Fridays for Future

Klimastreik in Hamburg: Eine Demo für die Geschichtsbücher

Bis zu 100.000 Teilnehmer bei „Fridays for Future“ in der City. Hansestadt erlebt eine Demonstration, wie es sie so noch nie gab.

Hamburg. Dieser Freitag, 20. September, dürfte einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher haben: Bis zu 100.000 Menschen sind in Hamburg mit der Bewegung „Fridays for Future“ für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Auch wenn die Polizei „nur“ von 70.000 Teilnehmern sprach, war es eine der größten Demonstrationen in der Geschichte der Stadt. Bundesweit forderten mehr als eine Million Menschen ein entschiedeneres Handeln gegen den Klimawandel, weltweit sogar viele Millionen.

Newsblog: So verlief der Klimastreik in Hamburg

„Hamburg, du machst uns sprachlos!“, twitterten die teilweise noch jugendlichen Veranstalter von „Fridays for Future“. „Wir sind 100.000 Menschen, die heute gemeinsam für konsequente Klimapolitik auf die Straße gehen. Das ist ein klares Signal an das Klimakabinett: Was ihr vorhabt, reicht lange nicht aus!“

Vielfältige Forderungen

Schnellerer Kohleausstieg, die Abkehr von autogerechten Städten, Reduzierung des Flugverkehrs und weniger Fleischkonsum – das waren einige der Forderungen, die die Demonstranten erhoben. Die Bewegung war erst vor einem Jahr von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg als „Schulstreik für das Klima“ ins Leben gerufen worden.

Wie ungewöhnlich die Hamburger Kundgebung war, zeigte sich am frühen Nachmittag: Da hatte der Anfang des Demonstrationszuges die gut drei Kilometer lange Route durch die Innenstadt absolviert und holte das Ende des Zuges ein – das noch immer am Jungfernstieg stand und noch gar nicht losmarschiert war. So bildete sich über Stunden eine kilometerlange Menschenkette durch die Hamburger City.

Völlig friedlich und störungsfrei

Besonders bemerkenswert: Obwohl mehr als doppelt so viele Menschen kamen wie erwartet, verlief die Veranstaltung völlig friedlich und störungsfrei und vereinte auch alle Generationen hinter einem Thema. Von der neun Jahre alten Yuna, die sich schon Gedanken machte, ob ihre Kinder „noch Schmetterlinge sehen können“ bis hin zu Rentnern wie Martin Dittrich (76), der auf einem selbstgebastelten Plakat forderte, dass „Mädchen und Knaben eine Zukunft haben“.

Selbst erfahrene Umwelt- und Friedensaktivisten konnten sich nicht an eine vergleichbare Demonstration erinnern. Sowohl die Proteste gegen die Kernkraft nach dem Reaktor-Unglück in Fukushima (Japan) 2011 mit 40.000 bis 50.000 Menschen als auch die größte Demonstration im Rahmen des G-20-Gipfels 2017, als nach unterschiedlichen Angaben 50.000 bis 75.000 Menschen unter dem Motto „Hamburg zeigt Haltung“ auf die Straße gegangen waren, blieben hinter dem „Klimastreik“ zurück.

Umweltsenator beeindruckt

„Die Demonstration heute war ein machtvolles und beeindruckendes Signal für echten Klimaschutz“, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). „Das kann man vom Paket der Bundesregierung leider nicht behaupten.“