemeyer beim Radiopreis

Bundespräsident Steinmeier: "Dudelfunk"

Der Reihe nach: Wer war der ranghöchste Besucher der Gala in der Elbphilharmonie? Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er, der mal eine Blues-Melodie als Klingelton hatte, hob die Bedeutung des Radios auch für ihn persönlich hervor. Er höre auf Autofahrten am liebsten den Tag über Wortprogramme und abends entspannenden Jazz. Da müsse er sich auch gegen seine häufig mitfahrende Frau und den Fahrer duchsetzen.

Steinmeier hob die Bedeutung des Journalismus für die Gesellschaft hervor und sagte: "Gutes Radio ist wie Zeitung. Irgendwas bleibt immer hängen." Und Steinmeier sprach sich gegen "Dudelfunk" aus und ermunterte die Macher, den Hörern "ein paar Sätze zuzumuten".

Frank Thelens cooler Spruch über Podcasts

Neben dem Bundespräsidenten muss man außer den Siegern auch die Laudatoren erwähnen, die dem 10. Deutschen Radiopreis eine besondere Note geben sollten. Die Autorin Dörte Hansen gehörte ebenso dazu wie die ZDF-Journalistin Marietta Slomka oder Investor Frank Thelen aus der "Höhle der Löwen" (Vox), noch kein Radio-Format...

Aber Thelen sorgte beim erstmals vergebenen Preis für den besten Podcast (Antenne Bayern, Geheimakte Peggy) für einen der besten und passendsten Sprüche des Abends: "Lang ist das neue Kurz." Es war gemünzt auf den Erfolg der langen Wortbeiträge, der durch das Internet beschleunigt wurde. Von den guten Podcasts wird man noch hören.

Caren Miosga und Pinar Atalay zeigen ihre Gatten

Schon auf dem roten Teppich hatte es viel Getuschel gegeben über die Paare, die selten als Paar öffentlich auftreten, weil ihre Ehepartner doch meist im Hintergrund bleiben. Da zeigte sich "Tagesthemen"-Moderatorin Pinar Atalay mit ihrem Mann Reha Omayer, ARD-Kollegin Caren Miosga – ansonsten gleichfalls scheu auf roten Teppichen, weil ja das Seriöse der Nachrichten im Vordergrund stehen sollte – kam mit ihrem Mann Tobias Grob.

Weniger scheu und eher aus der Abteilung Unterhaltung statt Fakten, Fakten, Fakten: Talk-Smartie Hubertus Meyer-Burckhardt kam mit Gattin Dorothee Röhrig. Ohne den neuen Ehemann (vermutlich) kam Marietta Slomka. Sie hatte Ende August geheiratet, doch der Name ihres Gatten blieb im Dunkeln.

Die sonst sehr zurückhaltend wirkende Moderatorin Pinar Atalay verriet vor dem Radiopreis freimütig über ihre Kleiderwahl, dass es bei den Tagesthemen erheblich schwieriger sei, die passende Klamotte zu finden, als bei einer Gala wie dieser. Die Zuschauer würden extrem viele Kommentare darüber schreiben. Bei den Tagesthemen-Dienstkleidern gelte: "Bloß nicht zu viel fummeln!"

Otto und Udo im Doppelpack

Otto Waalkes und Udo Lindenberg, bei denen von Ehepartnern derzeit nichts Neues bekannt ist, kamen als Träller-Paar. Udo sollte einen neuen Song zum Besten geben, Otto sang auf dem roten Teppich davon, dass er auch nicht wisse, warum er so lustig ist. So geht hanseatisches Understatement. Otto kam dunkel gewandet, aber mit orangem Schal und Otto-Käppi.

Udo dagegen flötete schon vor der Gala dem NDR-Moderator Christian Buhk ins Ohr, dass er "süchtig" nach Radio gewesen sei als Jugendlicher in Gronau. Das muss kurz nach dem Krieg gewesen sein (nach welchem?), und Udo lauschte dem auch als Hörfunk-DJ unübertroffenen Chris Howland im WDR. Udo tanzte es quasi auf dem roten Teppich vor: "Was da aus dem Radio rausgeknallt ist, das ging richtig ab."

Deutscher Radiopreis: Reaktionen bei Twitter

In der Elbphilharmonie fiel zwischenzeitlich das Internet aus. Für einen Radiopreis nicht unbedingt entscheidend. Doch digitales Radio und vor allem die Facebook- und Instagram-Posts der prominenten Gäste fordern ein stabiles Netz. Wer am Mittwoch in der Elbphilharmonie saß, ist ja auch immer auf Sendung.

Radiopreis 2019: Das sind die 12 Sieger

  • "Beste Comedy": Hitradio ffh "Alexa", Boris Meinzer, Dirk Haberkorn
  • "Beste Innovation": 104,6 RTL, SWOP
  • "Bestes Interview": Bremen Zwei, "Eine Stunde reden"
  • "Bester Moderator": Steffen Lukas, Radio PSR
  • "Beste Moderatorin": Carmen Schmalfeldt, Radio Leverkusen
  • "Beste Morgensendung": N-Joy, Kuhlage & Hardeland
  • "Bester Newcomer": Roger Rekless, Plus, BR
  • "Bestes Nachrichten- und Informationsformat": Deutschlandfunk Nova, Update
  • "Bester Podcast": Antenne Bayern, Geheimakte Peggy
  • "Beste Programmaktion": Radio Gong 96,3, Johannes Ott, Mike Thiel, "Das Taxi von Frauen für Frauen"
  • "Beste Reportage": NDR Info, Holger Senzel, "Unterm Schlamm begraben
  • "Beste Sendung": Radio Emscher Lippe, 1200 Meter unter Tage